Mommy Wars: Das Märchen von den Muddi-Kriegen

Ich habe mir Muddis früher oft als nervige Zeigefinger schwingende Öko-Frauen mir praktischen Kurzhaarfrisuren und Fair-Trade-Outdoor-Jacken vorgestellt. Ich weiß nicht warum. Ähm. Doch. Eigentlich weiß ich warum. Denn bis auf die kurzen Haare ist es das Bild einer langjährigen ultra nervigen Nachbarin, was ich mit mir herumtrug, wenn ich an Mütter dachte. Diese Frau redet nur über ihre Kinder. In einer Tonlage, die in den Ohren weh tut und suggeriert, sie trage das Leiden Jesu auf ihren Schultern. Dabei lässt sie gerne durchblicken, was sie von Schnullern und Langzeitstillen hält. Außerdem hasst sie Halloween. Mit ihren Kindern redet sie nur in einem oberlehrerhaften Ermahnton. Bizarr ist, dass ich nur Muddis in meinem Freundeskreis habe, die gar nicht so sind. Eigentlich kenne ich bis auf diese eine Nachbarin gar niemanden, der so ist. Aber negative Beispiele setzen sich ja oft fest.

Heute weiß ich: es liegt nicht am Muddi-Sein, dass jemand doof oder schlichtweg unsympathisch ist. Es liegt einfach an den Personen selbst. Biste vorher doof, dann bist du es hinterher wohl auch. Es sei denn jemand hat buddhistische Erleuchtung erlangt oder ähnliches. Man sagt ja immer, dass Kinder das Gute in einem zum Vorschein bringen. Somit sind doofe Muddis wahrscheinlich vorher noch ätzender gewesen. Das ist aber nur meine Theorie.

In der Blogger-Szene hört man immer wieder den Begriff Mommy Wars. Wer sich darunter kriegerische Frauen vorstellt, die mit Kochlöffeln aufeinander los gehen, liegt falsch. Gemeint sind diese kleinen Kriege im Alltag, wenn man auf dem Spielplatz doof angeguckt wird, weil man keine zig Snackboxen mit frischem Obst dabei hat. Wenn man einen doofen Spruch in der Krabbelgruppe kriegt, weil man vielleicht nicht stillt oder, wenn man Hasskommentare auf dem Blog bekommt, weil man kritisch über das Familienbett, Kitaeingewöhnung oder Kindertragen schreibt. Oder wenn Mütter, die Zuhause bleiben über berufstätige Muddis urteilen und umgekehrt. Es gibt sicherlich 1000 Beispiele dafür. Im Netz wird immer wieder darüber diskutiert.

Ich selbst finde den Begriff dämlich und irgendwie sogar sexistisch. Mommy Wars. Was soll das heißen? Es gibt eben Situationen, in denen Menschen andere Ansichten über Erziehung, Ernährung und generell über Kinder haben. Darüber wird eben diskutiert. Im Netz oft heftiger, weil irgendwie anonymer. Im echten Leben meist etwas dezenter. Klar gibt es Sprüche. Aber was hat das mit Müttern zu tun? Wenn sich Väter über solche Dinge streiten, heißt es ja auch nicht Daddy-Wars. Oder wenn Männer sich in Fußball-Foren verbal kloppen. Sind das dann Male-Soccer-Fan-Wars? Tun Frauen das nicht?

Achtung! Wichtiger Warnhinweis: Bitte nicht wegklicken – es folgt keine Feminismus-Debatte.

Immer, wenn ein Thema emotional besetzt ist – und das sind die eigenen Kinder nun mal – dann gibt es eben manchmal Kontroversen. Und es gibt eben ätzende Leute, die nie ihren Schnabel halten können und immer eine Meinung haben. Zu allem. Das sind aber nicht immer zwangsläufig Mütter.

Habe ich hitzige Diskussionen über Familienthemen erlebt? Ja! Habe ich Mommy Wars erlebt? Nein! Meine Erfahrungen mit anderen Menschen sind ehrlich gesagt, seitdem ich ein Kind habe, viel positiver geworden. (Bis auf die Truppe beim Babyschwimmen). Überraschenderweise habe ich doofe Sprüche weder in der Krabbelgruppe noch auf dem Spielplatz oder beim Elternabend in der Kita erlebt. Doofe Leute habe ich trotzdem immer mal wieder getroffen. Aber hätte ich ja ohne Kind auch. Und online gibt es eine Menge nette Muddis, aber eben auch doofe Blogger. So what?!

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5 Kommentare zu „Mommy Wars: Das Märchen von den Muddi-Kriegen

  1. Hahaha! Ja, ich kenne Muddi-Wars! Ich bin eine rauchende Muddi. Und wenn ich einen ganzen Nachmittag auf dem Spielplatz verbringe, setze ich mich weit weg, rauche eine und räume meine Kippe in den Mülleimer- wie es sich gehört.
    90% der Muddis juckt das gar nicht. 5% finden es toll, dass ich die Kippe aufsammele und 2% tuscheln… schielen rüber… in ihren Fairtradejacken, Ringelsöckchen und Klickboxen. Und genau diese 2% finden Apfelschorle aus der PET-Flasche unvertretbar! Saft!!! Zucker pur!!! Da kann man gleich Limo geben!!! Und dann noch PET!!! Oh mein Gott!!! Warum kein Glas? Warum? Weil ich keine 3 kg nur an Glas umherschleppen will- hab eben kein Fahrrad mit Cheriotanhänger für Arne und Dala.
    Achja…. 3% enthalten sich ihrer Stimme.

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    1. Aber sind das wirklich Mommy Wars oder einfach Leute, die sich einmischen? In anderen Bereichen passiert das einem ja auch, dass Leute komisch gucken oder tuscheln…so ein riesen Fan vom Rauchen auf dem Spielplatz bin ich jetzt auch nicht. Wobei ich auch keine militante Nichtraucherin bin. Das ist aber eben meine Meinung…einen Krieg würde ich deswegen nicht starten😁 Wobei auch Leute ohne Kinder mit Rauchern ein Problem haben…Das ist wahrscheinlich eines dieser Themen, die eben die Gemüter generell erhitzen.

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      1. ich bin nicht auf dem spielplatz unnd rauche, sondern etwas weiter weg. ist so ne ecke, wo man den spielplatz einsehen kann. nee, ein muddiwars ists nicht, sond vll wirklich einfach leute, denen eben alles stinkt, was nicht so läuft wie sie es gerne hätten, hast schon recht.

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  2. Hallo nochnemuddi. Ich finde auch, dass es überall Bereiche gibt, wo Fremde sich einmischen, selbst wenn man ohne Kinder unterwegs ist. Aber gerade bei Kindern und bei Themen rund um die Erziehung sind manche Mütter, habe ich festgestellt, extrem emotional und fühlen sich sofort angegriffen, wenn man zugibt, andere Ansichten zu haben. Ich denke, es geht darum dass sie unbedingt die Bestätigung brauchen, dass sie für ihre Kinder immer das Beste tun, obwohl es „das Beste“ gar nicht gibt. Auch wenn sie moderne, selbstbewusste Frauen sind, definieren sich viele Frauen doch über ihre Mutterrolle. Männer sind meiner Meinung nach ein bisschen anders: Väter tauschen sich schon untereinander aus, aber es gibt meist nicht dieses Bedürfnis, als der beste Vater zu gelten, weil Männer traditionell andere Lebensbereiche haben, wo sie gegeneinander auftreten (Beruf usw.). Man muss aber dazu sagen, dass zum Glück die wenigsten Mütter wirklich so militant und auf Streit aus sind.
    Liebe Grüße,
    Silvia alias Bellaberlino http://www.eckenberlins.wordpress.com

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