Oma darf das: Monsterbacke und Malzbier zum Frühstück

In meinem Leben vor dem Kind war ich wahrlich keine Ernährungs-Fanatikerin. Bio? Mir egal! Mc Donald’s? Klar! Döner um 5 Uhr morgens? Immer! Ne gemischte Tüte vom Kiosk? Ohne geht es nicht! Mit Kind wird man dann anders. Wir wurden anders. Ich wurde anders. Das ist einfach so. Kannste vorher sagen und machen was du willst. Plötzlich geht nix ohne Bio-Siegel. Du hast meinem Kind einen Nicht-Bio-Apfel gegeben und es hat ein Stück von der Schale gegessen? OMG! Wir haben einen Code-Red! Aber sowas von dunkel red. Meine Tochter kriegt auch nur Wasser zu trinken und keinen Saft. Schokolade? Warum? Sie kennt und vermisst den Geschmack ja noch nicht. Zucker ist böse! Ja, genau. So eine bin ich geworden. Aber nur beim Kind. Ich bin eine Ernährungsheuchlerin vor dem Herrn!

Aber irgendwie zeigt es ja auch nur, dass man nur das Beste für das Kind will. Außerdem ist es ja mein Kind. Da kann ich ruhig etwas spleenig mit dem Essen sein. Mein Mann sieht das übrigens genauso. Manchmal ist er sogar schlimmer als ich. Generell kann man sagen, dass wir bei dem Thema einer Meinung sind. Klar kriegt unsere Tochter mal ein Eis oder Kekse. Wir sind ja keine Freaks.

An dieser Stelle könnte der Artikel dann ja auch eigentlich zuende sein. Ihr würdet dann wohl denken: Toll, dass sie da einer Meinung sind, aber: wtf. Ja, genau. Es gibt ein Aber an dieser Stelle. Dramaturgisch perfekt eingebaut.

Denn es gibt ja noch die Omas! Diese grau- bis weißhaarigen Ü60-Wesen, die meinen Mann und mich groß gezogen haben und es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Enkel mit Liebe (sehr schön) und Schokolade (Whaaat!) zu überschütten. Wir sind super dankbar dafür, dass wir beide Omas und Opas in unserer Nähe haben. Keine Frage. Die Omas springen oft bei der Kinderbetreuung ein und haben die ersten Monate nach meiner Elternzeit bis zur Kita überbrückt. Drei Mal die Woche. Da kommt das Thema „Ernährung“ automatisch auf. Und: Man kann nur bedingt eingreifen. Klar haben wir gesagt, was die Kleine so isst. Natürlich haben wir Sachen eingekauft und vorbereitet. In der Theorie hört sich das toll an, aber an der Umsetzung hapert es dann. Denn der Faktor Oma sollte nicht unterschätzt werden.

So wurden die zuckerarmen Joghurts ignoriert und durch Monsterbacke – ein Produkt, das vorgibt für Kinder zu sein, aber Menschen schon beim Blick auf die Nährwert-Tabelle in die Diabetes* treibt – ersetzt. Plötzlich gibt es zwei Mal warmes Essen, weil Oma glaubt, das Kind müsse mehr wiegen. Und deswegen gibt es dann abends nach dem Mittagessen in der Kita noch ordentlich Bratwurst. Außerdem steht bei Oma immer Capri-Sonne bereit. Das ist ein Getränk aus der Hölle und wurde vermutlich von perfiden Zahnärzten in geheimen Loboratorien in den 60ern entwickelt, um Kariers zu verbreiten, damit sie nie arbeitslos werden.

Die ersten Smarties? Kamen von Oma. Während ich daneben saß und sagte, dass sie ihr besser keine geben solle. Da war es aber schon zu spät, weil die kleine Cousine bereits genüsslich neben unserem Kind saß und Smarties mampfte. Das war dann schon nen bisschen fies und wir haben es erlaubt. Das erste riesige Eis kam übrigens auch von Oma. Die Büchse der Pandorra war geöffnet.

Als eine der Omas dann irgendwann bei mir auf der Arbeit anrief und beiläufig sagte, dass meine damals 12 Monate alte Tochter ja ruhig schon Malzbier trinken könne, war klar: Wir müssen handeln. Vorher antwortete ich aber noch, dass sie ihr auch ruhig schon ein Radler geben könne.

Also hatten wir einen kleinen Talk. Die Monsterbacke und die Caprisonne wurden verbannt. Fruchtzwerge (die mit weniger Zucker) dürfen mal sein. Eis auch, aber nicht so oft. Wir wollen unseren Müttern ja nicht verbieten, unser Kind zu verwöhnen. In Maßen. Wie lange das Gespräch fruchtet? Keine Ahnung. Letztens habe ich die Verpackung einer Kinderschokolade im Mülleimer gefunden. Ich werde das beobachten.

Wie ist das bei euch? Ist Ernährung ein großes Thema? Verwöhnen die Großeltern bei euch auch?

*Typ2 (Hinweis einer Mutter, den ich gerne ergänze)

Väter-Bashing: Darf man seinen Mann öffentlich doof finden?

Mal sind es Mütter, die bereuen – jetzt sind es Väter, die sich nicht kümmern. Morgen sind es vielleicht Mütter, die sich nicht kümmern und Väter, die bereuen. Wer weiß das schon. Die Trend-Themen in der Welt der Familienblogs sind schnelllebiger als Fake-Kettenbriefe zum Thema Kindergeld. Dennoch sind alle diese Themen natürlich nicht uninteressant. Denn: sie polarisieren. Der Traum aller Blogger. Allerdings bin ich bei der aktuellen Thematik extrem verwundert.

Zum Hintergrund: Einige Blogger haben ihrer Wut über faule Partner und nicht helfende Väter Luft gemacht. Das ist an sich nichts weltbewegendes. Dies online und öffentlich zu tun, dann aber anscheinend schon, denn es gab viele Kommentatoren, die das ätzend finden. Es wird kontrovers über das Thema diskutiert.

Ich denke man kann und darf vieles schreiben und veröffentlichen, allerdings sollte man sich etwaiger Konsequenzen bewusst sein. Auch, wenn man vermeintlich anonym im Netz unterwegs ist. Der Partner würde sich wohl fragen, warum die halbe Welt nun weiß, dass er ein fauler Sack ist, bevor die Frau mit ihm mal persönlich in aller Ernsthaftigkeit darüber gesprochen hat. Und die Kinder? Die würden es wohl auch leicht befremdlich finden, dass Mami Papi öffentlich als Doofmann hinstellt. Ich finde es befremdlich. Aber die Autorinnen werden sich diese Dinge sicherlich überlegt haben.

Was mich auch verwundert bei der Lektüre der Kommentare zu den Artikeln ist die Tatsache, dass es anscheinend viele Frauen gibt, die ihre Männer doof finden. Mütter, die vermeintlich ungewollt in eine sehr klassische Rollenverteilung gedrängt werden und deren Männer Haushalt und Kindererziehung eindeutig nicht zu ihren eigenen Themengebieten zählen. Hierbei handelt es sich um Mütter, die berufstätig sind und mit dem ganzen Kram im Alltag von ihren Männern alleine gelassen werden. Ich hörte von dieser Spezies Mann. Glaubte aber an eine aussterbende Gattung. Übrigens finde ich es völlig o.k, wenn Paare an klassischen Mustern festhalten, wenn beide Seiten dies wollen. Wenn aber beide arbeiten und einer sich aus dem Thema Haushalt völlig raushält, sich ständig Auszeiten mit Freunden gönnt und nicht wirklich viel Interesse an Interaktion mit den Kindern hat, dann wäre ich auch nicht amused. Allerdings wäre ich mit so einem Mann auch nicht zusammen. Denn über Nacht werden Menschen ja nicht so. Keine Ahnung. Vielleicht mutieren manche modernen Männer auch zu Steinzeit-Menschen, sobald Kinder auf der Welt sind. Ich weiß es nicht. Für mich gehört die Aufgabenteilung daheim auch vielleicht eher in die Privatsphäre einer Partnerschaft. Ein Artikel über einen doofen Mann ändert ja nichts an der akuellen Situation zu Hause. So oder so muss man irgendwann das Gespräch suchen und Lösungen finden. Oder eben Konsequenzen ziehen, wenn es für einen selbst nicht mehr tragbar ist. Aber da sind alles sehr intime Dinge. Bleibt dennoch die Ausgangsfrage: Darf man seinen Mann online bashen?

Klar, darf man. Es ist eine Stilfrage, ob man es tut. Muss immer alles öffentlich sein? Wie würde ich es finden, wenn ich einen solchen Artikel von meinem Mann über mich online entdecken würde? Ganz ehrlich? Ich wäre verletzt und fassungslos. Und: Mein Mann hätte ein ziemlich großes Problem.

Keine Frage: Ich finde es super wichtig über Rollenmuster und solche Themen öffentlich zu diskutieren und zu sprechen, aber vielleicht sollte man ein anderes Stilmittel benutzen.

Übrigens wollte ich erst einen Artikel darüber schreiben, warum mein Mann nicht doof ist. Er wollte das aber nicht.

Hier der Text, der den Stein ins Rollen gebracht hat. Bloggerin Teilzeitmutter hat sogar eine Blogparade zu dem Thema gestartet. Mit dem Aufruf, dass alle Muddis mal kräftig ablästern dürfen.

Kindersitzkauf from Hell

Irgendwann kommt in jeder Eltern-Karriere der Zeitpunkt, an dem die Babyschlale zu klein ist (och nööö!) und der Weg in einen nah gelegenen Babyfachmarkt angetreten werden muss, um einen Autositz fürs Kind zu kaufen. Wir haben diesen Moment möglichst lange hinaus gezögert. Denn: Wir hassen Babyfachmärkte. Ich kaufe gerne in kleinen schnuckeligen Läden, kleine schnuckelige Sachen für mein kleines schnuckeliges Kind. Der Gedanke an eine Halle im Industriegebiet, die in schönstem Neonlicht erstrahlt und wo einen die Auswahl an lieblos aneinander gereihten Produkten erschlägt, lässt mich erschaudern. Aber für manche Anschaffung muss man eben in einen dieser Läden gehen.

Also stehen wir an einem Donnerstagabend um 18 Uhr (antizyklisches Verhalten beim Shoppen wird bei uns groß geschrieben) vor einer Wand voller Kindersitze. Leider sind wir nicht die Einzigen, die dachten, dass um 18 Uhr alle Familien daheim beim Abendessen sitzen. Überall lauern Paare mit Kindern in den Gängen und versuchen möglichst unauffällig zu gucken. Aber alle haben das gleiche unerbittliche Ziel: Eine Verkäuferin abzugreifen. Wie Gazellen eilen diese begehrten Wesen – meist weiblicher Gattung durch den Laden. Beobachtet von vielen gierigen Augenpaaren. Scheint eine der Gazellen ein Gespräch mit einem Kunden zu beenden, schleichen sich prompt mehrere Paare an und umkreisen ungeduldig die Beute. Wer wird sie schnappen? Dabei tun natürlich alle so, als wären sie mega relaxt. Doch hier ist niemand relaxt. Denn niemand hat Bock auf Herumstehen im Babyfachmarkt. Vor allem, weil man weiß, dass die Stimmung hier jederzeit kippen kann, wenn das Kind keinen Bock mehr hat. 

Durch einen klugen Schachzug – nämlich die geschickte Umzingelung – ergattern wir eine Verkaufsgazelle. Der innerliche Triumph währt nur kurz, denn unsere Verkäuferin ist keine Gazelle, sondern eine Graupe. Denn von Autositzen hat sie keine Ahnung. Sie führt uns nur einen Kindersitz von Cybex vor. Unsere Tochter sitzt zur Probe und findet den Fangkörper lustig (für alle Nicht-Eltern, die nicht wissen was das ist: Ihr werdet es vielleicht selbst mal herausfinden und bis dahin, ist es auch völlig irrelevant).

Ich frage irgendwann nach der runtergenudelten Verkaufspräsentation was denn mit den ganzen anderen Sitzen, die hier rumstehen sei. Sie zeigt uns auf unser Drängen noch einen anderen Sitz. Diesmal von Kiddy. Ähnliches Modell. Auch o.k. Bei meiner Frage nach einer Liegeposition bei diesem Sitz, weist sie uns darauf hin, dass er keine habe, aber dass man einfach die Isofix-Stäbe ausfahren könne. Eigentlich sei das verboten, aber auf einer Messe habe sie gehört, dass das kein Problem sei. Ähm! Wie bitte? Ich rüttel an dem sehr losen Sitz mit den ausgefahrenen Isofix-Schienen und merke an, dass der Sitz mega locker ist und bei einem Aufprall von der Seite mein Kind dann wohl durch die Gegend fliegt. Sie antwortet darauf, dass dies kein Problem sei und außerdem gebe es generell keine Testberichte zum Seitenaufprallschutz! Und wieder: Ähm! What? Das macht keinen Sinn und ist außerdem bullshit. Ich frage nach den Testergebnissen der beiden Autositze: Sie sagt die Noten 1,4 und 1,6. Ich blättere zeitgleich im Katalog und sehe die Angaben 2,4. Sie sagt darauf: Das bezieht sich auf ein anderes Modell. Ich gucke es im Handy nach und merke, dass das nicht stimmt. Dann fragen wir noch nach den viel preisgünstigeren Sitzen der Marke Joie, die auf einer Aktionsfläche stehen und bislang keines Wortes gewürdigt wurden. Sie: Achso, die vergesse ich immer. Die sind eigentlich genauso gut. An den Sitzbezügen wurde ein bisschen gespart und ein Testergebnis gibt es offiziell noch nicht, aber der soll auch eine super Note bekommen. Ähm! What? Hat sie hellseherische Fähigkeiten?

Wir bedanken uns für die großartige Beratung und fahren frustriert nach Hause, recherchieren im Netz nach Testberichten, lesen uns ein und kaufen dann den Sitz von Cybex, in dem meine Tochter gut saß für 60 Euro weniger bei Amazon. Ja, ich weiß. Eigentlich ist das scheiße. Aber, wenn ich so schlecht beraten werde, dann kaufe ich den Sitz eben nicht im Laden.

Leid tun mir nur die anderen Eltern, die sich von so einer Verkaufs-Graupe irgendeinen Mist erzählen lassen. Wenn es hier um Kleidung ginge, wäre es mir ja egal, aber hier geht es um die Sicherheit von Kindern. Generell frage ich mich, warum die Verkäuferin uns nur ein Modell vorstellen wollte. Kriegen die Provision? Denn eine Freundin berichtete letztens ähnliches vom gleichen Babymarkt. Allerdings wurde ihr nur Kiddy vorgestellt.

Da wir nun einen Sitz gekauft haben, der mitwächst, hoffen wir, dass wir die ätzende Beratung für die nächsten Jahre hinter  uns haben.

PS: Der günstige Sitz von Joie hat übrigens beim aktuellen ADAC-Test einen der Spitzenpläzte belegt. Somit hatte die Verkäuferin wohl doch hellseherische Fähigkeiten. Allerdings wollte sie uns dieses Modell einfach nicht verkaufen. 

Anmerkung: Dieser Text ist nicht gesponsert, sondern bildet meine persönliche Meinung ab. Die Markennamen werden genannt, weil ich es albern fänd, sie zu verschweigen, nur weil ich keine Kohle für den Beitrag bekomme.