Mein düsterer Begleiter: Das schlechte Gewissen einer Muddi

Es schleicht sich an. Es nistet sich ein. Es macht es sich gemütlich in deinem Kopf. Es klopft immer mal wieder an. Es kommt gerne nachts vorbei. Manchmal flüstert es ganz leise und subtil. Und dann schreit es dich förmlich an. Es ist schwer, es wieder los zu werden. Ist es erst einmal da. Das schlechte Gewissen ist eine Bitch. Ist es an Frauen-Ding? Ist es ein Muddi-Ding? Kommt es automatisch, sobald man ein Kind hat? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass es jetzt mit Kind häufiger anklopft.

Eigentlich fing es schon in der Schwangerschaft an. Dann, wenn ich mal ganz crazy sein wollte, und mir einen zweiten Kaffee mit Koffein gegönnt habe. Oder dann, wenn ich beim Autofahren plötzlich auf den Tacho geguckt habe, um festzustellen, dass ich viel zu schnell unterwegs war.

Und dann war das Kind da. Und das schlechte Gewissen wurde ein ständiger Begleiter. Mache ich alles richtig? Ist es o.k, nach acht Monaten Premilch zu füttern? Darf ich mein Kind ein Wochenende alleine bei Papa lassen? Ist es o.k., wenn heute mal die Oma den ganzen Tag auf das Kind aufgepasst?

Mit dem Kita-Start bekam das schlechte Gewissen noch mal eine ganz neue Bedeutung. Es fing schon während der Eingewöhnung an. Die Kleine fand die Kita super. Ich hatte meine Probleme mit dem Loslassen. Das schlechte Gewissen nistete sich ein. Die Fragen kamen: Ist es in Ordnung, sein Kind mit 18 Monaten in die Kita zu geben? Kann es Schaden anrichten, wenn ich nicht immer bei ihr bin? Klar wusste ich, dass viele Bedenken unbegründet sind. Rein jobtechnisch war es sowieso notwendig, sie betreuen zu lassen. Außerdem liebt sie das Spiel mit anderen Kindern und wir wussten, dass es ihr die Kita gefallen würde. So ist es ja auch. Dennoch. Habe ich mal einen Vormittag frei, dann frage ich mich ob es o. k. ist, dass sie nicht bei mir ist.

Das schlechte Gewissen nervt mich. Aber das soll es wahrscheinlich auch. Das ist sicherlich der Job vom schlechten Gewissen. Umso weniger kann ich es dann noch gebrauchen, wenn mir Andere auch noch ein schlechtes Gewissen einreden wollen. So wie letztens. Ich hatte einen Wochenendtrip mit meinen Freundinnen unternommen. In der Woche darauf ließen die Erzieherinnen in der Kita immer mal wieder einen Kommentar dazu ab. „Die Kleine muss erst einmal das Wochenende verarbeiten.“ Oder: „Beständigkeit ist jetzt ganz wichtig, denn sie vermisst dich schon sehr.“

Ich habe verstanden. Muddis müssen einfach immer beim Kind bleiben. Über den Wochenendtrip meines Mannes haben die Erzieherinnen übrigens kein Wort verloren. Aber vielleicht sehe ich das alles auch zu eng. Vielleicht meinen sie es auch gar nicht so und es ist mein eigenes schlechtes Gewissen, was etwas in die Worte hinein interpretiert. Puh, das wird ja jetzt richtig tiefenpsychologisch hier. Und eine Emo-Bloggerin will ich nun wirklich nicht werden. Also nehm ich den Kampf auf.

An dich, liebes schlechte Gewissen: Du kannst dich warm anziehen, Bitch!

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27 Kommentare zu „Mein düsterer Begleiter: Das schlechte Gewissen einer Muddi

  1. Ja, voll die Bitch! 🙂 Die kenne ich auch, zu genüge… Darf man sich als Mama freuen, wenn das Baby lange schläft und man unnütze Dinge, wie z.B. Bloggern tut, wenn Kind 1 in seinem Zimmer spielt und Kind 2 schläft? Sollte ich nciht viel dringender noch eine Runde Star-Wars Kartenspiel mit Kind 2 spielen (auch wenn es gerade alleine Lego spielen will?) Oder sollte ich mich nicht dem Wäschekorb widtmen, der da im Schlafzimmer mit frischer Wäsche schlummert?
    Ich kenne und hasse diese Bitch!
    Väter haben das nicht- glaub ich. Die dürfen weg gehen und mal ihr Ding machen. Frauen sind Mütter…
    Ich will übrigens nächstes Jahr im April jobmäßig wieder durchstarten und Paulchen muss dann in eine Krippe von 7-13 Uhr. Und soll ich euch was sagen? ICH FREUE MICH SO DOLL DRAUF!!! Ja, und die Bitch? Die kann mich mal! Ich war die ganze Schwangerschaft zu Hause und jetzt schon 6 Monate! Ich dreh durch… ich muss raus! Und die Bitch? Ja, die wird wieder kommen. Soll sie doch! Ich liebe meine Kinder, das weiß ich und da kann die Bitch (sorry, ich finde das Wort für schlechtes Gewissen so genial cool!) kommen, wenn sie will…

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  2. Liebe Muddi, beim Lesen musste ich an meine eigene Mutter denken, die sich, als wir bereits erwachsen waren, oft beklagte, dass sie so wenig Zeit gehabt, dass sie dies und jenes falsch gemacht habe … Die familiäre Situation trug viel dazu bei, dass meine Mutter sich oft um andere mehr kümmern musste, als um uns Kinder – aber wenn man uns fragt: es gab und gibt keine bessere Mutti als unsere! Weißt du, was ich damit sagen will? Und hilft es ein wenig dabei, dem schlechten Gewissen dann und wann einen kleinen herzlichen Roundhouse Kick zu verpassen?
    Liebe Grüße, Mme C.

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  3. Meine Trümmerlotte ging nun mit 2,5Jahren in die KiTa,sie sollte eigentlich bis kommendes Jahr zu Hause bei mir bleiben,aber sie machte Theater wenn wir von dort weg sind. Die Eigewöhnung war recht zügig und ich hab mir lange vorgeworfen etwas falsch gemacht zu haben,denn warum fiel es ihr sonst so leicht los zu lassen? Bis ich begriffen hab,es ist alles genau richtig und sie ist durch ihre älteren Geschwister einfach soweit, hat es lange gebraucht. Kopf hoch….das schlechte Gewissen ist eben eine Bitch und lässt so schnell nicht locker….

    Liebe Grüße
    Pa

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  4. Hallo! Ich glaube, dieses schlechte Gewissen wird uns mit der Geburt des Kindes mitgeliefert, mit jedem Kind! Manche Väter haben das vielleicht auch, aber eher seltener, da die Gesellschaft ihnen ein anderes Rollenbild auferlegt. Deswegen hast Du ja in Eurer KiTa diesen Erzieherinnen-Spruch abgekriegt, was ich nicht in Ordnung finde! So wenig wie ich in Ordnung finde, dass Väter scheinbar alleine machen können was sie wollen, wir Mütter hingegen nicht. Ich habe das schlechte Gewissen auch, mein zweites Kind ist gerade in der Eingewöhnung und bin hier zu Hause, hoffe, dass sie sich wohl fühlt und alles gut geht. Ihr großer Bruder ist doch bei ihr. Sie hat mir heute morgen fröhlich hinterher gewinkt. Und ich kann hier den Haushalt machen, etwas arbeiten und sogar mal sowas hier schreiben… .
    „Dennoch. Habe ich mal einen Vormittag frei, dann frage ich mich ob es o. k. ist, dass sie nicht bei mir ist.“ <– und genau das frage ich mich auch am meisten, und versuche mir zu sagen: ja! Denn auch ich brauche mal Zeit zum Durchschnaufen von meinen zwei Jobs, dem einen zum Gelderwerb und den anderen als Familienmanagerin! Und ich habe eine Bekannte, bei denen ist es echt krasser. Geht jetzt 2 Mal die Woche für 4 Stunden arbeiten, alles andere war ihr zu stressig. Ihre Kinder, das jüngste jetzt 15 Monate, gehen trotzdem bis nachmittags um 15h jeden Tag in den KiGa, und sie hat ne Putzfrau. Aus meiner Sicht ist das ein schönes Leben und ein schlechtes Gewissen hat sie glaube ich nicht dabei, sondern genießt ihre Freiheiten!

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  5. Das klingt ja so, als wäre es etwas Schlimmes, das Kind mit 18 Monaten in die Kita zu geben. Meine ist bereits mit 14 Monaten hingegangen. Es gab und gibt überhaupt keine Probleme. Sie liebt ihre Kita (mittlerweile ist sie 4,5 J.). Ich hatte NIE ein schlechtes Gewissen deswegen, weil eine Kita eine nützliche Einrichtung ist. Niemals kann man seinem Kind zu Hause so viel bieten wie in der Kita oder im Kindergarten. Schon allein was sie alles von älteren Kindern lernen, wie schnell sie laufen und sprechen lernen und wie schön sie zum Teil miteinander oder überhaupt spielen. Das ist doch was total schönes.
    Trotzdem hab ich für deine Bedenken Verständnis. Deine Ansicht ist noch sehr verbreitet und es ist schwer sich von dieser Einstellung zu lösen. Aber du wirst merken, wie sehr es dein Kind fördern wird.
    Alles Gute.

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    1. Ich finde es gar nicht schlimm, sein Kind früh, in die Kita zu geben. Deswegen war ich ja so überrascht von mir selbst, dass ich plötzlich ein schlechtes Gewissen hatte. Manchmal wird man von seinen Gefühlen einfach überrumpelt und man weiß gar nicht, wo das plötzlich herkommt. Ich merke jetzt schon, wie gut die Kita meiner Kleinen tut.

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  6. Ja. *seufz* Ich sitze hier gerade am Küchentisch. Das Baby in der Wippe neben mir und mir gegenüber das Notebook, über das das düstere dämliche schlechte Gewissen blickt, während ich hier tippe. Das Gefühl, dass ich die Zeit mit meinem Kerl nicht durch und durch genieße, sondern abgelenkt bin. Ich kenne die Momente. Dabei ist der Süsse glücklich, hat den Werbekatalog und bebrabbelt und knickt ihn… Wenn dann noch Stereotypengeprägte Rollenklischees hinzu kommen. Schluck. Aber meist werde auch ich dann so wütend, dass das schlechte Gewissen sich verzieht. Viel Kraft beim Kampf!

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  7. Du sprichst mir ja soooo aus der Seele. Wir sind nur zu zweit. Immer wenn der Papa von Alfred Kwak kommt mache ich 3 Kreuze. Es ist echt manchmal sehr anstrengend rund um die Uhr mit Baby allein zu sein. U kaum ist der Papa da u will mit Alfred Kwak raus, plagt mich das schlechte Gewissen u der innere Konflikt bricht los: leg ich mich hin und hohle den dringend benötigten Schlaf nach oder gehe ich mit auf den Spielplatz. Wenn der Papa da ist übernimmt er meine Aufgaben, also macht Babybrei, füttert das Baby, wickelt, zieht an. Dann kommt diese Bitch wieder um die Ecke u fragt: „Na, willst du nicht auch mal was machen? Es müsste dir doch ein Vergnügen sein!“ …:-(

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  8. Ach wie schön, dass das schlechte Gewissen wohl bei uns allen ständig anklopft 😉! Ich fühle mich dann immer wie in dem Song von Fettes Brot: „Engel rechts, Teufel links“!!! Der Engel lässt den Bruder niiie alleine motzend im Laufstall liegen, der Teufel schaltet die Ohren ab und gönnt sich mal 5 Minuten Kaffeepause. Und ja, ich habe den Teufel gewählt! Auch als das Kind mit 22 Monaten in die Kita kam, ich aber erst 2 Monate später zu Arbeiten anfing. Ich habe jeden einzelnen freien Vormittag bis 14:00 Uhr genossen ☺️!

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