Humor im Kreissaal? Der krasseste Tag meines Lebens

Nein, dies wird kein chronologischer Geburtsbericht. Ich werde nicht über meinen Muttermund oder die Presswehen schreiben. Es wird kein Blut fließen (Ja, gut. Ein bisschen schon). Es geht mir eher um den Tag als solchen. Um das Drumherum. Darum, wie der krasseste und irgendwie auch schönste Tag in meinem Leben auch der merkwürdigste war. Und die Erkenntnis: Man kann auch im Kreissaal während der Geburt für Lacher sorgen – zumindest teilweise.

Dieser Tag im März war strange. Viel zu sonnig. Viel zu warm. Ich wachte morgens auf mit der Gewissheit: Heute wird meine Tochter geboren. Denn ich hatte Wehen. Doch ich war ruhig. Mein Mann war bei der Arbeit. Ich war allein, hatte Wegen und keine Angst. Nein, ich freute mich. Das war merkwürdig. Denn eigentlich hatte mich der Gedanke an die Geburt vorher immer total panisch gemacht. Nicht an diesem Tag. Recht munter atmete ich Wehen weg, duschte, knipste noch ein Bauch-Selfie, schmiss eine Ladung Wäsche in die Maschine und dann rief ich Hebamme und Mann an.

Noch recht gut gelaunt und ziemlich aufgeregt fuhren wir zwei Stunden später in die Klinik. Ich hatte meine Sonnenbrille extra noch eingepackt. Wofür auch immer. Vielleicht hatten die Hormone mir auch vorgegaukelt, dass ich in den Urlaub fahre. Wie sich wenige Stunden später herausstellte, war das nicht der Fall…boy was I wrong!

Und dann ging es auch schon los

In der Klinik sagte eine erstaunte Hebamme, dass ich nicht den Eindruck mache, seit mehreren Stunden Wehen zu haben. Doch sie lag falsch, denn das Kind war schon ziemlich bereit zu kommen. „Du wirst gleich Mutter!“, sagte die Hebamme. Und dann traf es mich. Shit! Ja, krass! Ich kriege gleich ein Kind. Wie abgefahren ist das bitte? Ich stellte mir eine Konversation an der Supermarktkasse vor: „Und? Wie war ihr Wochenende so?“ „Also ich hab Wäsche gemacht und dann noch nen Kind gekriegt. Und Sie?“

Bizarr. Bald sind wir zu dritt.

Abgefahren war auch, dass der Gyn-Stuhl im Kreissaal defekt war und mittendrin ein schnauzbärtiger Typ im Blaumann und mit Werkzeugkasten in der Hand rein kam. Er gab mir zur Begrüßung auch noch die Hand. Lecker! Er ruckelte ein bisschen an dem Stuhl rum, schraubte was fest und entschwand wieder. Natürlich nicht ohne mir noch nen schönen Tag zu wünschen. Ich glaube ihm war das unangenehmer als mir. Bizarr.

Später kamen noch ein etwas zu gut gelaunter Pfleger und ein unfähiger Anästesist hinzu. Leider bekam letzterer das mit der PDA nicht so gebacken. Nach 45 Minuten schickten sie einen anderen Anästesisten, der sagte, dass es der letzte Versuch sei. Die Nerven lagen blank. Bei allen. Irgendwie wollte ich aber die Situation ein wenig auflockern und sagte kurz vor dem letzten Versuch: „So Leute, ich hab vom Feeling her echt ein gutes Gefühl!“ Zumindest der Pfleger konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Mein Mann schüttelte nur noch ungläubig mit dem Kopf. Bizarr.

Als ich dann zu meiner Hebamme noch sagte, dass meine Moral (ich meinte wohl Motivation, aber das habe ich in dem Moment nicht gerafft) gerade ziemlich am Boden sei und ich vielleicht ein kleines Päuschen bräuchte, bekam ich einen verbalen Einlauf: „Deine Moral ist mir jetzt ziemlich scheißegal! Es geht jetzt weiter!“ Ich bin meiner Hebamme nicht böse. Denn in dem Moment brauchte ich klare Worte und Anweisungen. Denn das blöde an so einer Geburt ist, dass man nicht einfach sagen kann: “ Leude, war schön mit euch! Ich hab jetzt keinen Bock mehr. Wir können ja morgen weitermachen!“

Last action hero

Ein weiteres „Highlight“ dieses bizarren Tages war der Arzt, der zum Schluss nochmal vorbeischaute, weil die Kleine irgendwie nicht mehr weiter kam. Mit osteuropäischem Akzent sagte er nur: „Das kriege ich hin!“ Es klang extrem entschlossen und hätte auch das Zitat aus einem Action-Film sein können. Bizarr. Fluchtinstinkte kamen kurzzeitig auf. Doch es klappte alles. Und plötzlich hast du dein Kind im Arm und siehst es zum ersten Mal. Das ist mega krass. Ich kann das Gefühl auch nicht beschreiben. Das muss man in der Tat wohl selbst erlebt haben.

Bei der anschließenden Näh-Aktion kam ich mir dann vor wie in einer Werkstatt. Siebener. Zehner. Siebener. Statt Öl hatten die beiden Ärzte, die da zugange waren allerdings Blut auf ihrer Kleidung kleben. Bizarr. Da liegt dieses zarte süße Wesen auf deiner Brust und dahinter sieht es aus wie in einer Szene aus Kill Bill. Und irgendwie hatte ich keinen Bock mehr (meine Moral war wohl mal wieder am Boden;)) und fragte, wie lange es denn noch dauern würde. Denn eines stimmt nicht: Dass man keine Schmerzen mehr hat, sobald man das Kind im Arm hat. Die Ärzte guckten leicht irritiert und der Chef sagte nur: „Das dauert noch nen bisschen. Ist wie beim Zahnarzt. Einfach an was anderes denken!“ Ja, ne ist klar.

Mein Mann hat übrigens Bilder im Kreissaal gemacht. Daran kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern. Auf einem der Bilder ist auch noch eine Ärztin mit drauf. Und erst da sehe ich, dass wir beide das exakt gleiche schwarz-weiß gestreifte Oberteil anhatten. Bizarr. Partnerlook mit der Ärztin.

Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt

Ich will das hier nicht verklären. Bizarr heißt nicht, dass die Geburt lustig oder total easy war. War es schlimm? Ja, irgendwie schon. Hatte ich es mir so vorgestellt? Nein, ich hatte es mir in der Tat schlimmer vorgestellt. Letztendlich hat das mit der PDA ja nicht geklappt und auch ohne fand ich die Schmerzen noch ok. Es war allerdings ein wenig chaotisch. Und eben vieles total bizarr. Denke ich gerne daran zurück? Jein, einige Momente würd ich lieber ausblenden. Aber an sich war es natürlich ein überwältigendes Erlebnis mit dem besten Ergebnis, was man sich vorstellen kann. Einer kleinen Tochter! Es ging alles recht schnell und innerhalb von fünf Stunden hatte ich die Kleine. Ich hätte mir allerdings eine bessere Nachbereitung der Geburt gewünscht. Einfach, dass jemand einem Dinge mal genauer erklärt.

Ich fühlte mich allerdings ganz gut auf die Geburt vorbereitet. Ich hatte eine Beleghebamme. Eine seltene Spezies und in meinem Falle einfach Gold wert! Außerdem habe ich mir Atem- und Entspannungstechniken aus einem Hypnobirthingbuch angeeignet. Ich halte eigentlich nicht viel von tausend Kursen und Ratgebern. Aber diese Techniken haben mir echt geholfen. So konnte ich echt gut Wehen veratmen und mich entspannen. Letztendlich kann man aber noch so viel machen und lesen: Es wird beim ersten Mal immer ganz anders, als man es sich vorgestellt hat, weil man sich eine Geburt einfach nicht genau vorstellen kann. Außerdem lässt sich nichts planen. Bei jedem ist es anders. Es gibt keine Regel. Eines ist aber sicher: Es wird der krasseste Tag deines Lebens sein.

 

 

 

 

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13 Kommentare zu „Humor im Kreissaal? Der krasseste Tag meines Lebens

  1. Hallo!
    Das war exakt das erste, was ich dachte, als mein Sohn geboren war: Krass. Mehr produzierte mein Hirn nicht. Nur krass. Und meine Freundin, die munter mit mir Presswehen veratmete, weil der Muttermund noch nicht ganz auf war, sagte auch zu mir: „Du kriegst grad ein Kind! Du bist gleich Mutter! Krass, oder?“
    Ja. Krass. Und bei jedem Mal wieder.

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  2. Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Geburtsbericht! Ich habe ihn mit schmunzeln auf den Lippen gelesen! Man merkt richtig wie entspannt du warst – Hypnobirthing wird da wohl seinen Teil dazu beigetragen haben und deine Beleghebamme👍🏻.

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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  3. Ohja, für Lacher ist gesorgt. Ich fand die Atemübungen, die ich machen sollte, unglaublich lustig – da kniet man auf einer Liege mitten im Raum und wuff-wuff-wufft vor sich hin, während eine Hebamme und eine aufgeregte Medizinstudentin hinter einem stehen und schreien „Da ist der Kopf!“

    Ach, so ein schrecklich schöner, krasser Tag.

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  4. Haha – das erinnert mich ein bisschen an meine 1. Geburt. Ich hatte irgendwie auch total gute Laune und die Hebamme war glaube ich etwas irritiert. Sie hatte zunächst gar nicht geglaubt, dass die Geburt schon so weit fortgeschritten war, doch dann ist die Fruchtblase geplatzt und bei der Untersuchung war der Muttermund schon 5 cm auf. Sie war ziemlich erstaunt und ich hab meine Witzchen gerissen 😀

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  5. Schön, auch mal so einen Bericht zu lesen. Ich habe auch solche Erinnerungen. An bizarre, unangenehme und auch im Nachhinein witzige Dinge.
    So manches sollte man als Frau aber wirklich gesagt bekommen. Zum Beispiel, dass man sich weiches Toilettenpapier einpackt, weil das Sandpapier in der Klinik nicht für frisch gebackene Mütter geeignet ist 😉
    Oder, dass man sofort, bei Betreten des Kreissaales die wichtigsten Infos ungefragt herausplappern muss („Hallo, mein Name ist XY, ich bekomme mein X-tes Kind, habe seit soundsoviel Stunden wehen, jetzt kommen sie alle X Minuten und ich möchte – a) im Bett, b) im Wasser, c) im Stehen oder d) ganz anders – entbinden)
    Ich wollte bei meinem ersten Kind nach zwei Stunden übrigens auch nach Hause. Ich hatte einfach keine Lust mehr 😛 Dann kam eine andere Hebamme, eine etwas ältere und herrisch anmutende Person. Die etwas genervte Frau war in dem Moment wohl genau richtig für mich.
    Lachen musste ich bei deinem Bericht, weil auch ich total entspannt war. Als ich wusste, dass ich Wehen habe, bin ich erstmal unter die Dusche, hab dann meine Kliniktasche gepackt und bin relativ ruhig ins Krankenhaus. Beim zweiten Kind wollte mir auch keiner glauben, dass das Kind ganz bald da sein wird. Ich konnte von Glück sagen, dass meine Tochter in einer relativ vollen Wanne auf die Welt kam und nicht in einer Pfütze 😉
    LG

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  6. Danke! Was für ein toller Bericht. Und Bizarr trifft den Nagel auf den Kopf!
    Ich weiß noch, wie ich im CTG-Zimmer zu meinem Mann sag: Das wird heut nix. Dann das Kommando: ab in den Kreißsaal, dann fängt die Hebamme an die Wärmelampe anzuschalten und Babysachen herzurichten und ich denk mir: für welches Kind soll das denn sein?
    Oder auch der Arzt, der noch kurz auf den Bauch drückt, damit das letzte Stück flutscht… Bizarr…
    Schön aber bizarr 🙂

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  7. Diesen „Krass-Moment“ hatte ich, als ich zum ersten Mal wirklich begriff, dass meine Blase zu früh gesprungen war und ich tatsächlich meine Tochter früher als geplant entbinden werde. Der Arzt im Kreißsaal begrüßte mich nämlich nicht mit einem „Hallo“, sondern lediglich mit einem nüchternen „Dann werden Sie also heute Ihre Tochter 6 Wochen zu früh bekommen.“ Ich hatte noch zu Hause zu den Sanitätern gesagt, sie sollen meine Kliniktasche ruhig stehen lassen, ich gehe eh wieder nach Hause. Glücklicherweise war meine zufällig anwesende Freundin so hell in dem Moment und hat sie heimlich mitgenommen. 😀

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