Schaufelgate auf dem Spielplatz: Lasst eure Kinder doch mal in Ruhe!

Jan-Ole möchte rutschen. Darf er aber nicht, weil die Rutsche noch nass ist und er keine Matschhose trägt. Also sucht sich der kleine Knirps eine andere Beschäftigung: Er steuert auf das Sandspielzeug-Arsenal von Hannah zu, die munter inmitten von Schaufeln, Eimerchen und Förmchen sitzt. Jan-Ole hat eine grüne Schaufel anvisiert und rennt los. Doch bevor er das Objekt seiner Begierde erreicht, schreitet sein Vater verbal ein. „Nein! Das gehört uns nicht!“, sprudelt es panisch aus dem grau-melierten Mittvierziger im Karohemd. Doch Jan-Ole reißt sich los. Mir kommt diese Szene vor wie in Slow-Motion. „Neiiiin! Daaas gehööört uns niicht!“, ruft er erneut und wetzt hinter seinem Sprößling her. In diesem Moment denke ich: Ich hätte gerne eine Tüte Popcorn. Wenn es nicht so traurig wäre, was sich auf vielen Spielplätzen so abspielt, würde ich dieses gratis Entertainment etwas mehr genießen können. Ich meine: Hey, die Sonne scheint. Ich habe frei, mein Kind spielt in einem Spielhäuschen und ich krieg hier noch die Showeinlagen der Heli-Eltern geboten. Doch es ärgert mich.

Schaufelgate und Nachos mit Käse

Jan-Ole hat die Schaufel erwischt und steht siegessicher im Sandkasten und reckt seinen Fund heroisch in die Luft. „Meins!“, ruft er und lacht. Hannah, die rechtmäßige Besitzerin der Schaufel zeigt sich unbeeindruckt. Genauso wie Hannahs Mutter, die auf einer Bank sitzt und zuschaut. Doch Jan-Oles Papa sieht das anders. Er wirkt nervös. „Das tut mir Leid! Mein Sohn hat eine sehr abstrakte Vorstellung von Besitztum!“, sagt er mit lauter und fester Stimme, damit es auch alle hören. Das ist der affigste Satz, den ich je in einem Sandkasten gehört habe. Ich wünsche mir jetzt Nachos mit Käse. Aber pronto. Dieser Nachmittag kann nicht unterhaltsamer werden. Dann versucht er seinem Sohn die Schaufel zu entreißen. Hannahs Mutter schaut teilnahmslos rüber und widmet sich dann wieder ihrem Baby, das sie gerade stillt. Es ist ihr egal, dass ein anderes Kind die Schaufel ihrer Tochter in der Hand hält. Jan-Ole weint jetzt. Sein Vater legt die Schaufel in den Sand zurück und entschuldigt sich nochmal. Bei wem auch immer.

Die Schreie hallen noch lange nach

Dann kommt ein anderes Kind und nimmt die Schaufel. Spielt ein wenig damit und schmeißt sie wieder weg. Keiner protestiert. Keiner verbietet das. Keiner weint. Jan-Ole wurde derweil unter lautem Protest vom Spielplatz  entfernt. Die Schreie aus dem Fahrradanhänger hallen noch eine Weile nach. Und ich fragte mich, warum man es sich manchmal so unnötig schwer macht. Warum gibt es so viele Eltern, die ihre Kinder nicht einfach mal machen lassen? Die sich zurücklehnen und den Moment genießen. Klar, wenn ein Kind zu klein ist, um eine Leiter hoch zukommen, dann hilft man. Oder wenn Kinder handgreiflich werden. Aber sollten es die Kinder nicht erst einmal selbst versuchen dürfen? Warum nicht mal das Kind selbst die Situation lösen lassen?

„Vielen Eltern ist das Verhalten ihrer Kinder peinlich“

Das schlimmste sind dabei die Entschuldigungen der Eltern untereinander. Man merkt so vielen Müttern und Vätern an, dass ihnen das Verhalten der Kinder irgendwie peinlich ist, weil es ja ein schlechtes Licht auf sie selbst werfen könnte. Jan-Oles Papa hatte keine gute Zeit auf dem Spielplatz. Vielleicht auch, weil er denkt, dass sein Mini-Me unangenehm auffallen könnte. Vielleicht auch, weil es manchmal schwieriger ist, eine Situation auszuhalten, anstatt einzugreifen. Deswegen hatte Jan-Ole wohl heute auch keine gute Zeit auf dem Spielplatz.

 

Was meint ihr? Beobachtet ihr auch solche Situationen auf dem Spielplatz? Wie reagiert ihr darauf, wenn euer Kind fremdes Spielzeug haben will?

Alles nur eine Phase?! Zwischen Wahnsinn und Frohsinn!

Die wichtigste Lektion, die man als Neu-Muddi schon sehr früh lernt: Gewöhne dich an nichts, denn alles ändert sich wieder. Meistens dann, wenn man es ausspricht. Etwa: „Seit zwei Wochen schläft das Baby super!“ Fail. Nachdem du diesen Satz laut gesagt hast, wird dein Kind nie wieder so super schlafen. Oder: „Bislang war das mit dem Zahnen nicht so wild!“ Möööp! Das Kind wird von nun an dauernd schreien und du wirst die Nächte neben deinem Sprößling bewaffnet mit Osanit Kügelchen und Zahnungsgel verbringen und dir wünschen, nie etwas gesagt zu haben. Auch ein Klassiker: „So richtig erkältet war das Baby noch nicht!“ Schwups! Von diesem Moment an wird die Nase deines Kindes nicht mehr aufhören zu laufen und eine Erkältung wird von der nächsten abgelöst. Das ist ein Gesetz.

Doch es gibt einen tröstlichen Gedanken, der alle Eltern irgendwie über Wasser hält und Hoffnung schöpfen lässt: Es ist alles nur eine Phase! Tatsächlich kann man sich darauf verlassen. Auch, wenn es manchmal unendlich lang bis zum Ende der Phase erscheint. Es hört irgendwann wieder auf. Bis zur nächsten Phase eben.

Bei uns gab es so einige Phasen, die uns an den Rande des Wahnsinns getrieben haben. Hier unsere Hitliste:

Schreiphase

  • Beschreibung: Dauerhaftes Schreien, sobald wach ab dem 3. Tag
  • Dauer: 14 Wochen
  • Launometer: im Keller
  • Erschöpfungsgrad: auf einer Skala von 1-10? 100!

5-Uhr-Phase

  • Beschreibung: Baby wacht um 5 Uhr auf und möchte nicht mehr schlafen
  • Dauer: 3 – 4 Monate
  • Launometer: man gewöhnt sich an alles
  • Erschöpfungsgrad: 6

Kind-wacht-mehrmals-nachts-auf-Phase

  • Beschreibung: siehe Titel
  • Dauer: alle Monate mal wieder für 1-2 Wochen
  • Laumometer: kein Kommentar
  • Erschöpfungsgrad: 7 (seitdem ich wieder arbeite: 9)

Kind-schläft-plötzlich-nicht-mehr-alleine-ein-Phase

  • Beschreibung: von heute auf morgen ging nichts mehr ohne ein bis zwei Stunden Einschlafbegleitung am Abend in Form von tragen, schaukeln oder Hand halten
  • Dauer: 8 Monate
  • Laumometer: Fuck it, dann hab ich eben nie wieder Freizeit
  • Erschöpfungsgrad: 8

Trotzphase

  • Beschreibung: Kind will alles alleine machen und wenn es nicht so läuft, wie gewünscht, dann geht es rund. Von Wegrennen über Dinge wegwerfen bis hin zum Weinkrampf mit auf den Boden werfen, war schon alles dabei.
  • Dauer: andauernd und immer wieder aufflammend
  • Launometer: Auf der Richter-Skala? Je nach Stärke und Dauer des Bebens.
  • Erschöpfungsgrad: Beim Kind? Hoch! Bei den Eltern? Ebenfalls!

Neben den schwierigen Phasen, die zu 90 Prozent mit dem Thema Schlaf zu tun haben, gibt es natürlich auch gute Phasen.

Zum Beispiel: Die Baby-schläft-durch-und-super-Phase oder die 10-Uhr-14-Uhr-Phase, in der unsere Tochter ein halbes Jahr lang wie ein Uhrwerk jeden Tag zwei Nickerchen von jeweils bis zu 2 Stunden gemacht hat. Ein Traum. Das ist nämlich das Gemeine: Wenn super tolle Phasen plötzlich enden. Das läuft dann in etwa so ab:

  1. Verleugnung (nein, die Phase ist nicht vorbei!)
  2. Schock (die Phase ist tatsächlich vorbei)
  3. Trauer (warum ist die Phase vorbei?)
  4. Annahme (die Phase kommt nicht wieder)
  5. Aufarbeitung (bald kommt eine neue Phase)

Egal, wie es kommt, es kommt immer etwas Neues. Somit: Genießt die guten Phasen! Und: Seid euch in schlechten Zeiten sicher: es wird besser. Es ist ein wenig wie ein Glücksspiel. Und noch was: Erzählt niemandem, wie gut euer Kind schläft. Niemals!

Mutterliebe: Warum ich mein Bier gerne warm trinke

Zwei kleine Arme, sind um meinen Hals geschlungen und eine heiße Wange klebt an meiner. Ich spüre ihren Atem in meinem Gesicht. Ich bekomme fast keine Luft mehr. So eng ist diese Umarmung. Im Nebenzimmer wird Fußball geguckt. Das erste Deutschland-Spiel der EM. Mein Mann und zwei kalte Biere warten nebenan. Doch ich liege in einem dunklen Raum. Jenseits von Fußball. Jenseits von allem, was da draußen in der Welt passiert. Ich liege da. Glücklich. Mit meiner Tochter eng umschlungen. Sie hatte nicht einschlafen können und ich habe mich zu ihr gelegt. Anfangs war ich genervt. Ausgerechnet zum Anpfiff.

Nun ist die erste Halbzeit fast vorbei und es ist mir egal. Eine getrocknete Träne klebt an meiner Wange. Eine salzige Spur der Freude. Manchmal kommen perfekte Moment unverhofft. So wie heute. Dann ist Glück eine Umarmung meiner Tochter.

Wir liegen da so nebeneinander. Ihre Atmung wird gleichmäßiger. Sie streicht mir kurz vorm Einschlafen noch einmal mit ihren kleinen Fingern durchs Gesicht. Als wolle sie gucken, ob ich noch da bin. Mein Herz macht einen Satz. Ein lautes „JAAAA!“ durchbricht die Stille. 1:0 für Deutschland. Doch ich möchte gerade nirgends lieber sein als in diesem dunklen Zimmer eng umschlungen mit meiner Tochter. Liebe fühlen. Glück spüren.

Gleich werde ich ein lauwarmes Bier trinken und wieder in die Welt da draußen einsteigen. Aber noch nicht jetzt. Ein paar Minuten brauche ich noch…

Blogger fragen – Muddi antwortet

Es gibt Dinge zwischen dem echten Leben und der virtuellen Blogger-Blase, von denen ich anfangs keine Ahnung hatte. So wusste ich bei meiner ersten Nominierung zum „Liebster-Award“ gar nicht, was das überhaupt soll und was es damit auf sich hat. Ein Preis für mich? Von wem? Warum? Die ersten Nominierungen habe ich deswegen einfach mal ignoriert. Nicht die feine Art, aber ich wusste damit nichts anzufangen. Jetzt weiß ich: Der Liebster-Award ist quasi ein fiktiver Preis, der von Blogger zu Blogger als Art Kettenbrief vergeben wird. Man nominiert Blogs, die man gerne liest, beantwortet die Fragen von der Person, die einen nominiert hat und gibt dann den Staffelstab an andere Blogger weiter.

Ich denke, dass es nun an der Zeit ist, den Liebster-Award auch mal anzunehmen. Denn ich wurde von zwei ganz tollen Bloggern nominiert. Einmal von Anni mit ihrem wunderbaren Familien-Blog Marmeladenschuh und einmal von Kimi, die mit ihrem Kreativ-Blog kitoremi begeistert. Beide haben mir Fragen gestellt:

Hier die Fragen von Anni:

1. Welches Mama-Tool hast du IMMER dabei?
Feuchttücher und Quetschies. Dann ist man eigentlich für jede Situation gewappnet. Mehr braucht man nicht. Gut, vielleicht noch Windeln.

2. Die größte Herausforderung des Elternseins ist …. ?
Mit der Umstellung klar zu kommen. Von der Einsam- und Zweisamkeit zum Leben zu dritt. Was es tatsächlich bedeutet, nicht mehr alleine zu sein, merkt man erst nach ein paar Wochen. Es ist wunderschön und mega beängstigend zugleich. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist es das Allerbeste.

3. Was magst Du eigentlich nicht besonders, hast es aber bisher ungern mitgeteilt?
…am Elternsein oder generell? Also am Elternsein ist es definitiv die Sache mit dem Schlaf bzw. dem fehlenden Schlaf. Ich träume regelrecht vom Ausschlafen. Einfach mal ohne Unterbrechung so lange schlafen am Wochenende wie ich möchte. Ansonsten war ich kein besonders großer Still-Fan. Ich hab es gemacht, weil es gut fürs Kind ist. Manchmal war es auch ganz kuschelig, aber so knorke fand ich es generell nicht. Ich hab es zwischendurch einfach nur als ziemlich großen Druck empfunden. In der Öffentlichkeit habe ich es gehasst und solche Situationen auch meist gemieden. Mit dem Fläschchen Milch am Abend find ich es jetzt manchmal sogar schöner und kuscheliger.

4. Welcher Duft erinnert Dich am ehesten an die Kindheit?
Dieser Geruch von Pommes und Chlor an einem heißen Tag im Freibad.

5. Was wolltest Du bei Deinen Kindern anders machen als Deine Eltern und machst es heute genau so?
Ich wollte konsequenter sein! Fail! Dieses süße Wesen tanzt uns schon jetzt auf der Nase rum.

6. Welches schöne Kompliment hast Du zu Deiner Mama-Leistung schon mal bekommen und von wem?
Für mich ist das keine extra Leistung, Mama zu sein. Ich bin halt Muddi. So wie mein Mann eben Papa ist. Wir versuchen einen guten Job zu machen. Wenn mein Mann auf meine Tochter zeigt und mir sagt: „Da hat dich aber jemand unglaublich lieb!“ Oder, wenn sie mich ganz feste umarmt. Das ist das schönste Kompliment. Diese Liebe zu spüren.

7. Was war Deine dunkelste Mama-Stunde?
Da gab es die eine oder andere düstere Stunde während der ersten Wochen nach der Geburt, in denen unser Kind sehr sehr viel geschrien hat. Da hatte ich so kurz mal einen Anflug von regretting Motherhood. Danach schämt man sich dafür. Aber jeder, der das mal erlebt hat, weiß wovon ich rede.

8. Hast Du einen super Kinderbuch-Tipp?
Ich liebe die Pepe & Milli Bücher. Die sind soo süß gemacht und meine Tochter liebt sie.

9. Was liebst Du am Bloggen besonders?
Einfach so zu schreiben, wie ich denke. Genial. Keine Schere im Kopf. Ich kann freier schreiben, als für die Zeitung.

10. Und was nervt Dich daran am meisten ab?
Diese Blogger-Blase nervt mich manchmal sehr. Ich finde, dass sich Blogger oft zu sehr um sich selbst drehen. Ich finde eine gute Balance wichtig. Bei mir sollen die Geschichten und Artikel im Vordergrund stehen und nicht, ob ich heute Kopfschmerzen hab oder nicht. Deswegen mache ich solche Selbst-Interviews auch nicht so oft mit. Klar, muss man sich als Blogger vorstellen, aber so interessant bin ich dann auch nicht, dass ich jeden Mittag mein Essen fotografieren oder ein Selfie posten muss.

11. Was war die sinnloseste Anschaffung von der Du dachtest, sie als Mama zu brauchen?
Der Laufstall. Der kam einfach zu spät. Wir hatten eine Wiege und ein Gitterbettchen. Das reicht eigentlich. Völlig überbewertet sind auch Babykostwärmer.

Hier die Fragen von Kimi:

1) Gibt es eine Geschichte hinter deinem Profilbild?
Es war ein Selfie mit dem iPad. Ich hatte meine Tochter auf dem Arm und sie hat neugierig auf den Bildschirm geguckt. Dabei sind sehr schöne Fotos entstanden. Allerdings soll man uns gar nicht so genau erkennen. Denn Fotos von meiner Tochter wird es auf dem Blog nicht geben. Höchstens sehr verfremdet. Privatsphäre ist mir sehr wichtig.

2) Planst du deine Blogbeiträge oder entstehen die spontan?
Ich habe anfangs erst ganz viel geschrieben und dann den Blog direkt mit zehn Artikeln gestartet. Manchmal plane ich noch, aber sehr selten. Ich bin eine Impuls-Bloggerin. Brenn ich für ein Thema, dann muss ich dazu schreiben. Das ist so toll am Bloggen.

3) Bist du ein Selbermacher oder hast du zwei linke Hände?
Sowohl als auch;)) Ich versuche alles erst einmal selbst. Ob es dann gut wird, ist eine andere Sache. Beim Streichen des Kinderzimmers war ich so semi erfolgreich und meine ersten Cupcakes wurden von meinem Mann liebevoll Kackcakes genannt. Ich mach meistens einfach. Lange einlesen oder Anleitungen angucken, ist nicht so mein Ding. Das rächt sich dann manchmal auch.

4) Welches Buch liest du gerade?
Ich lese nun schon sehr lange das Buch „Galveston“. Das ist ein Roman von Nic Pizzolatto, dem Drehbuchautor der HBO-Serie True Detective, die ich sehr toll finde. Das Buch ist sehr gut, aber mega düster und beklemmend. Deswegen habe ich es erstmal zur Seite gelegt. Ich muss erst wieder in Stimmung sein. Ansonsten lese ich unheimlich viel online. Am liebsten Artikel der NY Times. Ich koche auch deren Rezepte nach. Ich liebe diese Zeitung einfach.

5) Gibt es Bücher, die du mehr als einmal gelesen hast? Welche?
Ja, Fight-Club habe ich zwei Mal gelesen. Ich habe eine handsignierte Ausgabe und bin großer Fan von Chuck Palahniuk. Auch, wenn ich einige seiner Werke nicht weiter lesen konnte, weil sie so verstörend waren. Scheint bei mir Methode zu haben.

6) Gehst du lieber ins Theater oder ins Kino?
Ganz ehrlich? Ich sitze am liebsten auf dem Sofa und schaue Serien bei Netflix und Co.. Serien wie Mad Men, Breaking Bad oder auch wie The Affair oder Bloodline sind wie zwölf Stunden lange Arthouse-Filme. Besser wird es nicht. Deswegen wird an Leuten wie mir die Kino-Industrie wohl zugrunde gehen.

7) Was hast du dir zuletzt im Theater oder im Kino angesehen?
Das ist noch gar nicht so lange her. Der Film hieß „Der große Trip – Wild“ mit Reese Witherspoon und handelt von einer Frau, die sich auf eine lange Wanderung begibt. Ich habe das Buch vorher gelesen und war begeistert.

8) Wie stehst du zur Kunst?
Gut;) Ich kann zumindest Rothko von Monet unterscheiden. Mit Kind geht man nicht mehr so häufig in die großen Ausstellungen. Als ich mal in Paris war, habe ich einen ganzen Tag im Louvre verbracht, obwohl das Wetter fantastisch war und ich nur zwei Tage in der Stadt hatte. Es war herrlich.

9) Hast du ein Lieblingszitat? Welches?
„Today, the weather is awesome“. Das hat mir Chuck Palahniuk auf die zweite Seite von „Fight Club“ geschrieben und ich weiß bis heute nicht, ob er mich einfach nur verarschen wollte damit. Aber ich mag so einen Humor.

10) Hattest du schon mal eine gruselige Begebenheit? 
Zählt die Geburt? Scherz beiseite. Ich hatte schon mal so einen Moment, in dem jemand von einer verstorbenen Person erzählt hat und abrupt die Kerze auf dem Tisch ausgegangen ist. Das fand ich spooky. Dafür gibt es aber sicherlich eine gute Erklärung. Zum Beispiel Wind;)

11) Gibt es einen Traum, den du unbedingt verwirklichen möchtest? Verrätst du ihn mir?
Einen hab ich mir in diesem Jahr verwirklicht: Ich habe den Sänger meiner Lieblingsband getroffen. Aber es gibt noch einen weiteren großen Traum, den erzähle ich nicht. Sonst klappt es nicht. Außerdem ist der ein bisschen naiv und peinlich.

Ich nominieren hiermit folgende Blogs für den Liebster-Award:
Mama geht online
Mutterseelesonnig
Frau Rabe
Lächeln und Winken
Wundermädchen

Das sind meine Fragen:

  1. Welche Serie beschreibt deinen Alltag am besten?
  2. Bier oder Prosecco?
  3. Erstes Reiseziel mit Kind?
  4. Letztes Reiseziel ohne Kind?
  5. Das coolste am Muddi-Sein?
  6. Der schlimmste Tag als Muddi?
  7. Was bedeutet Vereinbarkeit für dich?
  8. Hattest du schon Regretting-Motherhood-Momente?
  9. Welche Musik läuft an einem guten Tag?
  10. Was liest du bei anderen Blogs am liebsten?
  11. Was machst du an einem freien Tag ohne Kind?

Und hier nochmal die Liebster-Award-Regeln

Danke der Person, die dich für den Liebster-Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in deinem Artikel.
Beantworte alle 11 Fragen, die dir der Blogger stellt, der dich nominiert hat.
Nominiere 5 – 11 weitere Blogger für den Liebster-Award.
Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
Schreibe diese Regeln in deinen Artikel über den Liebster-Award.
Informiere die von dir nominierten Blogger über deinen Artikel.

Ich freue mich, wenn ihr mitmacht und bin super gespannt auf eure Antworten!

Mommy Wars: Das Märchen von den Muddi-Kriegen

Ich habe mir Muddis früher oft als nervige Zeigefinger schwingende Öko-Frauen mir praktischen Kurzhaarfrisuren und Fair-Trade-Outdoor-Jacken vorgestellt. Ich weiß nicht warum. Ähm. Doch. Eigentlich weiß ich warum. Denn bis auf die kurzen Haare ist es das Bild einer langjährigen ultra nervigen Nachbarin, was ich mit mir herumtrug, wenn ich an Mütter dachte. Diese Frau redet nur über ihre Kinder. In einer Tonlage, die in den Ohren weh tut und suggeriert, sie trage das Leiden Jesu auf ihren Schultern. Dabei lässt sie gerne durchblicken, was sie von Schnullern und Langzeitstillen hält. Außerdem hasst sie Halloween. Mit ihren Kindern redet sie nur in einem oberlehrerhaften Ermahnton. Bizarr ist, dass ich nur Muddis in meinem Freundeskreis habe, die gar nicht so sind. Eigentlich kenne ich bis auf diese eine Nachbarin gar niemanden, der so ist. Aber negative Beispiele setzen sich ja oft fest.

Heute weiß ich: es liegt nicht am Muddi-Sein, dass jemand doof oder schlichtweg unsympathisch ist. Es liegt einfach an den Personen selbst. Biste vorher doof, dann bist du es hinterher wohl auch. Es sei denn jemand hat buddhistische Erleuchtung erlangt oder ähnliches. Man sagt ja immer, dass Kinder das Gute in einem zum Vorschein bringen. Somit sind doofe Muddis wahrscheinlich vorher noch ätzender gewesen. Das ist aber nur meine Theorie.

In der Blogger-Szene hört man immer wieder den Begriff Mommy Wars. Wer sich darunter kriegerische Frauen vorstellt, die mit Kochlöffeln aufeinander los gehen, liegt falsch. Gemeint sind diese kleinen Kriege im Alltag, wenn man auf dem Spielplatz doof angeguckt wird, weil man keine zig Snackboxen mit frischem Obst dabei hat. Wenn man einen doofen Spruch in der Krabbelgruppe kriegt, weil man vielleicht nicht stillt oder, wenn man Hasskommentare auf dem Blog bekommt, weil man kritisch über das Familienbett, Kitaeingewöhnung oder Kindertragen schreibt. Oder wenn Mütter, die Zuhause bleiben über berufstätige Muddis urteilen und umgekehrt. Es gibt sicherlich 1000 Beispiele dafür. Im Netz wird immer wieder darüber diskutiert.

Ich selbst finde den Begriff dämlich und irgendwie sogar sexistisch. Mommy Wars. Was soll das heißen? Es gibt eben Situationen, in denen Menschen andere Ansichten über Erziehung, Ernährung und generell über Kinder haben. Darüber wird eben diskutiert. Im Netz oft heftiger, weil irgendwie anonymer. Im echten Leben meist etwas dezenter. Klar gibt es Sprüche. Aber was hat das mit Müttern zu tun? Wenn sich Väter über solche Dinge streiten, heißt es ja auch nicht Daddy-Wars. Oder wenn Männer sich in Fußball-Foren verbal kloppen. Sind das dann Male-Soccer-Fan-Wars? Tun Frauen das nicht?

Achtung! Wichtiger Warnhinweis: Bitte nicht wegklicken – es folgt keine Feminismus-Debatte.

Immer, wenn ein Thema emotional besetzt ist – und das sind die eigenen Kinder nun mal – dann gibt es eben manchmal Kontroversen. Und es gibt eben ätzende Leute, die nie ihren Schnabel halten können und immer eine Meinung haben. Zu allem. Das sind aber nicht immer zwangsläufig Mütter.

Habe ich hitzige Diskussionen über Familienthemen erlebt? Ja! Habe ich Mommy Wars erlebt? Nein! Meine Erfahrungen mit anderen Menschen sind ehrlich gesagt, seitdem ich ein Kind habe, viel positiver geworden. (Bis auf die Truppe beim Babyschwimmen). Überraschenderweise habe ich doofe Sprüche weder in der Krabbelgruppe noch auf dem Spielplatz oder beim Elternabend in der Kita erlebt. Doofe Leute habe ich trotzdem immer mal wieder getroffen. Aber hätte ich ja ohne Kind auch. Und online gibt es eine Menge nette Muddis, aber eben auch doofe Blogger. So what?!

Mein düsterer Begleiter: Das schlechte Gewissen einer Muddi

Es schleicht sich an. Es nistet sich ein. Es macht es sich gemütlich in deinem Kopf. Es klopft immer mal wieder an. Es kommt gerne nachts vorbei. Manchmal flüstert es ganz leise und subtil. Und dann schreit es dich förmlich an. Es ist schwer, es wieder los zu werden. Ist es erst einmal da. Das schlechte Gewissen ist eine Bitch. Ist es an Frauen-Ding? Ist es ein Muddi-Ding? Kommt es automatisch, sobald man ein Kind hat? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass es jetzt mit Kind häufiger anklopft.

Eigentlich fing es schon in der Schwangerschaft an. Dann, wenn ich mal ganz crazy sein wollte, und mir einen zweiten Kaffee mit Koffein gegönnt habe. Oder dann, wenn ich beim Autofahren plötzlich auf den Tacho geguckt habe, um festzustellen, dass ich viel zu schnell unterwegs war.

Und dann war das Kind da. Und das schlechte Gewissen wurde ein ständiger Begleiter. Mache ich alles richtig? Ist es o.k, nach acht Monaten Premilch zu füttern? Darf ich mein Kind ein Wochenende alleine bei Papa lassen? Ist es o.k., wenn heute mal die Oma den ganzen Tag auf das Kind aufgepasst?

Mit dem Kita-Start bekam das schlechte Gewissen noch mal eine ganz neue Bedeutung. Es fing schon während der Eingewöhnung an. Die Kleine fand die Kita super. Ich hatte meine Probleme mit dem Loslassen. Das schlechte Gewissen nistete sich ein. Die Fragen kamen: Ist es in Ordnung, sein Kind mit 18 Monaten in die Kita zu geben? Kann es Schaden anrichten, wenn ich nicht immer bei ihr bin? Klar wusste ich, dass viele Bedenken unbegründet sind. Rein jobtechnisch war es sowieso notwendig, sie betreuen zu lassen. Außerdem liebt sie das Spiel mit anderen Kindern und wir wussten, dass es ihr die Kita gefallen würde. So ist es ja auch. Dennoch. Habe ich mal einen Vormittag frei, dann frage ich mich ob es o. k. ist, dass sie nicht bei mir ist.

Das schlechte Gewissen nervt mich. Aber das soll es wahrscheinlich auch. Das ist sicherlich der Job vom schlechten Gewissen. Umso weniger kann ich es dann noch gebrauchen, wenn mir Andere auch noch ein schlechtes Gewissen einreden wollen. So wie letztens. Ich hatte einen Wochenendtrip mit meinen Freundinnen unternommen. In der Woche darauf ließen die Erzieherinnen in der Kita immer mal wieder einen Kommentar dazu ab. „Die Kleine muss erst einmal das Wochenende verarbeiten.“ Oder: „Beständigkeit ist jetzt ganz wichtig, denn sie vermisst dich schon sehr.“

Ich habe verstanden. Muddis müssen einfach immer beim Kind bleiben. Über den Wochenendtrip meines Mannes haben die Erzieherinnen übrigens kein Wort verloren. Aber vielleicht sehe ich das alles auch zu eng. Vielleicht meinen sie es auch gar nicht so und es ist mein eigenes schlechtes Gewissen, was etwas in die Worte hinein interpretiert. Puh, das wird ja jetzt richtig tiefenpsychologisch hier. Und eine Emo-Bloggerin will ich nun wirklich nicht werden. Also nehm ich den Kampf auf.

An dich, liebes schlechte Gewissen: Du kannst dich warm anziehen, Bitch!

Muddi am Ende? Ich hab da mal ne Blogade!

Ich stecke in einem Dilemma. Ich kann zurzeit nicht über Mami-Papi-Eltern-Kind-Themen schreiben. Nicht, weil ich keine Themen hätte. Nicht, weil es nichts zu berichten gibt (ganz im Gegenteil!). Nein, weil ich nicht kann. Ich habe keine Blockade, sondern eine Blogade. Ich kann nicht bloggen. Zurzeit habe ich das Gefühl, dass alles, was ich jetzt hier schreibe, trivial und unwichtig ist. Nicht, weil ich denke, dass ich triviale und unwichtige Dinge schreibe, sondern, weil ich gerade Bilder und Geschichten im Kopf habe, die alles andere so trivial und unwichtig erscheinen lassen.

Ich möchte zurzeit einfach nur meine kleine süße Tochter im Arm halten, mit ihr Zeit verbringen, ihr Lachen hören und ihre kleinen Händchen halten und sie fest an mich drücken. Dankbar sein. Dafür, dass meine ‚Probleme‘ in Relation so trivial und unwichtig sind.

Ich weiß, das klingt unfassbar cheesy, aber es ist einfach so. Vielleicht ist die Blogade ja schon nächste Woche wieder abgeklungen. Wünscht meinem Blog gute Besserung und wenn ihr Wüstengras vorbei fliegen seht, dann denkt euch nix dabei! Die alten Artikel kann man auch ein zweites Mal lesen. Viele Beiträge entfalten sogar erst bei der dritten Lektüre ihre wahre Schönheit und Tiefe😬!

Liebe Grüße

Muddi!

Kita-Eingewöhnung: Und jetzt heule ich doch…

Jetzt ist es doch passiert: Ich sitze auf dem Dachboden der Kita und kann mir ein paar heimliche Tränchen nicht verdrücken. Heute ist der dritte Tag der Eingewöhnung und unsere kleine Möhre macht sich so gut, dass wir es heute erstmals mit einer räumlichen Trennung gewagt haben. Deshalb sitze ich jetzt auf dem Dachboden. Mit einem kalten Kaffee und einer Flasche Wasser. Und Pipi in den Augen.

Warum kann ich gar nicht sagen. Alles läuft super. Gestern Abend noch hatte ich bei meinem Mann getönt, wie erstaunt ich über mich selbst bin, dass ich das Ganze emotional doch sehr gut wegstecke und es mich gar nicht stört, dass nun eine neue Phase in Minis Leben beginnt. Gestern noch hat mich die Erzieherin gelobt, dass ich außergewöhnlich gut damit klar kommen würde, mich zurückzuhalten. Sie sagte, die meisten Mütter könnten das nicht so gut. Ich könne stolz auf mich sein, dass ich meiner Tochter so leicht mache und unsere Bindung offensichtlich so stark sei. Ich war, ehrlich gesagt, erstaunt über mich selbst.

Jetzt höre ich ein zartes „Mama“ von unten und es zerreißt mich innerlich. Nicht direkt hinzurennen, fällt schwer. Gestern war ich noch so cool. Jetzt fühle ich mich nicht mehr so gut. Hormone? Es können nur irgendwelche Hormone sein. Vielleicht auch nicht. Vielleicht kann es auch noch so gut laufen – am Ende des Tages holen einen die Emotionen eben doch ein. Unser Baby ist ein Kita-Kind. Unsere Kleine wird groß. Und das Muttertier weint. Wahrscheinlich der normalste Vorgang auf der Welt. Die Erzieherin wartet bestimmt nur auf den Moment. Weil bestimmt jede Mutter während der Eingewöhnung mal an diesem Punkt ist.

„In Wahrheit will er ganz normal sein“ – Interview mit der Mutter eines Asperger-Kindes

Erst kürzlich outete sie sich als „Arschlochmutter„: Die Bloggerin von Muttis Nähkästchen ist für offene Worte. Denn als Mutter eines Asperger-Kindes, hat sie mit vielen Vorurteilen und Problemen zu kämpfen. Sie will aber nicht länger als Mutter eines vermeintlichen Arschlochkindes abgestempelt werden. Und sie möchte, dass die Welt da draußen weiß, dass nicht alle Kinder, die sich auffällig verhalten, dies tun, weil sie unfähige Eltern haben. Über das Leben mit einem Asperger-Kind und viele andere Themen schreibt sie seit Jahre erfolgreich auf ihrem Blog. Da sie mit ihrem Text auch auf meinen Artikel zum Thema „Arschlochkinder“ reagiert hat und ich sofort von ihrer entwaffnenden Ehrlichkeit begeistert war, musste ich unbedingt ein Interview zum Thema mit der Frau hinter Muttis Nähkästchen führen und ich habe nun eine komplett andere Perspektive kennen gelernt.

Hier das Interview:

Erzähl kurz was über dich:
Ich bin 39 Jahre alt, Mutter von zwei Jungs (werden in Kürze 7 und 10 Jahre alt). Seit fast 10 Jahren bin ich als Mutter im permanenten Lernprozess, ich wachse mit meinen Kindern. Ich schaue in zwei kleine Spiegel und erkenne auch viel von mir selbst darin. Seit über 6 Jahren begleite ich diesen Wachstumsprozess auch mit meinem Blog.

Wann und woran hast du gemerkt, dass dein Sohn anders ist?
Schon sehr früh. Allerdings war es anfangs eher praktisch: Wenn andere Mütter z.B. ihren krabbelnden Kindern im Freibad ständig hinterher laufen mussten, verließ mein Kind nie die „heimische Decke“. Außerdem konnte er sehr früh perfekt sprechen und kannte mit 1,5 Jahren alle Buchstaben und Automarken. Er ist mein erstes Kind – da hatte ich kaum Vergleichsmöglichkeiten.

Wie lange hat es gedauert, bis du wirklich sicher warst, dass es nicht nur ein vorübergehendes Verhalten ist?
Hm, keine Ahnung. Im Kindergargten hieß es immer: Gib ihm Zeit, das wächst sich aus. Tat es aber nicht … Er eckte in jeder Gruppensituation an: verweigerte viel und fiel durch seltsames, störendes Gehabe auf. Auf ihn einreden nutzte nix – eher im Gegenteil. Dabei ist er doch so blitzgescheit … Der Hilferuf der Schule kam beim ersten Elternsprechtag. Von da an begann die gemeinsame Suche. Erst wurde er auf Hochbegabung getestet. Aber alle Bemühungen in diese Richtung (Enrichment, schwierigere Aufgaben etc.) liefen ins Leere.

Wann kam die Diagnose?
Spät. Erst mit fast 9 Jahren. Wir waren lange auf der Suche, haben nie verstanden warum sich unser Kind so verhält. Viele Selbstzweifel waren da mit dabei: Warum? Warum? Was haben wir bloß falsch gemacht? Mehr durch Zufall sind wir bei der richtigen Diagnose gelandet. Die späte Diagnose ist typisch für Asperger-Kinder, weil sie meist durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent sind und daher viel durch ihre Intelligenz „überspielen“ können.

Wie habt ihr das Thema in der Familie kommuniziert/wie geht ihr als Familie damit um?
Es war eine wahre Erleichterung. Ich hab mir sofort alle möglichen Bücher zum Thema gekrallt und überall fand ich mein Kind perfekt beschrieben. Zum ersten Mal konnte ich ihn verstehen. Zum ersten Mal konnte ich ihn ohne Einschränkung so akzeptieren wie er eben ist. Und das ist ein wichtiger Schritt, der uns viel näher gebracht hat und auch alle weiteren Schritte erst möglich gemacht hat.

Wie nimmt dein Sohn das wahr?
Mein Sohn blockt das Thema ab. Er will davon gar nix wissen. In Wahrheit will er ja ganz normal sein. Aber er braucht Hilfe dabei.

Was muss man im Alltag mit einem Asperger-Kind beachten?
Klarheit – sehr viel Klarheit. Strukturen. Und Berechenbarkeit. Bloß keine Überraschungen. Und immer wieder müssen wie ihm erklären, warum er zur Schule gehen und dort auch mitmachen muss.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Wir machen mit ihm Einzel- und Gruppentherapie mit speziell ausgebildeten Psychologinnen. Organisiert wurde das über eine Eltern-Selbsthilfegruppe, denn sonst gibt es fast nichts. Bezahlen müssen zu 100 Prozent die Eltern … obwohl es sich um international erprobte und anerkannte Methoden handelt, bleibt alles an den Eltern hängen. Außerdem haben wir erstaunliche Erfolge mit Homoöpathie gemacht. Es war einer dieser Grashalme, nach denen man in höchster Not und in der tiefsten Krise greift. Und die Wirkung war MIND-BLOWING! Ich weiß, das glaubt uns kaum wer … aber es war so.

Bedeutet die Diagnose große Einschränkungen für dein Kind?
Nein, ganz im Gegenteil. Durch die Diagnose hatte auch die Schule bessere Handhabe, ihm Nachteilsausgleiche und Nachsicht zu gewähren. Auch die Schule hat sich Hilfe geholt – und wirklich gute Beratung bekommen. Wir alle haben uns Hilfe geholt – und bekommen. Aber man muss sich darum bemühen, vieles selbst organisieren, dann geht’s.

Habt ihr Angst vor der Zukunft?
Ja und nein. Die nächste Herausforderung ist, eine weiterführende Schule zu finden, die ihn wohlwollend so nimmt, wie er eben ist. Ansonsten hat er eine sehr gute Prognose, weil er ja überdurchschnittlich intelligent ist.

Ich habe den gesamten Prozess auf meinem Blog begleitet – vielleicht hilft es den einen oder anderen, damit sie nicht so lange auf die richtige Diagnose warten müssen wie wir. Unter dem Tag http://muttis-blog.net/tag/asperger/ sind sämtliche Beiträge dazu zu finden, z.B.:

Woran man ein Kind mit Asperger-Syndrom erkennt

Ein Asperger-Kind erziehen und begleiten

Krisenbewältigung in der Schule – Ein Erfahrungsbericht

Hilfreiche Bücher für Asperger-Eltern

Gibt es Arschlochkinder wirklich?

Kinder sind für mich unschuldige und reine Wesen, die als Babys gut riechen und die einen (abgesehen von Schlafmangel und Co.) tierisch glücklich machen. Gut, später riechen Kinder nicht mehr so gut und haben immer irgendwas im Gesicht kleben, aber das tut hier nichts zur Sache. Sie sind gut. Unverdorben. Kinder können nicht schlecht sein. Sie können nicht böse sein. Egal, wie viele Horrorfilme man geguckt hat. In der Realität sind sie einfach erst einmal gut. Erst einmal. Aber wann fängt das an, dass sie das vielleicht nicht mehr sind? Ich bin mir unschlüssig. Vielleicht auch naiv. Das Wort ‚Arschlochkind‘ fand ich immer irgendwie amüsant. Meist aber eher in einem sarkastischen und überspitzten Kontext. Ansonsten fand ich den Ausdruck eher fies.

Nun bin ich kürzlich mit meiner Familie in eine Situation geraten, die mich an meiner Grundthese zweifeln lässt. Auf einem Sommerfest spielte unsere Tochter (15 Monate alt) selig mit XXL-Duplosteinen. Ein großer Spaß, bei dem Oma, Papa und Mama halfen, riesige Türme zu bauen. Drei Jungs neben uns bauten eine Festung mit den Steinen. Eine Weile koexistierten wir und einige andere Kinder alle friedlich nebeneinander. Doch dann gingen dem Trio die Steine aus. Und von da an lief irgendetwas schief.

Survival of the biggest. Denn die großen Jungs, die so zwischen 6 und 8 Jahre alt waren, fingen nun an, systematisch den anderen Kindern die Steine zu klauen. Erst noch subtil. Wir lachten darüber, wie sie sich anschlichen und Steine stibitzten. Dann wehrten sich erste Kinder. Erst verbal. Dann wurde das Trio handgreiflich. Ich ermahnte einen der Jungs, der Justin hieß und sich irgendwann Zähne fletschend auf einen kleinen Jungen stürzte. Keine Reaktion.

Und plötzlich wurde unsere Tochter zum Ziel. Sie wuselten wild um sie herum, zerstörten ihren Turm, klauten Steine, traten ihr dabei fast auf ihre kleine Beinchen, rempelten sie an. Unsere kleine, süße, unschuldige Tochter saß nun perplex da, umringt von diesen Aggro-Kindern und verstand die Welt nicht mehr. Wut kroch in mir hoch. In meinem Mann sah ich es ebenfalls brodeln und Oma fing plötzlich an, die Steine zu verteidigen und den Jungs wieder abzunehmen, hinter ihnen zu rennen. Jeder Versuch, die Jungs in ruhigem Ton zur Raison zu bringen, scheiterte. Sie wurden immer aggressiver. Wir innerlich auch. Puh, wie schwierig es ist, cool zu bleiben, wenn man beobachtet, wie das eigene Kind geärgert wird.

Die Eltern des Terror-Trios waren nicht in Sicht. Justin rastete schließlich aus. Schlug um sich. Schimpfte. Kloppte sich mit den anderen Jungs. Unsere Tochter hatten wir zu dem Zeitpunkt in Sicherheit gebracht. Sie tat mir Leid. Und: Ich war erschrocken darüber, wie aggressiv Kinder in dem Alter schon sein können. Und: wie wenig Respekt sie vor Erwachsenen hatten. Wir überließen ihnen das Feld. Ein Kriegsschauplatz in Miniaturformat. Zum Abschied ließ Oma trotzig einen ihrer Festungstürme zusammenstürzen. Es war albern und vieleicht auch pädagogisch wenig wertvoll, aber ich war stolz auf sie. Die Jungs guckten uns mit zusammengekniffenen Augen nach. Justin sah sogar so aus, als müsste er gleich weinen. Ich schämte mich für den Anflug von Genugtuung, den ich verspürte. Dann hatte ich Angst, dass sie sich nun auf uns stürzen könnten. In diesem Moment dachte ich: „Das müssen wohl die sagenumwobenen Arschlochkinder gewesen sein. Es gibt sie doch!“ Und: sie tun mir unendlich Leid.