Lipstick-Jungle

Ich bin Journalistin und deshalb extrem kritisch, neugierig, ungeduldig und oftmals auch ziemlich klugscheißerisch. Also wusste ich natürlich schon bevor ich überhaupt Mutter wurde, wie Mütter generell so sind und warum ich das schon mal prophylaktisch doof finde. Als Journalist soll man im Beruf ja möglichst objektiv und offen an Themen herangehen – ich weiß nicht wieso – aber privat gelingt mir das nicht unbedingt. Ich bin oft voreingenommen und mache mir ziemlich viele Gedanken über ungelegte und oftmals auch Eier, die mich rein gar nichts angehen.

Als ich schwanger wurde, gruselte mich der Gedanke, „eine von denen“ zu sein. Es war in meiner Vorstellung wie ein Kult. Eine Sekte. Die totale Assimiliation. Wie die Borg bei Star Trek. Keine Frage, ich kenne ziemlich viele nette Mütter. Schließlich ist meine Mutter auch Mutter und meine Schwestern und viele Freundinnen auch. Dennoch hatte ich ein Bild vor Augen: Praktische Frisur, Multi-Funktionsoutfit, Brei und Lülle übersäht. Eine erhobene Zeige-Finger schwingende Mega-Über-Muddi, die drei Jahre voll stillt, Bio kocht, erste Vorsitzende der Krabelgruppe ist, sich seit der Geburt nie wieder geschminkt hat, Hugo für einen lustigen Vornamen hält und nur noch ein Thema hat: KINDER! Es mag den Hormonen geschuldet sein, aber ich lag oftmals nachts wach und hatte dieses Bild vor Augen. Kalter Schweiß und Panik vermengten sich zu einer Anti-Haltung. Ich wollte nicht so eine Muddi werden. Aber ich hatte einfach Angst, dass man automatisch so wird, sobald man ein Kind bekommt.

Nun habe ich das Kind. Bin Muddi. Und:

1) Die Haare sind noch lang. Obwohl ich nun nachvollziehen kann, warum man sich die Haare abschneidet. Denn zum einen nervt einen der extreme Haarsausfall nach der Schwangerschaft so sehr, dass man eh nur noch mit Dutt oder Pferdeschwanz herum läuft und andererseits ziehen Babys so erbarmungslos an den Haaren ihrer Mütter, dass ich mir insgeheim schon oft kurze Haare gewünscht habe.

2) Meine Outfits haben sich auch wieder normalisiert. Und: Hey, die ersten Wochen sind Jogginghosen völlig o.k ( was soll man auch tragen, wenn man nicht mehr vor die Tür kommt und eng anliegende Klamotten die Hölle sind bei diversen Wunden, die noch nicht verheilt sind).

3) Gestillt habe ich auch – naja drei Jahre waren es dann aber doch nicht.

4) Eine Bio-Brei-Kochphase hatte ich – diese war aber nach einem Hungerstreik des Babys schnell überwunden. Clausi kocht ja auch fantastisch und in den Genuss des täglichen Kochens fürs Kind kommt man ja auch noch früh und dann ja auch lange genug. Stichwort: Hotel Muddi.

5) Ich schminke mich jeden Tag. Nicht exzessiv. Nicht perfekt. Aber ich habe eine Routine. Das war meine Regel. Diese eine Sache, die nicht im Chaos der ersten Wochen untergehen sollte. Ich habe seit der Geburt jeden Tag Lippenstift aufgetragen. Nicht für andere. Für mich. Um mich trotz dieser krassen Phase wie ich zu fühlen. Außerdem sehen Augenringe, Kotzflecken und Jogginghose in Kombination mit Lippenstift immer besser aus.

6) Aber: Gerade am Anfang redet man doch extrem viel über Babys. Es wäre wohl auch schlimm, wenn man das nicht täte. Dennoch möchte ich mich an dieser Stelle bei meinen Freundinnen ohne Kinder entschuldigen: Ich weiß, too much information. Dennoch weiß ich immer noch, wer dieser Hugo ist.

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