Warum Kinder kriegen?

O.k liebe Leude, jetzt wird es gefühlsduselig. Aber neben den vielen lustigen, skurrilen und manchmal auch schockierenden Erkenntnissen und Begebenheiten ist eine Sache für mich unumstößlich und muss an dieser Stelle einfach mal gesagt werden:

Es ist das großartigste auf der Welt, ein Kind zu haben.

Punkt. Oder besser: AUSRUFEZEICHEN!

Denn in einer Sache hatten die ganzen Muddis, Tanten, Papis, Omas, Onkel, Opas im Vorfeld immer Recht: Man kann es nicht beschreiben, man muss es selbst erlebt haben, um es zu verstehen. Diese Liebe, die man spürt, wenn man das erste Mal sein Kind auf dem Arm hat, ist mit nichts zu vergleichen. Wenn meine Tochter mich umarmt und Mama sagt, dann macht mein Herz einen Satz. Wenn sie in meinem Arm einschläft und leise und zufrieden schnarcht, dann macht alles Sinn. Es ist Glück. Pur. Groß. Stark.

Klar, nach einer harten Geburt und Monaten ohne eine einzige Nacht mit mehr als ein paar Stunden Schlaf am Stück fühlt man sich nicht wie das blühende Leben und springt mit einem Blumenkranz im Haar beseelt vor lauter Glück über eine Wiese. Aber die Glücksmomente halten einen in dieser Zeit über Wasser. Man wird bescheidener. Die kleinen Dinge werden plötzlich ganz groß. Ein schlafendes Kind. Eine volle Windel. Ein Brei, der gegessen wird. Der erste Schritt. Das erste Wort. Wenn meine Tochter lacht und vor vergnügen quiekt, könnte ich manchmal durchdrehen vor Freude. (Und oft tue ich das auch).

Am Anfang während der Schreiphase unseres Kindes haben wir irgendwann mal gesagt: „Wären Babys nicht so unfassbar süß, dann hätten sie echt ein Problem“. Klar, das war im Spaß, aber wenn man an seine Grenzen kommt, dann sieht man das große Glück nicht immer. Das ist normal. Man fühlt nicht immer Glück. Das wäre auch doof, weil man es dann gar nicht mehr erkennen würde.

Nach einem anstrengenden Tag mit quengeligem Kind, weil Schub oder Zahn oder Erkältung oder Furz quer oder alles zusammen – liege ich manchmal erschöpft auf dem Sofa und bin eigentlich froh, endlich „frei“ zu haben. Doch dann passiert das Unfassbare: Ich vermisse die kleine Kröte schon wieder. Dieses Phänomen hat ein Arzt bei einer Kreißsaalbesichtigung in einem Krankenhaus sehr gut auf den Punkt gebracht:

„Kein rational denkender Mensch, der die Wahl hat, würde sich freiwillig für ein Kind entscheiden, wenn es nicht von Herzen kommen würde. Es ist eine emotionale Entscheidung. Rein rational macht es überhaupt keinen Sinn!“

Genauso ist es. Man braucht keine Pro- und Contra-Liste anlegen, wenn man sich überlegt, ob man ein Kind will. Für das eigene Leben würde verdammt viel dagegen sprechen. Denn das große PRO kann man nur schwer fassen vorher. Es ist ein Gefühl. Aber das macht alle Contras platt. Aber so was von…

Zerstörte Illusionen Teil 2: Blaumachen war gestern

Die Erkenntnis, dass mit Baby nun wirklich alles anders ist als vorher, kam bei mir mit dem Tag der Geburt. Wie weitreichend diese Veränderungen sind, das merke ich allerdings erst nach und nach so richtig.

Erst kürzlich hatte ich wieder so eine Erkenntnis. Es war einer dieser Tage. Vom ersten Moment des Erwachens merkte ich. „ÄH, och nö. Doofer Tag. Kein Bock!“ Ich fühlte mich müde, kaputt, kränklich und das Plätschern (ach, was sage ich: Strömen) des Regens machte die Stimmung auch nicht besser. In meiner Vor-Baby-Vergangenheit wäre ich an einem Wochenende einfach liegen geblieben. Lange schlafen. Irgendwann frühstücken. Serien gucken. Pizza bestellen. Serien gucken. Schlafen. Unter der Woche hätte ich es vom Grad meiner Erkrankung abhängig gemacht und dann wahrscheinlich dasselbe getan. Einfach mal aus dem Alltag aussteigen. Die Welt draußen lassen.

Ja, Leute, was soll ich sagen….die Babyrealität sieht anders aus: It´s not gonna happen! Ever again! EVEER! Don’t even think about it! Eine Krankschreibung vom Arzt ist mit Baby ungefähr so viel wert, wie ein schimmeliges Toast, wenn man Hunger hat.

Der Morgen ging dann so weiter: Baby wacht früh auf: 5.30 Uhr. Schreit. Ist nämlich auch erkältet. Mann hat die doofe Schicht und ist früh weg und kommt spät wieder. Yeah! Nochmal umdrehen ist nicht. Unterstützung gibt es somit auch nicht. Ich muss da alleine durch. Egal, wie ich mich fühle. Egal, wie krank ich selbst bin.

Der weitere Verlauf des Tages im Schnelldurchlauf:

Trösten, Füttern, Wickeln, Spielen, Füttern, Wickeln, Nickerchen, Wickeln, Anziehen, Füttern, Spielen, Spielen, Trösten, Wickeln, Füttern, Spielen, Wickeln, 2. Nickerchen, Schmusen, Spielen, Füttern, Wickeln, Spaziergang, doch kein Spaziergang (weil Regen zu stark), Spielen, Halten, Singen, Trösten, Wickeln, Trösten, Spielen, Spielen, ???, Füttern, Wickeln, Umziehen, Schmusen, Schlafen, Nicht-Schlafen (weil Nase zu), Trösten, Schlafen, Weinen, Schlafen, Aufwachen, Weinen, Fläschchen, Trösten, Schlafen, Aufwachen.

Es ist Morgen. Neiiin!

So richtig lustig wird die ganze Nummer dann, wenn Mama mal so richtig krank ist….ich werde darüber berichten.

Zerstörte Illusionen Teil 1: Baby als Beziehungsretter

Unter dem aufbauenden Titel „Zerstörte Illusionen“ möchte ich eine Blogreihe in loser Reihenfolge starten. Denn als Muddi bekommt man vor allem eines direkt am Anfang: einen gehörigen Realitycheck! BÄM! Da wird einem die rosarote Brille vom Kopf gerissen. Da werden romantisierte Vorstellungen im Keim erstickt, urbane Legenden widerlegt und einem völlig unrealistische Überlieferungen schön um die Ohren gehauen. Klatsch! Da haste den Salat und die Suppe kannste auch schön selber auslöffeln – falls du noch dazu kommst.

Muhaha.

Ich möchte hier nicht die Frau Dr.Evil der Muddi-Blogs spielen, aber manchmal geht es nicht anders. Doch „Zerstörte Illusionen“ haben auch etwas Positives – sie machen Platz für die Realität. Für das Wissen, das man plötzlich hat und mit dem Geheimbund – quasi den Illumintaten of Motherhood – teilt. Und das ist toll. Wenn da mal wieder so eine ahnungslose Erst-Schwangere von ihren Plänen für die Elternzeit (Latte Macchiato trinken, Fotobücher machen und eine Weltreise mit Baby) berichtet, dann lacht die Dr.Evil in mir. Dann muss ich anderen anwesenden Muddis nur wissend zunicken.

Muhaha.

Träum weiter. Das Witzige daran: nur wenige Monate zuvor war ich eine von ihnen. Ahnungslos. Naiv. Unvorbereitet. Ich denke – das war auch gut so. Das ist so etwas wie der „Circle of life“. Ahnungslosigkeit sichert den Bestand unserer Spezies. Ach ja, und: Hormone.

Erst-Schwangere können somit ruhig über das richtige Nachthemd philosophieren, welches sie bei der Geburt tragen wollen, über Wege einer schmerzfreien Geburt sinnieren oder ihre Pläne für das Abstillen nach sechs Monaten und den schnellen Wiedereinstieg in den Job kund tun – ich kommentiere das nicht. Auch, wenn ich nun weiß, dass meist doch alles anders kommt und dass die meisten Pläne von vorher recht schnell über den Haufen geworfen werden. Nur bei einer Sache schrecke ich hoch – wie aus einem Traum, der durch Babygeschrei unterbrochen wird: Wenn Frauen der Meinung sind, dass ein Baby eine Beziehung retten kann.

Muhaha.

Ne, das ist nun wirklich bullshit. Denn mit dem Zeugungsakt ist der mega romantische Part der ganzen Nummer auch erstmal vorbei. Gut, bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ohne Kotzerei vielleicht auch erst danach. Aber mit der Geburt ist der romantische Teil dann wirklich over. Meine Hebamme berichtete mir von Beziehungen, die sogar schon an der Geburt selbst gescheitert sind. Man(n) sieht und erlebt vielleicht Dinge, die er/sie nicht verarbeiten kann. Wobei so ein Erlebnis auch zusammen schweißen kann. Aber eine angeschlagene Beziehung retten? Das glaube ich nicht. Gerade die erste Zeit mit Baby stellt eine Partnerschaft ziemlich auf die Probe. Schlafmangel, die völlige Umstellung des Lebens von heute auf morgen, die Aufgabe vieler Freiheiten, die Verantwortung…ja, genau: sexy klingt anders. Von Äußerlichkeiten und dem Zustand des Körpers mal ganz zu schweigen. Zweisamkeit steht erst einmal hinten an. Man muss sich als Paar neu arrangieren. Neu finden. Das ist manchmal mega anstrengend. Mit dem falschen Partner ist das sicherlich die Hölle. Denn man merkt in dieser Phase sehr schnell, ob man gut zusammen passt oder nicht. Denn es ist eine echte Bewährungsprobe.

Aber: (es gibt bei meinen Texten irgendwie immer ein Aber fällt mir gerade auf) es kann eine Beziehung auch festigen. Wenn man nach einer Woche in der Zahnungshölle um 3 Uhr morgens mit dem schreienden Kind auf dem Arm noch einen blöden Witz machen kann. Wenn man erschöpft mit dem wehrigen Kind in der Mitte und einem Fuß im Gesicht noch kurz vor dem Wegdösen dem anderen über die Hand streicht. Wenn man weiß, dass der Andere nicht mehr kann und man – obwohl man selbst auch nicht mehr kann – den Partner schlafen lässt. Wenn man zufällig gemeinsam die ersten Schritte des Kindes beobachtet und zusammen vor Freude ausrastet. Dann macht es die Zickereien nach einer durchwachten Nacht oder den Frust über einen beschissenen Tag mit Essensverweigerung und einem mittelschweren Wachstumsschub inklusive Wutanfall wieder wett. Dann weiß man ein Abendessen in einem Restaurant zu zweit wieder zu schätzen. Aber reparieren kann das alles eine Beziehung nicht. Der Alltag kann schon eine ziemliche Bitch sein. Somit wird Frau Dr.Evil wohl zur Sprechstunde bitten müssen, wenn sie hört, dass jemand glaubt, dass ein Baby ein Beziehungsretter ist…ein Baby ist und kann vieles, aber das nun wirklich nicht.

Der Trittbrett-Papa

Erst kürzlich berichtete ich von dem Phänomen, dass mein Mann der Held ist, sobald er mit unserer Tochter vor die Tür geht und jede Menge anerkennende Blicke, viel Lob und oftmals auch Gratis-Brötchen einheimst. In den Genuss dieser maximalen – vor allem weiblichen – Aufmerksamkeit kommen natürlich auch die Freunde meines Mannes, die ihn auf den Touren mit dem Töchterchen begleiten. Und das kommt nun immer häufiger vor.

Ich wundere mich ein wenig, wie gerne mein Mann in letzter Zeit mit der Kleinen spazieren und Kaffeetrinken geht und wie gerne er dabei von Freunden begleitet wird. Vor allem ein Kumpel ist ganz fasziniert von der Aura, die einen Papa mit Kinderwagen umgibt. Sobald die Sonne lacht, die Frühschicht vorbei ist und sich Kaffeedurst bei den Herren einstellt, geht es los. „Ich treff mich nachher noch mit CrazyEyes* in der Stadt. Ich würde die Kleine gerne mitnehmen“, höre ich meinen Mann dann beiläufig sagen. „Entlastet dich ja auch!“, schiebt er meist noch hinterher. Stimmt ja auch.

Letztens kamen Papa und Töchterchen entzückt und gut gelaunt von einem mehrstündigen Ausflug mit Kumpel CrazyEyes wieder. Mein Mann schwärmte, wie toll es war. Sie hätten in der Sonne in einem ultra hippen Café gesessen und alle Gäste wären hin und weg von der Kleinen gewesen. Ständig wären sie angesprochen worden. Auch beim anschließenden Spaziergang sei es einfach super gewesen. Gerne habe der Kumpel auch mal den Kinderwagen geschoben und meinem Mann so ein wenig Entlastung gegönnt. Ich musste schmunzeln, als mein Mann mir erzählt, dass sie solche Ausflüge jetzt häufiger machen wollen.

Kinder machen anscheinend sexy. Zumindest Männer. Das wäre vielleicht eine Geschäftsidee: Kinderwagenverleih für Single-Männer. Es besteht allerdings akute Erklärungsnot, wenn rauskommt, dass der Wagen leer ist oder nur eine Puppe drin liegt. Dann vielleicht doch lieder die komfortable Rolle als Trittbrett-Papa. Hat den Vorteil, dass man sich schnell verdrücken kann, sobald das Kind unangenehm auffällt, gewickelt werden muss oder eine Schreiattacke bekommt.

*Name von der Redaktion geändert;)

Achtung Lästerei: Nervalarm beim Babyschwimmen

Auch ich bin in den Strudel der Babykurse gezogen worden. Ich habe mich innerlich lange dagegen gewehrt. Doch irgendwann bin auch ich eingeknickt. Gut, ich hatte auch keine Chance nach dem Anruf der Pekip-Tante, die meine Nummer von der Hebamme hatte: „Es ist exakt nur noch ein Platz frei und alle – wirklich alle Frauen aus dem Vorbereitungskurs sind dabei. Nur sie nicht. Der Platz ist sehr begehrt und sofort weg, wenn Sie sich jetzt nicht entscheiden! Ich will Sie ja nicht unter Druck setzen, aber alle machen mit!“ Was soll man da noch machen? Die Vorstellung Babykurse zu besuchen, hat mich schon in der Schwangerschaft wahnsinnig gemacht. Ich hatte Angst vor dem Baby-Overkill und nervigen Muddis. Während sich Beides beim Pekip (jepp, habe ich dann ja gemacht. Drei Kurse. Wollte ich erst auch nicht. Fand ich dann toll!) nicht bewahrheitet hat, trifft beim Babyschwimmen zumindest der letzte Punkt zu: nervige Muddis und Vaddis (diese sonst nur selten bei Babykursen zu beobachtende Spezies, taucht hier vereinzelt auch mal auf).

Lange dachte ich: Schwimmen kann ich mit dem Baby auch alleine. Was soll der Hype, 50 Euro im Monate dafür zu zahlen, dass ich für 20 Minuten in der Woche mit meinem Kind und zehn anderen Babys inklusive Anhang in ein kollektives Pinkelbecken steigen darf? Doch im Alltag merkt man recht schnell, dass es nicht so leicht ist, alleine mit einem Baby eine handelsübliche Badeanstalt zu besuchen. Denn: das Wasser ist stark gechlort und zu kalt, Ablagemöglichkeiten spärlich gesäht und man müsste Matten, Reifen und anderes Spielzeug selbst mitbringen. Außerdem fehlt die Inspiration. Zu stressig. Zu nervig. Macht man dann eh nicht. Aber das Kind soll sich ja ans Wasser gewöhnen und Spaß haben. Also hab ich eine Probestunde bei DEM Anbieter für Babyschwimmen gemacht, gemerkt, dass die Kleine es super findet und mich für sechs Monate verpflichtet. Leider herrschen da mafiöse Strukturen und man kann nur Abos anschließen. Mindestdauer: sechs Monate. Aber was tut man nicht alles für den Nachwuchs.

Ich habe leider direkt gemerkt, dass die Kursteilnehmer auf den ersten Blick so gar nicht auf meiner Wellenlänge sind. Das hat sich leider auch beim zweiten und dritten Blick nicht geändert. Letztendlich auch egal, weil Freunde fürs Leben muss ich beim Schwimmen nicht finden. Hauptsache die Kleine hat Spaß. Allerdings fänd ich eine etwas freundlichere und lockerere Stimmung nicht schlecht. Denn es gibt anscheinend nur diese vier Muddi/Vaddi-Typen in meinem Kurs:

ACHTUNG: Es folgt eine überspitzte und polarisierende Darstellung, die man auch als Lästerei oder sogar Satire bezeichnen könnte. Somit sollten Leser mit schwachen Nerven, wenig Sinn für Humor sowie Teilnehmer des Kurses, die sich wiedererkennen, aus dem Text aussteigen. Hier ist der Notausgang.

O.K weiter geht’s!

Typ 1: Der mega spießige überehrgeizige Papa

Wenn er mit Claudius Constantin* ins Wasser schreitet, verzieht er keine Miene. Sein Seitenscheitel glänzt im Neonlicht und seine hautenge Speedo lässt keinen Raum für Spekulationen. Er sieht relaxt aus. Der Grund dafür ist einfach: Er bekommt den badefertigen Claudius Constantin jede Woche von seiner adretten Frau angereicht. Ja, ernsthaft. Sie zieht in um und macht ihn fertig. Dann schwimmt Vaddi 20 Minuten mit seinem Sohnemann und anschließend nimmt sie das Kind am Beckenrand wieder in Empfang und zieht ihm sein siebenteiliges Steiff-Kollektion-Outfit an. Im Becken hält sich Papa nicht mit Smalltalk oder anderen Höflichkeiten auf. Mit versteinerter Miene zieht er alle von ihm verlangten Übungen mit der Präzision einer schweizer Taschenuhr durch. Für Eltern, die auf das Tauchen lieber erst noch verzichten wollen, hat er nur ein müdes Grinsen übrig. Claudius Constantin muss alle Übungen mitmachen. Und zwar tiefer, schneller, weiter. Weint ein Kind im Becken schwimmt Papa weg von dem Unruheherd und sagt zu seinem Sohnemann: „Guck dir so was ja nicht ab!“

Typ 2: Die überengagierte Labertasche

Schon in der Umkleide plappert sie munter drauf los. Zähnchen, Breichen, Kitanavigator. Alle essentiellen Babythemen werden im Schnelldurchlauf abgehakt. Allein vom Zuhören bekommt man von dem Babytalk in Doubletime Seitenstiche. Auch die Konzentration beim Schwimmen leidet darunter. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass das Baby einen ziemlich großen Schluck Wasser nimmt, weil Muddi vor lauter Laberei gar nicht mitbekommt, dass die Kleine unter Wasser geraten ist. Manchmal rammt sie beim Rückwärtsgehen aber auch einfach das Kind vor sich und löst damit eine Massenkollision im Schwimmkreis aus.

Typ 3: Die desinteressierte Mehrfachmuddi

Muddis mit „nur“ einem Kind lässt sie links liegen. Sie hat andere Themen auf dem Herzen und will die Zeit nicht mit Neumuddis verplempern. Außerdem hat sie den Kurs schon mit Kind 1 bis 3 mitgemacht und findet das alles ganz offensichtlich lame.

Typ 4: Die Öde

Sie redet nicht, verzieht keine Miene. Beteiligt sich nicht an Small-Talk und sagt nicht Hallo und auch nicht Tschüss.

Mehrfachnennungen sind hier übrigens möglich. So ist Typ 1 auch Typ 4 und Typ 4 auch manchmal eine 3 ohne die 2;)

Wie die anderen Kursteilnehmer mich beschreiben würden, ist nicht überliefert. Vielleicht bin ich Typ 5: Blöde Kuh im Bikini, die unter der Dusche singt, ihr Kind an der Shampoo-Flasche nuckeln lässt und im Singkreis grenzdebil grinst.

Vielleicht fehlen mir beim Babyschwimmen auch nur ein paar nette Muddis, die auch noch nen bisschen Rock’n’Roll geblieben sind. Gut: Suche abgebrochen.

*Name von der Redaktion geändert.

In eigener Sache: Ich blogge, also spinne ich?

Früher oder später musste es in meiner zarten Blogger-Karriere ja so kommen: Ich mache bei einer Blogparade mit. Thema: Mein Blog, Dein Blog, Unsere Blogosphäre  (#bloggerhausen). Ins Leben gerufen wurde das Thema von Terrorpüppi mit ihrem tollen und sehr lesenswerten Blog.

Warum blogge ich also? Was steckt dahinter… Profilneurose? Unbändiger Mitteilungsdrang? Zu viel Zeit? Keine Freunde? Zu viel Sido gehört? Eigentlich ging es bei mir immer ums Schreiben. Viele Texte waren schon da, bevor ich überhaupt wusste, dass ich jemals „Noch ne Muddi“ starten würde. Die Kleine war da, die erste krasse Zeit war vorbei und diese ganzen Dinge, die da auf mich einprasselten, wollten raus. Also schrieb ich mir die Finger wund. Gedichte, Anekdoten, kurze Geschichten, Episoden. Über das Leben als Muddi. Über komische Begebenheiten. Skurrile Erlebnisse. Nachdenkliches. Den Alltag mit Kind.

Im Job war ich zuletzt – trotz Festanstellung bei einer Zeitung – nicht mehr so viel zum Schreiben gekommen. Die Journalistin in mir wollte aber nicht länger ruhen. Also raus damit. Anfangs nur für mich. Dann hat mein Mann mit gelesen. Nach sechs Monaten habe ich die Seite gestaltet. Dann wieder Zweifel. Interessiert das überhaupt eine Sau, was ich über das Muddi-Dasein schreibe. Ist das peinlich? Gebe ich zu viel preis?

Dann hätte ich fast einen Rückzieher gemacht und die Seite wieder gelöscht, die ich schon mit ersten Texten befüllt und eingerichtet hatte. Doch nach zwei weiteren Monaten gab ich mir einen Ruck. Warum nicht. Ich muss es versuchen. Vielleicht gefällt es mir – vielleicht aber auch nicht. Wenn ich es nicht mache, dann werde ich es wohl nie erfahren. Viele Texte waren schon da. Manche – zu intime Artikel – habe ich nicht veröffentlicht. Die schlummern auf meinem iPad und da werden sie auch bleiben. Für mich. Für später. Denn eines sollte mein Blog nie sein: kompletter Seelenstriptease. Mein Blogger-Motto: Ich erzähle das, was ich auch auf einer Party erzählen würde. Kann sein, dass ich manche Geschichten eher leicht angetrunken in schummeriger Atmosphäre erzählen würde. Somit gibt es auch ernste Themen und persönliche Einblicke. Aber eine gewisse Grenze möchte ich nicht überschreiten. Einen Echtzeit-Geburtsbericht gibt es hier nicht. Auch keine Fotos von unserer Tochter. Einfach nur Geschichten aus dem Leben einer Muddi, die gerne schreibt.

Und? Es macht mir Spaß und es freut mich, dass es Leute gibt, die das wirklich lesen und sogar nette Kommentare hinterlassen. Keine Ahnung, wie lange ich bloggen werde. Vielleicht wird mein Blog auch irgendwann wieder privat. Mal sehen! Aber für jetzt sage ich: Coole Sache!

So, jetzt muss ich noch Fragen beantworten:

Beschreibe deinen Blog in drei Worten
Offen. Skurril. Rock’n’Roll

Beschreibe dich als Bloggerin in zwei Sätzen
Noch ne Muddi, die über Muddi-Dinge bloggt – dabei manchmal von Gin Tonic träumt und sich auch mal eine Nacht ganz alleine im Hotel wünscht.

In welchen Situationen und welchen Menschen erzählst du außerhalb des Internets von deinem Blog?
Viele liebe Menschen wissen von dem Blog, aber ich erzähle nicht groß davon.

Welchen Blog – abgesehen von deinem eigenen – würdest du mir als allererstes empfehlen wollen?
Ich mag den Schreibstil und die entwaffnende Offenheit von kiddo.the.kid. Ich lese aber auch gerne Seit Du da bist, weil es sich auch um einen kleinen, recht neuen Blog handelt und ich mich häufig wiedererkenne.

Welchen Blogger oder welche Bloggerin möchtest du gerne mal im richtigen Leben kennenlernen?
Eigentlich mag ich die Tatsache, dass man die Blogger nur so kennt, wie sie sich online präsentieren. Es entzaubert vielleicht einen Blog auch, wenn man die Person dahinter treffen würde. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann vielleicht die Blogger von „Ich bin dein Vatter„.

Wenn du dir aussuchen könntest, mit jemanden ein Interview auf deinem Blog zu führen – egal mit wem – wer wäre das?
Brad Pitt: Sieben Kinder und offensichtlich die falsche Frau;) – das bietet doch Gesprächsstoff.

Welche Art von Beiträgen liest du gerne auf anderen Blogs?
Situationskomik. Skurrile Begebenheiten aus dem Alltag. Ehrliche Erfahrungsberichte.

Welche Art von Beiträgen magst du überhaupt nicht gerne auf anderen Blogs lesen?
Selbstbeweihräucherung a lá Chakka-Seht-Her-Ich-Wuppe-Kind-und-Karriere-Backe-Nähe-Blogge-Twittere-Bin-Supermuddi. Ultra detaillierte 1000-Zeilen-Geburtsberichte (ich bewundere den Mut und frage mich, ob man das nicht irgendwann bereut, aber es interessiert mich nicht).

Was hast du dich beim Bloggen schon „immer“ gefragt?
Liest das wirklich jemand?

Was würdest du Blogger-Neulingen raten?
Meldet euch nicht bei Twitter an.

Was wünscht du dir für das Miteinander in der Blogosphäre?
Immer schön geschmeidig bleiben.

Uncool ist das neue Cool!

Hätte mir vor der Geburt meiner Tochter jemand gesagt, dass ich mal zu Baby-Kursen renne, Krabbel-Treffen organisiere und mit Snacks in Tupperdosen auf dem Spielplatz stehe, dann hätte ich nur vehement mit dem Kopf geschüttelt und gesagt: „Das passiert mir auf keinen Fall!“ Wahrscheinlich hätte ich der Person auch noch einen Vogel oder schlimmeres gezeigt. In der Post-Baby-Welt war unsere größte Angst, uncool zu werden. Denn Kinder machen spießig. Und schwupps ist man selber spießig. No way José! Passiert uns nicht!

Gut, es passiert dann doch. Hormone und so. Ok, ich kann nicht alles auf die Hormone schieben. Es ist einfach so. Kinder machen was mit einem. Das ganze Ausmaß ist mir aber erst kürzlich bewusst geworden.

Denn dann kam der Maifeiertag. Mein Mann hatte ein Plakat gesehen. Ein kleines Fest im Park mit Grillstation und Hüpfburg. Wir hatten nichts vor. Das Wetter war schön. Also auf zum Fest im Park. Als wir dort ankamen der Schock: Eine große deutsche Partei war Ausrichter des Festes (keine Panik: keine ganz rechts und keine ganz links – ok, jetzt gibt es ja nicht mehr so viele Möglichkeiten…). Ballons und alle erdenklichen Werbeartikel mit Parteilogo zierten Buden, Bänke und Hüpfburg. Die Hölle. Ich stieß meinem Mann in die Seite und raunte: „Und das stand nicht auf dem Plakat??“ Wir hatten die Wahl: Weitergehen oder Wurst essen. Wir hatten Hunger und unsere Tochter reckte sich interessiert aus dem Kinderwagen beim Anblick der Ballons, die im Wind so lustig hüpften. Also standen wir plötzlich unter einem Partei-Schirm auf dem Partei-Fest mit einer Partei-Wurst in Partei-Serviette eingeschlagen. Als dann noch ein Pantomime auftauchte und lustige Ballon-Tiere formte, holte ich mir ein Bier und trank es wortlos halb aus. „Nein, nicht auch noch ein Clown“, seufze mein Mann. Aus dem Lautsprecher dröhnte plötzlich auch noch die Titelmelodie von Dawson’s Creek. Der Serie unserer Jugend. „I don’t want to wait for this life to be over…“ Wie passend. Und dann konnten wir nicht mehr. Wir prusteten vor Lachen. Das war sooo uncool, dass es schon wieder cool war. Wir blieben noch auf ein weiteres Bier und eine Waffel. Wir ließen uns darauf ein. Nicht auf die Partei, sondern auf das Fest. Diese totale Spießigkeit. Unsere Tochter bekam dann sogar noch einen Ballon und ein Windrad mit Logo, obwohl ich mich noch daran erinnern kann, dass ich mal gesagt habe, dass ich es widerlich finde, wenn Eltern ihre Kinder als Werbefläche missbrauchen.

Ja, ich weiß. Epic fail! Ich habe meine Seele verkauft. Für ein Kinderlächeln. Aber was soll ich machen, wenn das eigene Kind mit mega großen Augen und dem süßesten Stimmchen der Welt „Da. Haba!“, ruft…dann gibt es eben doch den scheiß Ballon. Aber sie hatte Spaß, wippte zur Dawson’s Creek Melodie und spielte selig mit dem Ballon.

Ein Kind zu haben, bedeutet anscheinend ständig, seine vorherige Meinung über Bord zu werfen oder zumindest sie zu überdenken. Es bedeutet, sich zu verändert. Uncool zu sein und es gut zu finden. Und: Wenn man sich erst einmal darauf einlässt, dann ist Uncool das neue Cool.

Den Ballon habe ich übrigens am nächsten Tag unter dem Kinderwagen versteckt. Er war mir peinlich. Man muss es ja auch nicht übertreiben.