Achtung Lästerei: Nervalarm beim Babyschwimmen

Auch ich bin in den Strudel der Babykurse gezogen worden. Ich habe mich innerlich lange dagegen gewehrt. Doch irgendwann bin auch ich eingeknickt. Gut, ich hatte auch keine Chance nach dem Anruf der Pekip-Tante, die meine Nummer von der Hebamme hatte: „Es ist exakt nur noch ein Platz frei und alle – wirklich alle Frauen aus dem Vorbereitungskurs sind dabei. Nur sie nicht. Der Platz ist sehr begehrt und sofort weg, wenn Sie sich jetzt nicht entscheiden! Ich will Sie ja nicht unter Druck setzen, aber alle machen mit!“ Was soll man da noch machen? Die Vorstellung Babykurse zu besuchen, hat mich schon in der Schwangerschaft wahnsinnig gemacht. Ich hatte Angst vor dem Baby-Overkill und nervigen Muddis. Während sich Beides beim Pekip (jepp, habe ich dann ja gemacht. Drei Kurse. Wollte ich erst auch nicht. Fand ich dann toll!) nicht bewahrheitet hat, trifft beim Babyschwimmen zumindest der letzte Punkt zu: nervige Muddis und Vaddis (diese sonst nur selten bei Babykursen zu beobachtende Spezies, taucht hier vereinzelt auch mal auf).

Lange dachte ich: Schwimmen kann ich mit dem Baby auch alleine. Was soll der Hype, 50 Euro im Monate dafür zu zahlen, dass ich für 20 Minuten in der Woche mit meinem Kind und zehn anderen Babys inklusive Anhang in ein kollektives Pinkelbecken steigen darf? Doch im Alltag merkt man recht schnell, dass es nicht so leicht ist, alleine mit einem Baby eine handelsübliche Badeanstalt zu besuchen. Denn: das Wasser ist stark gechlort und zu kalt, Ablagemöglichkeiten spärlich gesäht und man müsste Matten, Reifen und anderes Spielzeug selbst mitbringen. Außerdem fehlt die Inspiration. Zu stressig. Zu nervig. Macht man dann eh nicht. Aber das Kind soll sich ja ans Wasser gewöhnen und Spaß haben. Also hab ich eine Probestunde bei DEM Anbieter für Babyschwimmen gemacht, gemerkt, dass die Kleine es super findet und mich für sechs Monate verpflichtet. Leider herrschen da mafiöse Strukturen und man kann nur Abos anschließen. Mindestdauer: sechs Monate. Aber was tut man nicht alles für den Nachwuchs.

Ich habe leider direkt gemerkt, dass die Kursteilnehmer auf den ersten Blick so gar nicht auf meiner Wellenlänge sind. Das hat sich leider auch beim zweiten und dritten Blick nicht geändert. Letztendlich auch egal, weil Freunde fürs Leben muss ich beim Schwimmen nicht finden. Hauptsache die Kleine hat Spaß. Allerdings fänd ich eine etwas freundlichere und lockerere Stimmung nicht schlecht. Denn es gibt anscheinend nur diese vier Muddi/Vaddi-Typen in meinem Kurs:

ACHTUNG: Es folgt eine überspitzte und polarisierende Darstellung, die man auch als Lästerei oder sogar Satire bezeichnen könnte. Somit sollten Leser mit schwachen Nerven, wenig Sinn für Humor sowie Teilnehmer des Kurses, die sich wiedererkennen, aus dem Text aussteigen. Hier ist der Notausgang.

O.K weiter geht’s!

Typ 1: Der mega spießige überehrgeizige Papa

Wenn er mit Claudius Constantin* ins Wasser schreitet, verzieht er keine Miene. Sein Seitenscheitel glänzt im Neonlicht und seine hautenge Speedo lässt keinen Raum für Spekulationen. Er sieht relaxt aus. Der Grund dafür ist einfach: Er bekommt den badefertigen Claudius Constantin jede Woche von seiner adretten Frau angereicht. Ja, ernsthaft. Sie zieht in um und macht ihn fertig. Dann schwimmt Vaddi 20 Minuten mit seinem Sohnemann und anschließend nimmt sie das Kind am Beckenrand wieder in Empfang und zieht ihm sein siebenteiliges Steiff-Kollektion-Outfit an. Im Becken hält sich Papa nicht mit Smalltalk oder anderen Höflichkeiten auf. Mit versteinerter Miene zieht er alle von ihm verlangten Übungen mit der Präzision einer schweizer Taschenuhr durch. Für Eltern, die auf das Tauchen lieber erst noch verzichten wollen, hat er nur ein müdes Grinsen übrig. Claudius Constantin muss alle Übungen mitmachen. Und zwar tiefer, schneller, weiter. Weint ein Kind im Becken schwimmt Papa weg von dem Unruheherd und sagt zu seinem Sohnemann: „Guck dir so was ja nicht ab!“

Typ 2: Die überengagierte Labertasche

Schon in der Umkleide plappert sie munter drauf los. Zähnchen, Breichen, Kitanavigator. Alle essentiellen Babythemen werden im Schnelldurchlauf abgehakt. Allein vom Zuhören bekommt man von dem Babytalk in Doubletime Seitenstiche. Auch die Konzentration beim Schwimmen leidet darunter. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass das Baby einen ziemlich großen Schluck Wasser nimmt, weil Muddi vor lauter Laberei gar nicht mitbekommt, dass die Kleine unter Wasser geraten ist. Manchmal rammt sie beim Rückwärtsgehen aber auch einfach das Kind vor sich und löst damit eine Massenkollision im Schwimmkreis aus.

Typ 3: Die desinteressierte Mehrfachmuddi

Muddis mit „nur“ einem Kind lässt sie links liegen. Sie hat andere Themen auf dem Herzen und will die Zeit nicht mit Neumuddis verplempern. Außerdem hat sie den Kurs schon mit Kind 1 bis 3 mitgemacht und findet das alles ganz offensichtlich lame.

Typ 4: Die Öde

Sie redet nicht, verzieht keine Miene. Beteiligt sich nicht an Small-Talk und sagt nicht Hallo und auch nicht Tschüss.

Mehrfachnennungen sind hier übrigens möglich. So ist Typ 1 auch Typ 4 und Typ 4 auch manchmal eine 3 ohne die 2;)

Wie die anderen Kursteilnehmer mich beschreiben würden, ist nicht überliefert. Vielleicht bin ich Typ 5: Blöde Kuh im Bikini, die unter der Dusche singt, ihr Kind an der Shampoo-Flasche nuckeln lässt und im Singkreis grenzdebil grinst.

Vielleicht fehlen mir beim Babyschwimmen auch nur ein paar nette Muddis, die auch noch nen bisschen Rock’n’Roll geblieben sind. Gut: Suche abgebrochen.

*Name von der Redaktion geändert.

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4 Kommentare zu „Achtung Lästerei: Nervalarm beim Babyschwimmen

  1. Nach diesem Text kann ich ja wohl froh sein, dass ich ausgerechnet das Babyschwimmen ausgelassen habe!

    Andererseits hätte ich dir den notwendigen Rock’n’Roll gebracht!

    LG Jessi

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