Familienausflug in die Schwimmwindel-Hölle

Was machen eigentlich andere Menschen mit kleinen Kindern an einem verregneten Sonntag? Diese Frage hat mich bislang nie groß beschäftigt. Dennoch kenne ich die Antwort jetzt. Unfreiwillig. Ich weiß nun: Diese Menschen hängen alle im Babybecken des nächst gelegenen Schwimmbades ab. ALLE!

Rückblick: Mein Mann und ich kamen uns ultra krass vor, als wir am Sonntag um 6 Uhr von unserer Tochter geweckt wurden und wir uns beim Blick aus dem Fenster spontan entschieden: wir fahren einfach ganz früh schwimmen. Verrückt! So was haben wir ja noch nie gemacht. Im Vor-Baby-Zeitalter hätte ich um die Zeit entweder meinen Rausch ausgeschlafen oder ich wäre gerade ins Bett gegangen, um dann meinen Rausch auszuschlafen. O.k, vielleicht hätte ich auch einfach nur geschlafen. Ohne Rausch. So KRAZY waren wir die letzten Jahre ja auch nicht mehr drauf. Dennoch: Schlaf hätte mit Sicherheit eine große Rolle gespielt. Und Serien. Und Pizza. Ein verregneter Sonntag eben. Die Sonntage mit Baby hingegen sahen eher so aus: Einer schläft und der Andere opfert sich. Schließlich war unsere Tochter sehr sehr lange immer zwischen 4.30 Uhr und 5 Uhr wach. Da ging dann nicht viel. Aber jetzt haben wir einen neuen Rhythmus. Abends bleibt sie nun länger auf. Sehr viel länger ( anderes Thema und bestimmt nur ne Phase). Und morgens schläft sie auch mal bis 7 Uhr. Immerhin! Also tun sich nun mit einem Kleinkind und der neuen Uhrzeit ganz neue Welten auf. Man muss was unternehmen, denn der Wirbelwind will beschäftigt werden. Denn sie bleibt schon lange nicht mehr selig unter ihrem Spielbogen liegen.

Also ab ins Schwimmbad. So früh, ist bestimmt noch keiner da. Der Parkplatz war auch noch recht leer, als wir ankamen. Keine Menschen an der Kasse. Sammelumkleide leer. Das Sportbecken auch. Ebenso das Außenbecken. Wir frohlockten schon. Goile Idee! Dann der Blick ins Babybecken und der Schock: Es sah dort aus wie an der italienischen Adriaküste zur Hochsaison. Kinder wohin das Auge reicht. Überall Eltern an Wasserpumpen und Springbrunnen-Dingern. Die SCHWIMMWINDEL-HÖLLE! Mein Mann bekam schon ein nervöses Zucken im Gesicht und ich erkannte den Fluchtinstinkt in seinen Augen, während er langsam rückwärts ging. Er stammelte leise etwas: „Außenbecken. Außenbecken..“ Also ab ins Außenbecken. Runterkommen. Den Schock verdauen. Und die Erkenntnis: Alle haben die selben Gedanken und alle Eltern von kleinen Kindern sind so früh wach. So sehr wir es auch wollen: wir sind nicht anders. Irgendwann landen wir alle in der Schwimmwindel-Hölle. Nach 20 Minuten im Außenbecken der erneute Vorstoß Richtung Babybecken-Front. Die feindlichen Linien mussten überwunden werden. Also: rein ins Getümmel. Der Gedanke an floating Pippi und Kacka und all das, was in diesem Becken noch so rum trieb, ließ mich kurz erschaudern, bevor ich mich als erste opferte. Leben am Limit. Ist ja sicherlich alles super gechlort. Also Augen zu und durch. Das warme Wasser sedierte meine Ängste und dann war es auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Mein Mann tat es mir gleich. Wir setzten uns ins Becken und ließen unser kleines Mädchen durchs Wasser flitzen. Sie hatte Spaß. Und plötzlich fühlten wir etwas. Es war merkwürdig. Ein Gefühl, dass ich kannte. Konnte das sein? Wir hatten auch Spaß. Mein Mann lachte sogar. Das war erstaunlich. Wir ließen uns darauf ein. Ich versuchte auch nicht mehr, im Wasser nach braunen Stückchen Ausschau zu halten. Gelassenheit. Und: es klappte. “ Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich an einem Sonntagvormittag in so einem überfüllten Becken sitze, hätte ich es nicht geglaubt!“, sagte meine Mann später. Ich erwiderte: „Vor einem Jahr? Vor zwei Stunden!“ Wir lachten. Alles halb so schlimm, denn wenn die Kleine Spaß hat und vor Freude quiekt und lacht, dann ist einem alles andere egal. Das Herz zerspringt fast vor Freude, wenn man diese kleine Kröte so fröhlich und ausgelassen sieht. Man wirft alle Vorbehalte über Bord.

Wir freuten uns also alle ganz dolle. Bis wir in die völlig überfüllte gemischte Familienumkleide kamen…aber das ist ein anderes Thema.

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4 Kommentare zu „Familienausflug in die Schwimmwindel-Hölle

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