Superbaby

Heute musste ich meine Tochter disillusionieren. Eigentlich soll man seinen Kindern ja sagen, dass sie später alles werden und tun können, was sie gerne möchten. Feuerwehrfrau, Bauarbeiterin, Bundeskanzlerin oder Tierärztin. Alles drin. Tauchen, Reiten, Skydiven (naja, das eher nicht, weil zu gefährlich), Kite-Surfen (o.k, das eher auch nicht) oder Slacklinen. Die Message: Du kannst alles erreichen, wenn du es auch möchtest.

Eine Sache geht allerdings nicht. Fliegen. Alleine. Wie Superman. Doch wie sag ich es meinem Baby? Denn leider versucht sie es immer wieder. Sie legt sich quiekend bäuchlings auf den Boden, streckt die Arme nach hinten und drückt die Beinchen kerzengerade durch. Doch es tut sich nichts. Auch das frustrierte Brummen und Grummeln ändert daran nichts. In meinem Kopf spielt dann immer das Lied „I believe I can fly“.

Und heute habe ich es ihr dann gesagt: „Fliegen kannst du nicht!“ Bäm! Es ist die Wahrheit. Doch es tat mir Leid. Sie hat sich so viel Mühe gegeben und ich musste ihr erstmals sagen, dass sie das wirklich nicht kann und auch nicht können wird. Zumindest nicht wie Superman. Aber als Superwoman wird sie später sicherlich einen anderen Weg finden.

Warum mein Mann die Brötchen nach Hause bringt…

Das Leben als Frau ist manchmal ziemlich unfair. Es gibt oft so kleine Dinge im Alltag, die nerven. Zum Beispiel die Annahme, dass Männer mit dem Alter „wie ein guter Wein immer besser werden“ – einfach reifer und schöner, während das Verfallsdatum von Frauen bei 30 liegt. Dann heißt es: „Für ihr Alter hat sie sich ja noch ganz gut gehalten!“. Das gleiche Phänomen kann man nach der Geburt eines Kindes beobachten. Frauen verlieren gesellschaftlich gesehen eher ihre Anziehungskraft, während Männer einen wahren Attraktivitäts-Boost erleben.

Wenn mein Mann mit dem Kinderwagen loszieht, dann geht das Dauergegrinse auf dem Gehweg los. Jede zweite Passantin lächelt verzückt. Oh, ein Mann mit Baby. Oh, ein Mann mit Kinderwagen. Auf dem Spielplatz zieht er die Blicke der Mütter auf sich, wenn er mit unserer Tochter schaukelt. Hier ein Lächeln, da ein Nicken und dort ein kleiner Schnack. Beim Babyschwimmen bieten ihm ständig irgendwelche Muddis übereifrig Hilfe an und loben, wie toll er und die Kleine das alles so machen. Und beim Bäcker freuen sich die Verkäuferinnen jeden Morgen auf seinen Besuch. Ungefragt landen nun täglich zwei gratis Milchbrötchen in der Tüte. How charming.

Letztens war ich beim Bäcker. Kein Grinsen. Keine Begrüßung. Keine Milchbrötchen in der Tüte. Ich war freundlich und habe sogar extra laut den Namen unserer Kleinen gesagt. Die müssen sie ja kennen – dachte ich. Keine Reaktion. Nichts.

Beim Babyschwimmen halten mir die anderen Muddis meist nicht mal die Tür zur Dusche auf und ein Lob für meine tolle Performance habe ich dort auch noch nie bekommen. Eher ernte ich hochgezogene Augenbrauen, wenn mein Bikinioberteil beim Toben verrutscht und wenn ich zwei Minütchen zu spät im Begrüßungskreis erscheine, wird mir zugeraunt: „Oh, heute mal wieder im Verzug?“

Auch auf dem Spielplatz bewundert mich niemand dafür, wie toll ich mit meiner Tochter spiele und beim Spazierengehen grinsen mich meist nur Senioren an. Wenigstens etwas. Die jungen knackigen Jogger in ihren hautengen Höschen finden mich hingegen jetzt nicht plötzlich mega supi, weil ich einen Kinderwagen vor mir herschiebe. Was ist da los?

Nur mal vorweg: Ich gönne meinem Mann diese kleinen netten Erlebnisse im Alltag. Es ist schön, dass ihm so viel Freundlichkeit entgegenschlägt. Allerdings wundere ich mich, warum es alle so knuffig finden, wenn ein Mann alleine mit einem Kind unterwegs ist. Ist das immer noch so außergewöhnlich? Mein Mann würde jetzt sagen, dass die ganzen Muddis so nett sind, weil er eben ein super Typ ist. Klar, ist er ja auch, aber dennoch steckt da wohl noch etwas anderes hinter. Männer mit Babys lösen beim weiblichen Geschlecht irgendetwas aus. Ich erinnere mich da an dieses mega kitschige 80er Jahre Poster in schwarz-weiß, das einen durchtrainierten Mann mit Baby auf dem Arm zeigt (http://en.m.wikipedia.org/wiki/L’Enfant_(poster)). Das Teil war ein Verkaufsschlager und zierte tausende Jugendzimmer-Wände. Obwohl ich ja immer den Typen in der Latzhose und den beiden Autoreifen besser fand. O.K, ich weiß: Off-Topic.

Um ein bisschen Gleichberechtigung an die Grinse-Front zu bringen und damit auch Muddis sich im Alltag gut fühlen, lächel ich nun auch mal häufiger andere Frauen mit Kind an. Und: es wirkt. Letztens kam mir eine Frau mit dem gleichen Kinderwagen, ähnlich tiefen Augenringen und einem identischen Kaffeebecher in der Hand entgegen. Beim Vorbeigehen habe ich ihr „Prost“ zugerufen und meinen Becher gehoben. Erst schaute sie irritiert und sogar leicht pikiert, aber dann haben wir Beide herzhaft gelacht.

Deshalb steht mein nächstes Ziel fest: Gratis Milchbrötchen beim Bäcker!

Es gibt übrigens eine Blogparade zu dem Thema ‚Von überragenden Vätern und normalen Müttern‘ mit tollen Texten: http://runzelfuesschen.blogspot.de/2015/02/von-uberragenden-vatern-und-normalen.html

Und was ist mit den Vätern? Regretting Fatherhood!

Seit einigen Tagen gibt es ein neues It-Thema* in der Muddi-Blogwelt und den Medien: ‚Regretting Motherhood‘. Süddeutsche, Focus, Neue OZ, Spiegel sowie zahlreiche Elternportale berichten dabei über ein gesellschaftliches Tabu-Thema: über Mütter, die zwar ihre Kinder lieben, sich aber in ihrer Mutterrolle gefangen und unglücklich fühlen. Mütter, die zwar unbedingt Kinder wollten, diesen Schritt auch nie rückgängig machen würden, aber dennoch bereuen, Mutter geworden zu sein. Den Anstoß für das Thema gab eine Studie aus Israel (http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/unglueckliche-muetter-sie-wollen-ihr-leben-zurueck-1.2419449). Es gibt seither ein kräftiges Rauschen im Blätter- und Bloggerwald. Erfahrungsberichte, Meinungen und auch die Definitionen von Freiheit und Selbstbestimmung sowie das Frauen-Bild der Gesellschaft stehen im Fokus. Das sind alles wichtige Themen und Diskussionen – keine Frage. Dennoch beschäftigt mich seit einigen Tagen die Frage, was mit den Vätern ist. Denn dadurch, dass mit ‚Regretting Motherhood‘ ein vermeintliches Tabu gebrochen wird, wird ja impliziert, dass es für Väter völlig o.k und gesellschaftlich akzeptiert ist, ihr Vater-Sein zu bereuen. Ist das wirklich so?

Ich glaube nicht, dass das tatsächlich der Fall ist. Ein Artikel in der NY Times Online von 2011 (http://parenting.blogs.nytimes.com/2011/06/10/a-father-with-regrets/?_r=0 ) reißt dieses Thema auch an. Da heißt es sogar, dass sich mehr Frauen outen als Männer. Der Brief eines bereuenden Vaters wird dort abgedruckt. Seine Punkte decken sich übrigens in vielen Aspekten mit denen von bereuenden Müttern. In den Kommentaren zu dem Artikel danken viele Leser dem Vater für seine Aufrichtigkeit. Viele sind froh, dass sich endlich mal ein Mann zum Thema äußert. Das ist interessant! Wo sind denn die Väter bei der derzeitigen Diskussion? Ihre Stimmen würden mich auch interessieren.

Also warum geht es bei der Diskussion zurzeit dann nur um Mütter? Weil Mütter in der Regel mehr Zeit mit dem Kind verbringen? Weil Mütter mehr opfern müssen? Ist das denn so? Klar gibt es Väter, die sich vor der Verantwortung drücken – aber es gibt auch Mütter, die das tun. Ist es denn wirklich ‚einfacher‘ als Mann, sich seine Freiheit einfach zurückzuholen? Ist das nicht eine sehr antiquierte Ansicht? Ich glaube, dass sich die Rolle des Vaters sehr gewandelt hat in den letzten Jahren. Und vielleicht ist es auch mal an der Zeit, das anzuerkennen. Ich kenne bis auf wenige Ausnahmen sehr viele engagierte Väter, die Elternzeit genommen haben, ihre komplette Freizeit der Familie widmen, einen gleichwertigen Part in Erziehung und Haushalt übernehmen und bereit sind eine Baby-Auszeit zu nehmen, wenn die Partnerin den besser bezahlten Job hat (ja, ich kenne Familien, in denen das tatsächlich der Fall ist). Und: Ein Vater kommt auch lebenslang nicht aus dem Vater-Sein raus. Auch, wenn Beziehungen auseinander gehen.

Haben Väter ‚Regretting-Fatherhood-Momente‘? Sicherlich. Ist es gesellschaftlich akzeptiert, wenn ein Mann erzählt, wie sehr er es bereut, Vater geworden zu sein? NEIN! Ich glaube nicht. Denn ehrlich gesagt, habe ich es aus meinem Bekannten-, Freundes- und Familienkreis noch nie gehört. Denn (welch Wunder!): Auch Männer unterliegen einem gesellschaftlichen Druck. Sie sollen immer stark und männlich sein, einen super soliden Job haben, die Familie versorgen können, Kinder zeugen, Papa sein, einen Baum pflanzen und ein Haus bauen. So, das ist jetzt mal das überspitzte Klischee. Dennoch: Die Anforderungen hören sich für mich auch ziemlich anstrengend an. Für Männer, die Vollzeit arbeiten und sich nach ihrer Schicht daheim um Kinder kümmern und nachts auch kein Auge zu tun, ist die ganze Nummer ja auch kein Zuckerschlecken. Genauso wenig für Männer, die daheim bleiben und sich kümmern, während die Partnerin arbeitet.

Kommt ein Mann also aus der Vater-Nummer wieder raus? Nein. Vermissen Männer das Alleine-Sein und ihre Freiheit? Ja, da bin ich mir ziemlich sicher. Gibt es Männer, die es bereuen Vater geworden zu sein? Ja. Genauso, wie es Frauen gibt. Ist ‚Regretting Fatherhood‘ gesellschaftlich völlig akzeptiert? Nein, ich denke nicht. Warum wird das Thema dann bei Müttern als Tabu bezeichnet?

Vielleicht sollte man das Thema eher geschlechterübergreifend betrachten: ‚Regretting Parenthood‘ (wenn es denn unbedingt ein englischer Begriff sein muss;)). Denn ich denke, dass man von Eltern generell nicht hören will, dass sie die Kinder-Nummer bereuen. Warum also nicht mal das Thema gleichberechtigt anpacken. Vielleicht unterscheiden sich Frauen und Männer hierbei gar nicht so sehr…

*Allerdings ist das Thema auch nicht so neu, wie zurzeit suggeriert. Die NY-Times zum Beispiel hat es bereits vor vier Jahren aufgegriffen.

Chuck Norris an der Babyfront!

In den ersten Wochen mit Baby sah der Alltag bei uns so aus: Sobald das Kind ein Geräusch von sich gegeben hat, waren wir als Eltern direkt in Alarmbereitschaft – manchmal auch schon vorher. Wie ein SWAT-Team in Lauerstellung haben wir jede Regung antizipiert. Jederzeit bereit für den Einsatz an der Babyfront. Tag und Nacht. Schlaf? Überbewertet. Essen? Überbewertet. Pausen? Was für Schwächlinge. Toilettengang? Nur, wenn absolut notwendig. Leben am Babylimit. Wir waren wie Chuck Norris. Nein, wir waren Chuck Norris! Wir konnten jederzeit die Stecknadel hören, bevor sie gefallen ist. Wir spürten, wann unsere Tochter wach werden würde. Wir wussten, was zu tun war…naja, zumindest meistens.

Volle Windel? Wir standen beide gleichzeitig am Wickeltisch. Dass wir nicht Schnick-Schnack-Schnuck (oder wahlweise Schere, Stein, Papier, Echse, Spock) darum gespielt haben, wer wickeln darf, war alles. Das Babyphone immer in Reichweite. Funktioniert es auch? Es ist so leise. Ich guck nochmal nach. Nachts eine Regung des Kindes, wenn wir im Wohnzimmer saßen? Wir sind wie die Roadrunner losgerannt und im Türrahmen zusammengeknallt. Wie in einem Comic. Ein Seufzen im Beistellbettchen in den frühen Morgenstunden? Zwei Handydisplays leuchten gleichzeitig in der Dunkelheit auf. Wenigstens war klar, wer stillt.

So war das am Anfang. Klar ist das albern. Klar übertrieben. Dennoch konnten wir nicht anders. Doch die Dinge ändern sich.

Heute läuft es in der Nacht auch mal so ab: Ein Schrei aus dem Kinderzimmer. Ich werde wach. Bin müde. Neben mir tut sich nichts. Meine Augen sind geöffnet. Seine auch. Ich fühle es. Doch er regt sich nicht. Mist. Wenn ich mich jetzt bewege, dann muss ich gehen. Denn: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Vielleicht hatte sie nur einen Traum. Jetzt höre ich nichts. Warten. Baby meckert wieder. Och, nö. Immer noch keine Regung im Bett neben mir. Ich stehe seufzend auf. Baby hat den Schnuller verloren. Schnuller wieder da. Baby schläft weiter. Ich geh wieder ins Bett und liege wach. Neben mir: leichtes Schnarchen. Grrrrrr.

Auch an der Wickelfront hat sich einiges geändert: Die Windel ist voll. Seine Reaktion: „Meinst du echt? Also ich rieche nichts. Du hast aber auch die bessere Nase. Sonst musst du mal gucken!“ Grrrrrr.

Unser Running Gag: Das Kind schreit und einer ruft sofort: Bin’s nicht!

Kein Wettlauf zum Wickeltisch mehr. Kein Zusammenprallen im Türrahmen. Wir sind nicht mehr Chuck Norris. Das SWAT-Team hat sich zurückgezogen. Der Helikopter ist gelandet. Aber ganz ehrlich: das ist auch gut so.

Anmerkung: Mein Mann wird den Ablauf beim nächtlichen Aufstehen genau andersherum erzählen, aber auch das ist gut so😁

Baby Charts – der Soundtrack zum ersten Jahr

Egal ob Wickeltisch-Wrestling, nächtliche Schreiattacken, endlos scheinende Schübe oder chronischer Schlafmangel: Es gibt für jede Situation den perfekten Song! Hier meine Hitliste für das erste Jahr:

Die Hits bei nachtaktiven Babys & akutem Schlafmangel:
Zombie – Cranberries
No sleep till brooklyn – Beastie Boys
Insomnia – Faithless
Atemlos – Helene Fischer
Crazy – Britney Spears
Don’t wake me up – Chris Brown

Perfekte Songs für den Wickeltisch:
Don’t turn around – Ace of base
Shit happens – Lou Bega (den Song gibt’s wirklich!)
Hold back the river – James Bay

Lieder für den Schub und krawallige Kinder:
Just a phase – Incubus
Insane in the brain – Cypress Hill
Scream and shout – Will I am & Britney Spears
Hit me baby one more time – Britney Spears
Krawall und Remmidemmi – Deichkind
Don’t stop me now – Queen
It wasn’t me – Shaggy

Hits für die ersten Wörter:
Mammamia – Abba
Say my name – Destinys Child
Words don’t come easy – F.R. David

Lieder, die immer passen:
Times like these – Foo Fighters
Girl on fire – Alicia Keys
You are so beautiful – Joe Cocker

Leservorschläge:
Do what you want (with my body) – Lady Gaga (für den Kreißsaal)
Flash mich – Mark Forster (für schlaflose Nächte)

Für die Stillzeit kann man einfach die Milchbar-CD’s einwerfen!

…to be continued…wer noch weitere Vorschläge hat: her damit!