Arschlochkinder – ein Phänomen in der Diskussion

Vor ein paar Tagen habe ich den Artikel „Gibt es Arschlochkinder wirklich?“ veröffentlicht. Es ging dabei um eine unliebsame Begegnung mit ein paar Kindern auf einem Sommerfest und die Frage, ob Kinder wirklich schon Arschlöcher sein können. Der Beitrag ist innerhalb von 24 Stunden mehr als 500 Mal geteilt worden. Auch Bloggerin Bea von Tollabea hat meinen Artikel bei Facebook geteilt und die Resonanz war überwältigend. Ich erlebte einen richtigen Ansturm auf meinen Blog. Innerhalb weniger Stunden haben mehr als 2000 Besucher den Artikel angeklickt und es wurden insgesamt rund 100 Kommentare bei Facebook und auf meiner Seite gepostet. Die Diskussion wurde sehr kontrovers geführt. Klar, das Wort „Arschlochkind“ polarisiert. Auch ich hatte ja meine Probleme mit dem Ausdruck. Dennoch, die Diskussion zeigt: Es ist was dran an dem Phänomen. Es bewegt und spaltet die Leser.

Die großen Fragen bei dem Thema: Was kommt von den Genen und was macht Erziehung aus? Und was ist mit Kindern, die sich aufgrund von Krankheiten wie dem Asperger-Syndrom auffällig verhalten? Kann ein Kind einfach von Geburt an einen fiesen Charakter haben oder ist es ein Produkt von Erziehung und Umwelt? Oder ist die Aufteilung 50/50 wie es erst kürzlich in einem Artikel in der Zeit Online stand, als es um die Weitergabe von Intelligenz ging? Da sich über diese Thematik schon seit Jahrzehnten Pädagogen und Psychologen uneinig sind, werden wir an dieser Stelle wohl keine Lösung finden. Aber: Ich möchte hier einmal ein paar Positionen und Meinungen der Leser von der Facebook-Seite von Tollabea präsentieren, wo mein Artikel unter anderem geteilt und heftig diskutiert wurde. Außerdem habe ich ein paar tolle Artikel anderer Bloggerinnen zu dem Thema gefunden, die verschiedene Perspektiven beleuchten. Ich persönlich glaube übrigens, dass die Thematik komplexer ist, als auf den ersten Blick ersichtlich. Und: Ich bin der Meinung, dass sowohl Justin und Chantal, als auch Friedrich-Konstantin und Marie-Louise fiese Kinder sein können:)

Viel Spaß beim Lesen*:

  • „Kinder, so zu bezeichnen, ist ja wohl das Letzte. Da frage ich mich ernsthaft, wer hier Das Ar…ist. Klar ist man frustriert, wenn die eigenen Kinder betroffen sind. Aber es sind immer noch Kinder. Als wenn hier, alle als Kind, Engel wahren. Früher hießen sie Rowdies und jetzt Ar…Kinder?? Pfff…“
  • „Es gibt definitiv welche, unbestreitbar. Ich kenne auch einige Kinder von der Sorte… Wobei ich die Meinung vieler hier nicht teilen kann, dass die Eltern immer asozial sind oder antiautoritäre Erziehung praktizieren. Ich kenne auch Eltern, die ich sehr gerne mag, die verzweifelt versuchen ihr Kind zu erziehen und es einfach nicht schaffen, weil das Kind ständig bockig und uneinsichtig ist. Ist halt der Charakter, dagegen kann man nicht viel tun.“
  • „Meiner Meinung nach steht hinter jedem A-Kind die A-Eltern. Also wenn es wirklich so was wie A-Kinder gibt, sind sie so, weil ihre Eltern sie so geformt bzw. sie zu dem gemacht haben.“
  • „Kein Kind wird böse geboren. Bei manchen versagen die Erziehungsberechtigten, andere haben in ihrem kurzen Leben unsäglich schlimme Dinge erlebt, wieder andere haben tatsächlich ein „Handicap“ im sozialen Umgang und in ihrer Wahrnehmung. Natürlich verteidige ich mein Kind gegen Angriffe, aber wer bin ich, dass ich über den Kontrahenten urteilen könnte?“
  • „Leute, Leute. Hört euch mal selbst reden. Habt Ihr eure eigene Kindheit und Kinderstube vergessen? Was ist bloß mit euch los? Es wird immer Kinder geben, die lauter, frecher, aktiver sind, als andere. Na und? Alles, was diese Kinder brauchen, ist EUER Lächeln, ein paar klare Regeln und die Geduld, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Einige von euch müssen dringend runter vom „Gott sei Dank nicht mein Kind“-Reden und „Alles nur Erziehungssache“-Thron! Früher gab es Rowdies und kleine Machos und Diven und heute auch. Punkt!“
  • „Ich halte weder was vom Titel „Arschlochkind“ noch von der These, dass es an der Erziehung und der vermeintlichen Nichterziehung durch die Eltern liegt. Jeder Mensch ist ein Individuum und somit spielt bei jedem etwas anderes eine Rolle, wieso er sich in solchen sozialen Konstellationen so oder so verhält. Ob Justin (Schublade auf, Klischee raus, Kind rein) nun einfach ätzend ist, seine Eltern sich nicht kümmern, er von älteren Geschwistern selbst gegängelt wird, ob er Asperger hat, keinen Schimmer von kleinen Kindern und der dazugehörigen Rücksicht, ob ihm an diesem Tag erstmals was gelungen ist und jetzt sind die Steine alle, ob er heut schon 100 Mal gesagt bekommen hat, was er falsch macht und jetzt rot sieht…. alles und nix davon ist möglich. Dem Kind zeigen: so geht es nicht, so toleriere ich das hier nicht ist wichtig. Die Eltern müssen bei 7/8 jährigen sicher nicht mehr am Rand des XXL-Duplo Bereiches sitzen. Also muss man halt selbst eingreifen. Da kann er toben und wütend sein wie er will. Und im Zweifel zieht man sich aus der Situation.“
  • „Es gibt sie und ich persönlich finde, es werden immer mehr.“
  • „Natürlich gibt es Arschlochkinder, woraus sollten sonst die ganzen Erwachsenen Arschlöcher erwachsen …. und ob das immer die Eltern oder das Umfeld sind? Unter Geschwistern kann auch ein einziges sein …“
  • „Ich kann zwar noch nicht aus Erfahrung sprechen, da bei uns noch alle äußerst süß und nett sind, aber ich glaub jedes Kind durchläuft eine Arschlochkinderphase.“
  • „Das sind die Manager von Morgen.“
  • „So wie wir unsere Genetik an den Nachwuchs weitergeben, so geben wir auch unsere Intelligenz mit. Das ist schon mal die Basis des „kleinen, neuen Menschen“. Der Rest des Sozialverhaltens resultiert aus Umgang und Erziehung. Ist die Basis aber schon mal weit unter dem Durchschnitt, ist das leider schon kein guter Start. Da die Basis ja bei den Eltern logischerweise auch nicht höher angesiedelt ist, wird dann auch fatalerweise so erzogen und zack: Fertig ist der Duplo Dieb….“

Weitere Kommentare findet ihr hier.

Auch andere Blogger-Kolleginnen haben sich mit dem Thema – wenn auch in anderer Form – beschäftigt:

Muttis Nähkästchen: „Ich bin eine Arschlochmutter“

kiddo.the.kid: „Dein Kind ist ein Arsch“

…und dann kam sie: „Dein Kind ist doof“

*Ich habe die Zitate weder inhaltlich noch grammatikalisch verändert, sondern nur ganz grobe Rechtschreibfehler verbessert.

Ein Abend ohne Kind: Date-Night!

Wir hatten es uns so schön ausgemalt. Ein abend zu zweit in einem Restaurant. Cocktails. Kerzenschein. Tapas. Ohne Kind. Die Großeltern hatten sich zum Babysitten angekündigt. Das hieß: Date-Night! YEAH! Der letzte Abend in trauter Zweisamkeit war schon eine Weile her. Es kommt ja immer was dazwischen. Das Leben. Oder das Kind. Naja, eben das Leben mit Kind.

Doch heute Abend hatten wir es vor. Alles klappte wie am Schnürchen. Das Töchterchen ließ sich ohne Murren von Oma zeitig ins Bett legen. Wir hatten uns ausgehfein gemacht. In Schale geschmissen und die Klamotten mit den Flecken in die Wäschetonne gekloppt. Die Nacht war lau. Wir schafften es sogar noch rechtzeitig ins Restaurant und bestellten übermütig wie zwei Teenager direkt zwei Jumbo-Cocktails vor Ablauf der Happy Hour. Wir scherzten mit dem Kellner darüber. Fühlten uns wie früher. Cocktails an einem Samstagabend. In einem Restaurant. Mit Erwachsenen. Ohne Hochstuhl und ohne Kinder. Auch mal ganz schön. Leichte Chill-Out-Klänge im Hintergrund und die Stimmung bestens.

Das Essen kam. Es war gut. Die Cocktails gingen gut runter. Doch dann um 20.40 Uhr das Unvorstellbare: wir können uns plötzlich kaum noch auf den Stühlen halten. Nein, nicht weil wir betrunken waren. Das wäre ja eine coole Geschichte. Wir waren plötzlich totmüde. Erst erstarrten nur die anfangs euphorischen und anregenden Gespräche. Stille. Wir guckten uns mit müden Augen an – daran änderte auch mein aufwendiges Augen-Makeup nichts mehr. Schließlich sprach ich das Unaussprechliche aus: „Bist du auch so furchtbar müde? Ich kann kaum die Augen aufhalten. Ich will schlafen!“ Mein Mann nickte mit schweren Augenlidern und erwiderte: „Meinst du es ist peinlich, wenn wir jetzt schon Heim gehen?“ Wir mussten lachen, aber nur kurz, weil wir zu müde waren. Wir hatten diesen Abend zwei Wochen lang geplant und uns ewig darauf gefreut, mal wieder zu zweit Essen zu gehen. Das konnte jetzt echt nicht sein. Die Großeltern waren extra angereist. „Das können wir nicht machen!“, sagte ich. Zu peinlich. Wir einigten uns, dass 22 Uhr etwas weniger peinlich für eine Rückkehr wäre. Mindestens bis dann durchhalten. Irgendwie. Es war armselig. Wir waren mal Partyanimals. Doch Schlafmangel ist einfach eine Bitch.

Wir brauchten frische Luft. Sonst hätte ich mich auf einer Bank eingerollt und wäre noch im Restaurant eingeschlafen. Ein Spaziergang brachte uns wieder nach vorne. Wir genossen es, einfach mal zu zweit Hand in Hand durch die Stadt zu gehen. Auch schön. Wir waren dann noch ganz verrückt und haben einen Absacker getrunken und tatsächlich bis Mitternacht durchgehalten. Wir waren stolz auf uns. Früher sind wir im Morgengrauen angeduselt nach Hause getorkelt. Heute stehen wir im Morgengrauen auf. So ist das eben. Aber Date-Night muss sein – auch, wenn man sich manchmal durchbeißen muss. Vielleicht fangen wir demnächst einfach früher an.

Gibt es Arschlochkinder wirklich?

Kinder sind für mich unschuldige und reine Wesen, die als Babys gut riechen und die einen (abgesehen von Schlafmangel und Co.) tierisch glücklich machen. Gut, später riechen Kinder nicht mehr so gut und haben immer irgendwas im Gesicht kleben, aber das tut hier nichts zur Sache. Sie sind gut. Unverdorben. Kinder können nicht schlecht sein. Sie können nicht böse sein. Egal, wie viele Horrorfilme man geguckt hat. In der Realität sind sie einfach erst einmal gut. Erst einmal. Aber wann fängt das an, dass sie das vielleicht nicht mehr sind? Ich bin mir unschlüssig. Vielleicht auch naiv. Das Wort ‚Arschlochkind‘ fand ich immer irgendwie amüsant. Meist aber eher in einem sarkastischen und überspitzten Kontext. Ansonsten fand ich den Ausdruck eher fies.

Nun bin ich kürzlich mit meiner Familie in eine Situation geraten, die mich an meiner Grundthese zweifeln lässt. Auf einem Sommerfest spielte unsere Tochter (15 Monate alt) selig mit XXL-Duplosteinen. Ein großer Spaß, bei dem Oma, Papa und Mama halfen, riesige Türme zu bauen. Drei Jungs neben uns bauten eine Festung mit den Steinen. Eine Weile koexistierten wir und einige andere Kinder alle friedlich nebeneinander. Doch dann gingen dem Trio die Steine aus. Und von da an lief irgendetwas schief.

Survival of the biggest. Denn die großen Jungs, die so zwischen 6 und 8 Jahre alt waren, fingen nun an, systematisch den anderen Kindern die Steine zu klauen. Erst noch subtil. Wir lachten darüber, wie sie sich anschlichen und Steine stibitzten. Dann wehrten sich erste Kinder. Erst verbal. Dann wurde das Trio handgreiflich. Ich ermahnte einen der Jungs, der Justin hieß und sich irgendwann Zähne fletschend auf einen kleinen Jungen stürzte. Keine Reaktion.

Und plötzlich wurde unsere Tochter zum Ziel. Sie wuselten wild um sie herum, zerstörten ihren Turm, klauten Steine, traten ihr dabei fast auf ihre kleine Beinchen, rempelten sie an. Unsere kleine, süße, unschuldige Tochter saß nun perplex da, umringt von diesen Aggro-Kindern und verstand die Welt nicht mehr. Wut kroch in mir hoch. In meinem Mann sah ich es ebenfalls brodeln und Oma fing plötzlich an, die Steine zu verteidigen und den Jungs wieder abzunehmen, hinter ihnen zu rennen. Jeder Versuch, die Jungs in ruhigem Ton zur Raison zu bringen, scheiterte. Sie wurden immer aggressiver. Wir innerlich auch. Puh, wie schwierig es ist, cool zu bleiben, wenn man beobachtet, wie das eigene Kind geärgert wird.

Die Eltern des Terror-Trios waren nicht in Sicht. Justin rastete schließlich aus. Schlug um sich. Schimpfte. Kloppte sich mit den anderen Jungs. Unsere Tochter hatten wir zu dem Zeitpunkt in Sicherheit gebracht. Sie tat mir Leid. Und: Ich war erschrocken darüber, wie aggressiv Kinder in dem Alter schon sein können. Und: wie wenig Respekt sie vor Erwachsenen hatten. Wir überließen ihnen das Feld. Ein Kriegsschauplatz in Miniaturformat. Zum Abschied ließ Oma trotzig einen ihrer Festungstürme zusammenstürzen. Es war albern und vieleicht auch pädagogisch wenig wertvoll, aber ich war stolz auf sie. Die Jungs guckten uns mit zusammengekniffenen Augen nach. Justin sah sogar so aus, als müsste er gleich weinen. Ich schämte mich für den Anflug von Genugtuung, den ich verspürte. Dann hatte ich Angst, dass sie sich nun auf uns stürzen könnten. In diesem Moment dachte ich: „Das müssen wohl die sagenumwobenen Arschlochkinder gewesen sein. Es gibt sie doch!“ Und: sie tun mir unendlich Leid.

Mecker Montag: O summer where art thou?

Da Montage ja generell einen schlechten Ruf haben und irgendwie scheiße sind, hau ich hiermit auch noch mal kräftig drauf. Ich eröffne hiermit feierlich den ‚Mecker Montag‘. An diesem Tag lass ich raus, was mich nervt. On- und Off-Topic. Auf bloggerisch würde man sagen, dass ich einen Rant starte oder rante, aber irgendwie finde ich den Ausdruck doof.

Dieser Montag ist außerdem besonders hart: Es ist der Montag nach dem Urlaub. Also: the godfather of all shitty mondays. Ich nehme es mit Humor und lasse mich über das Wetter aus. Das macht man in Deutschland so. Denn in Italien war das Wetter bombe und laut Wetter-App ist dies immer noch der Fall. Diese penetranten Sonnen, die mir die App anzeigt und mich anlachen, sind wie Hohn. Denn in Deutschland besteht der Sommer mal wieder aus wechselhaften Tagen mit durschnittlich 16 Grad. Dazu gesellen sich verregnete Tage mit zehn Grad. Dann gibt es die Ausreißer: Zwei Tage lang schwüle 30 Grad, die aber von Unwettern abgelöst werden, damit hier nicht irgendwer auf dumme Gedanken kommt und meint, es kommt nun wirklich der Sommer. Dann gibt es noch ein paar Stürme und Gewitter. Entwurzelte Bäume und voll gelaufene Keller. Und dann ist September und alle hoffen auf einen goldenen Oktober. Die Meteorologen sprechen rückblickend von einem der wärmsten Sommer der Menschheitsgeschichte und die Bild kündigt schon mal vorsichtshalber einen sibirischen Killer-Winter (gerne auch als ‚die Russen-Peitsche‘ bezeichnet) mit potenziellen Eisbären-Attacken an. So von wegen globale Erwärmung und so.

In diesem Sinne wünsche ich eine fantastische Woche!

Zwischen Skorpionen und Exorzismus: Eine ganz normale Horror-Nacht

Es gibt Nächte, da wundert einen gar nichts mehr und es gibt Nächte, da geht gar nichts mehr. Manchmal vereinen sich diese dunklen Nächte zu einer einzigen HORROR-NACHT! So geschehen im Urlaub. In Italien. Obwohl der Begriff „Urlaub“ mit Kind neu definiert werden müsste, denn mit dem „Urlaub“, den man aus dem Vor-Baby-Zeitalter kannte, hat die ganze Nummer wenig bis gar nichts mehr zu tun, aber dazu später einmal mehr…

Zurück zur Nacht der Nächte. Das Kind schlummerte friedlich im Reisebettchen am Fußende des Elternbettes. Ich sage das jetzt bewusst so. Es ist kein Familienbett, kein Kinderbett, sondern das ELTERNBETT. Denn es gehört eigentlich den Eltern. Eigentlich. Nur nicht morgens um 5 Uhr oder wenn das Kind zahnt oder das Kind krank ist oder wenn das Kind einen Schub hat oder wenn der Wassermann in der Waage steht und der Blutmond die Sonnenfinsternis verdeckt.

In dieser recht heißen Nacht der Nächte im wunderschönen Italien traf all das zu. Denn das friedlich schlummernde Kind mutierte von jetzt auf gleich zu HULK. So stand unsere Tochter – ein sonst eher zartes und elfenhaftes Wesen mit sonnigem Gemüt, aber einem mega Organ – plötzlich aufrecht im Bett und wackelte an den Stäben wie ein Häftling aus Prison Break. Dabei schrie sie in einer ohrenbetäubenden Lautstärke. Beruhigungsversuche schlugen fehl. Der Umzug ins Elternbett ebenso. Sie reagierte nicht. Brüllte weiter. Zähnchen? Ich dachte an Nachtschreck. War es das? Dagegen sprach, dass sie plapperte und auf Dinge im Zimmer zeigte. Sie ist 15 Monate alt und kann schon viele Wörter, aber das war nun etwas unheimlich. „Mama, Papa, Oma, Opa, Auto, Ball!“ Sie wiederholte das mehrfach. Dann wieder Geschrei. „Mama, Papa, Oma, Opa, Auto, Ball!“ O.K. Ich bekam Angst. Dann plötzlich plapperte sie wie von Sinnen Kauderwelsch in einem Tempo, das Eminems Rap-Skills alt aussehen lassen. Dabei wälzte sie sich im Bett umher. Immer wieder. Ließ sich rückwärts auf die Bettdecke fallen. War nicht zu beruhigen.

Da ich leider zu viele Horrorfilme gesehen habe, in denen kleine Mädchen aus Fernsehern klettern oder die Wände hoch krabbeln, hätte es mich auch nicht gewundert, wenn die Kleine plötzlich mit einer Männerstimme rückwärts aramäisch gesprochen hätte. Scheiß Horrorfilme. Danke Stephen King. Meine Angst wankte zwischen Fiktion und Realität. Dies war mein persönlicher Nightmare on Elmstreet. Was ist mit ihr los? Muss ich einen Arzt oder einen Exorzisten rufen? Und wie findet man letzteren? Im Film rufen die dann immer eine geheimnisvolle Person im Vatikan an, die dann jemanden schickt. Zumindest waren wir ja schon in Italien. Keine Ahnung.

Ich schickte meinen Mann panisch in die Küche, um schnell eine Flasche Milch zu machen. Vielleicht half das ja zur Beruhigung. Er kam nach einer gefühlten Ewigkeit wieder. Die Kleine schrie zumindest nicht mehr. War aber immer noch völlig aus dem Häuschen. Er kam ohne Milch rein, guckte leicht schockiert und sagte nur: „Im Flur sitzt ein Skorpion! Ich kümmer mich mal darum!“ Ich schaute ihn sauer an und antwortete: „Und was ist jetzt mit der Milch?“ Fassungslosigkeit. Auf beiden Seiten. Aus unterschiedlichen Gründen.

Es gibt Situationen, in denen man Prioritäten setzen muss. Kind und Schlaf: Wichtig! Skorpion vor der Schlaffzimmertür: Unwichtig! Eigentlich nicht, aber Schlafmangel macht das mit einem. Es gibt nachts nur schwarz und weiß und ein Ziel: Schlaf. Skorpione sind dann egal. Ein Problem nach dem anderen.

Nach drei Stunden schlief unsere Tochter schließlich zwischen uns ein. Nach Schreiattacken und Kauderwelsch war sie noch eine Weile hellwach und plötzlich im Spielmodus, danach brauchte sie noch anderthalb Stunden, um endlich in den Schlaf zu kommen. Die Milch wollte sie übrigens nicht. Sie drangsallierte uns noch ein wenig mit Tritten und schnarchte irgendwann selig. Da war es schon hell. Im Vatikan habe ich nicht mehr angerufen. Leider hatten wir kein WLAN und die Nummer habe ich nicht gespeichert. Kommt aber auf meine To-Do-List. Wichtig war nur, dass sie sich irgendwann beruhigt hatte und am nächsten Morgen gut gelaunt aufwachte und ganz die „Alte“ war. Allerdings fing ich dann an, mir Sorgen um das Thema „Skorpione“ zu machen.

Serien-Charts für gestresste Eltern

Serienjunkies aufgepasst: Hier gibt es die aktuellen Charts für gestresste Eltern. Ob Drama, Comedy, Sitcom, Thriller oder Dramedy – für jeden Geschmack und jede Situation ist etwas dabei! Breischlachten, Windelalarm oder Heulattacke! Es gibt hierbei definitiv keine SPOILER!

Desperate Housewives
House of farts
Mommy in the middle
Lost
Homeland
The walking Dad
Baking Bread
The Breier
Babys of anarchy
The good wife
How I fed your brother
Circus Halligalli
Das AA-Team
The big burp theory
Eine schrecklich nette Familie
Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Berlin Tag und Nacht
Modern family

Andere Blogs, andere Muddis…

So, liebe Leserinnen und Leser, es ist soweit: Die Blogparade „Mein Blog, dein Blog, unsere Blogosphäre“ #Bloggerhausen geht in die zweite Runde. Für den zweiten Teil hat Jessi von Terrorpüppi alle teilnehmenden Blogs in einen Topf geworfen und ausgelost, welche Blogs sich näher miteinander beschäftigen sollen. Diese Vorstellungsrunde der anderen Blogs steht nun an.

Dabei sollen wir uns mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Beschreibe die anderen Blogs. Wie wirken sie auf dich? Was charakterisiert sie?
  • Welche tollen Beiträge hast du entdecken können?
  • Was magst du besonders an den teilnehmenden Blogs?
  • Hast du vielleicht Vorschläge für einzelne Blogger, was gut zu ihren Blogs passen könnte?

Folgende Blogs hab ich mal etwas genauer unter die Lupe genommen:

MomsOffice

Zwei Jungen, ein Mann, ein Rudel Vierbeiner – so die kurze Beschreibung von Sam. Viel mehr erfährt man über sie allerdings nicht. Der Blog von Sam wirkt unaufgeregt und bodenständig. Sie schreibt über das, was sie gerade bewegt. Dabei ist sie herrlich unprätentiös. Sie ist einfach sie selbst und gibt nicht vor Expertin, Supermom oder irgendetwas anderes zu sein, außer sie selbst. Hat sie gerade kein Thema oder keine Zeit, dann bloggt sie auch mal ein paar Wochen nicht. Was mir wiederum sympathisch ist, weil sie sich anscheinend nicht unter Druck setzen lässt und einfach nach Lust und Laune schreibt und nicht, weil sie muss.

Ihre Themenauswahl ist sehr unterschiedlich. Ob Alltagsdinge oder aktuelle Diskussionen. Sie selbst beschreibt ihre Themen so: Kinder, Erziehung und Schule, Gesundfutter vs. Fastfood, Job, Arbeitslosigkeit und Selbstständigkeit, Partnerschaft und Ehekrisen, Trennungen und Neuanfang in allen Bereichen. Sie schreibt offen und ehrlich. Gut gefallen hat mir ihr Beitrag zu #regrettingmotherhood. Weil sie hier mal eine andere Seite beleuchtet und das Thema nochmal aufarbeitet, für alle, die nicht im Thema sind.

Schönstes Zitat: „Meine Kinder sind nicht mein Leben, das wird mir mit jedem Jahr, das sie älter werden, bewusster. Aber sie sind ein großer Teil davon, den ich niemals bereuen werde!“

Die Optik des Blogs ist sehr schlicht gehalten. Es gibt im Haupt-Menü nur zwei Punkte. Dies lässt die Seite minimalistisch, aber auch übersichtlich wirken. Dafür ist die Sidebar sehr gut strukturiert. Man findet schnell, was man sucht.  Ein kleines Minus: Die Seite wird auf mobilen Endgeräten nicht richtig dargestellt. Vielleicht kann man das noch optimieren, weil es den Lesespaß auf dem iPad und Co. doch etwas mindert.

Bines Welt – eine Mama packt aus

Bine ist 33 Jahre alt und „Vollzeitmama mit Leidenschaft“. Mit ihrem Mann und Sonnenscheinsohn (geb. 2013) wohnt sie im Rhein-Kreis-Neuss. Ihre Hobbys sind: lesen, Musik hören, backen/kochen und fotografieren.

Bines Blog macht neugierig – verspricht sie doch interessante Einblicke. Sie schreibt über Rezepte, Erfahrungen, gibt Wochenrückblicke und generell viele Einblicke in ihren Tagesablauf. Manchmal sind auch praktische Themen dabei. Viele Fotos spicken ihre Beiträge. Sie lässt so die Leser an ihrem Familienleben teilhaben. Es geht dabei häufig um Alltagsdinge, die sicherlich vielen Lesern Impulse oder Anregungen geben. Auch Produktvorstellungen finden ihren Platz. Bine ist eine fleißige Bloggerin. Alle ein his zwei Tage gibt es einen neuen Artikel. Sie macht dabei auch häufig bei Blogreihen und Blogparaden mit. Interessant fand ich ihren Beitrag zum Thema Rooming-in im Krankenhaus nach der Geburt. Der Artikel war erfrischend ehrlich und zeigt auch mal die andere Seite der Medaille. Solche Artikel mag ich persönlich am liebsten. Toll finde ich auch den Text „Warum es mein Leben, mein Kind und meine Entscheidungen sind“. Sie schreibt sich den Frust von der Seele und der Leser merkt das mit jedem Wort. Offen und ehrlich.

Schönstes Zitat: „Für alle da draußen, die meinen Mütter und Hausfrauen ständig für dumm zu verkaufen und ungefragt ihren Senf zu allen Mütterthemen geben zu müssen, denen sage ich „Klappe halten“. Jede Mutter hat ihren Stil und einen gesunden Instinkt.“

Optisch ist Bines Blog sehr schlicht. Ihre Rubriken sind übersichtlich. Aufgrund der vielen Fotos scrollt man sich manchmal einen Wolf, um zum nächsten Text zu kommen, aber das liegt an der Struktur der Seite und ist wohl nicht zu ändern und auch nur eine Kleinigkeit.

Mama on the rocks

MamaOTR alias Séverine (38) ist Medienmanagerin und selbstständig als Verlegerin und Journalistin tätig. Sie hat zwei Kinder LadyGaga (November 2009) und Copperfield (März 2014) und eine Schwäche für Whiskey on the rocks. Sie stellt sich und ihre Kinder sehr ausführlich auf ihrer Seite vor. Auf der Startseite bekommt man die Kurzfassung mit Bild, was sehr praktisch ist. Zur langen Version geht es hier.

MamaOTR ist schon ein alter Hase im Blogger-Business und gilt als feste Institution. Erste Beiträge stammen von 2009. Der Themenmix ist bunt. Es gibt viele Einblicke in ihr Leben und ihren Alltag mit den Kindern. Produkte werden auch vereinzelt getestet und es gibt auch kurzweilige Top-Ten-Listen. Dass sie mit Kritik umgehen kann, zeigt sie in ihrem Beitrag „Der gläserner Blogger“. Für mich sticht MamaOTR vor allem durch ihre erfrischend offene Schreibe hervor. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und vertritt offen ihre Meinung – auch, wenn diese nicht immer bequem ist. MamaOTR betreibt ihren Blog mit Passion und das merkt man. Besonders gefallen hat mir der Artikel „Blues. Baby. Babyblues!“ Ich mag diese Art von ehrlichen und derben Erfahrungsberichten mit viel Humor. Ich hätte gerne noch mehr davon. Sehr detaillierte Tagesabläufe sind hingegen nicht so meins, aber das ist eben Geschmackssache. Bei dem Mix ist für jeden etwas dabei. Witzig finde ich das aktuelle Quiz. MamaOTR ist viel bei Twitter und Co. unterwegs und insgesamt sehr präsent.

Schönstes Zitat: „Ich fühlte mich wie Neo, der in der Matrix ein Déjà-vu mit einer Katze hat und dabei die Matrix enttarnt. Diese Heulerei konnte nicht echt sein, das war nicht ich.“

Optisch ist die Seite gut strukturiert. Mir gefällt der Header und die Auswahl der Menüpunkte. Wie erwähnt, mag ich die Kurz-Bio mit Foto in der Sidebar. Für den Lesefluss und die Augen finde ich das Spiel mit Schriftgröße und Farbe etwas anstrengend. Groß, klein, fett, kursiv, rot, schwarz – mir ist das zu viel. Dennoch fällt der Blog so natürlich auch ins Auge.

Mütter dürfen auch mal ausrasten!

Achtung! Achtung! Hier eine schockierende Nachricht für alle Helikopter-Moms: Es gibt ein Leben jenseits vom Muddi-Dasein. Ja, tatsächlich. Denn Muddi hat ja auch noch Interessen und Hobbys, die jenseits von Kind, Job und Haushalt liegen. So bin ich am Wochenende wieder zur Rockerin geworden. Festival. Laut. Voll. Gut. Einfach mal ausrasten. Für ein paar Stunden unvernünftig* sein dürfen. Einfach Spaß haben. Tanzen. Singen. Grölen. Bier trinken. Mann und Tochter machen sich daheim einen schönen Tag. Muddi auch. Nur der hat eben nichts mit häkeln, backen oder DIY zu tun.

Aber darf Muddi das überhaupt? Unvernünftig sein? Mal wieder zu viel trinken? Wild tanzen? Lieder mit F**K-lastigen Texten von Limp Bizkit mit grölen und verwundert sein, dass man nach 15 Jahren noch jede Zeile mitsingen kann? Darf Muddi ausrasten?

Ich sage „NEIN!“ – sie darf nicht. Sie MUSS! Sie muss ausrasten. Einfach mal durchdrehen. Dabei kann jede Muddi für sich ihr „Ausrasten“ definieren. Für manche ist das eben das Rockfestival. Für andere ist es wiederum schon verrückt genug, mal wieder mit guten Freundinnen tanzen zu gehen. Oder einen Hugo zu viel zu trinken. Die sündhaft teure Handtasche einfach zu kaufen. Beim Frühstück mit der Schwester den Sekt zu trinken, auf den man einfach gerade Bock hat. Das Leben zu feiern. Aber diesmal das eigene. Stolz auf das zu sein, was man jeden Tag leistet und dann auch mal loslassen zu können. Papa oder Oma übernehmen zu lassen. Ausrasten im positivsten Sinne. Warum nicht? Wenn Männer das machen, kräht kein Hahn danach, oder?

Doch nicht alle Muddis sehen das so. Während ich auf dem Festival rockte, haben sich einige sehr gute Freundinnen von mir auch getroffen, um auszurasten. Gemeinsam. In einer anderen Stadt. Eine wilde Partynacht. Da waren auch Muddis dabei. Eine erzählte, dass sie deswegen früher von einem Kinderfest weg musste. Eigentlich kein Ding, denn ihr Mann war ja auch noch da. Als sie den anderen Muddis auf dem Fest erzählte, warum sie nun weg müsse, erntete sie komische Blicke und vor allem eines: Unverständnis. Neid?! Ist das ein Anflug von Mommy Wars? Warum gönnen wir das einander nicht? Ist man eine schlechte Mutter, wenn man sich auch mal wieder auf das eigene Leben fokussiert?

Ich bin froh, dass ich so viele Muddis kenne, die noch ausrasten können. Denn eigentlich ist es eine Kunst, mal von Kind und Family abschalten zu können. Und: Es tut gut. Nicht nur Muddi, sondern auch dem Kind. Denn Muddi ist glücklich.

So steh ich also Mähne schüttelnd auf dem Festival, meine Hose getränkt in Bier und meine Stimme heiser als neben mir in der Menge das Handy einer Frau aufblinkt: Auf dem Display erscheint das Foto eines kleinen Jungen. Sie blickt auf das Foto, grinst, steckt das Handy in ihre Hosentasche und springt wieder in die Menge.

Wie definiert ihr euer „ausrasten im positiven Sinne“? Was würdet ihr gerne mal wieder tun?

*unvernünftig heißt in diesem Falle, einem Junggesellinnen-Abschied im Zug einen Piccolo abzukaufen und diesen mitten am Tag, alleine im Zug zu trinken! Unvernünftig heißt auch: Zu viele Caipis und Bier. Außerdem: Hochhackige Schuhe bei einem Festival – keine gute Idee – auch, wenn sie toll aussehen.