Schlaflos in Berlin: Das Ende eines Traumes

Da war ich also: Angekommen am Ziel meiner Träume. Naja vielmehr meiner schlaflosen Nächte. Zwei Jahre hatte ich mir dieses Szenario in meinem Kopf ausgemalt: Alleine im Hotel schlafen. Nur ich und ein Zimmer und Schlaf. Keine nächtliche Störung. Keine Schlafunterbrechung. Kein morgens um 5 oder 6 Uhr aufstehen müssen, weil die Nacht eben zuende ist. Egal welcher Wochentag ist. Ja, ich hatte seit zwei Jahren diesen Traum vom Schlaf. Unberührter purer Schlaf. Wie ein Baby. Nur ohne Baby.

Und dann war es endlich soweit. Dienstreise nach Berlin. Alleine. Ohne Kollegen. Ein Seminar im Herzen Berlins. Zwei Nächte im Hotel. Yess! Das Seminarhotel sah online gut aus. Hatte sogar einen Wellnessbereich. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Doch Träume sind in der Realität meist eben doch nicht so geil. Liegt in der Natur der Sache. Belege dafür gibt es viele. Nehmen wir beispielsweise den süßen Typen, den ich mit 15 im Zeltlager in Griechenland hardcore angehimmelt habe. Als ich ihn zwei Jahre später auf einer Party wieder traf und er mich so dermaßen platt und doof besoffen anbaggerte, dachte ich: was für ein arroganter Arsch. In meinem Kopf hatte sich das Wiedersehen anders abgespielt. Er war weniger hohl. Und weniger besoffen. Ähnlich war es mit meinem Praktikum bei einem Privatsender. Was war ich aus dem Häuschen dort arbeiten zu dürfen. Die ganzen Moderatoren und Promis treffen zu können. Bei den ganz großen Nachrichtenredakteuren über die Schulter gucken. In meiner Vorstellung war ich schon die nächste Antonia Rados. Der Blick in die Kulissen war dann so ernüchternd und anwiedernd, dass ich danach alles wollte, nur niemals zum Fernsehen.

Zwar nicht ganz so dramatsich, aber ähnlich disillusionierend war dann auch meine Reise nach Berlin. Es fing damit an, dass die Sekretärin die Buchung verschwitzt hat, das Seminarhotel dann ausgebucht war und ich auf ein Hotel in der Nähe ausweichen musste. Weniger Sterne. Weniger – sprich: gar kein Wellness. Weniger Schlaf. Denn das neue Hotel, welches in einem schicken DDR-Plattenbau beherbergt war, lag direkt im Kreuzungsbereich einer sechsspurigen Straße inklusive diverser Straßenbahn- und Bushaltestellen – vor meinem Fenster im zweiten Stock. Doppelverglasung? Nope! Ja, genau. Es war laut. In der ersten Nacht wachte ich circa vier Mal auf. Jedes Mal, wenn die Feuerwehr ausrücken musste und das Martinshorn an besagter Kreuzung angeschaltet wurde. Ja ick wes. Großstadt und so. Aber trotzdem! In der zweiten Nacht konnte ich erst gar nicht einschlafen, denn die Luft war so scheiße trocken, dass ich Hustenattacken bekam (ich bin eben alt) und immer wenn ich das Fenster aufmachte für Frischluft, hatte ich das Gefühl, an der Autobahn zu wohnen. Arme Fernfahrer. Wie schläft man eigentlich auf einem Rastplatz?

Im Nachhinein fühlt ich mich nach zwei Nächten im Hotel geräderter als zuvor. Dazu kommt noch, dass ich am ersten Abend eine Migräneattacke (habe ich zwei Mal alle fünf Jahre) bekam und ich mich übergeben musste. Das leckere Essen, welches ich vorher ganz weltmännisch in einem vietnamesischen Streetfood-Laden auf dem Prenzlauer Berg zu mir genommen hatte, landete somit schneller als erwartet in der Toilettenschüssel. Nein, ich kann darüber noch nicht lachen. Morgen vielleicht.

Das Schicksal wollte mir wohl eine Lektion erteilen. Oder Murphy. Oder Gott. Vielleicht: Träume sind Schäume. Vielleicht aber auch: Freu dich über das was du hast. Denn keine Nacht alleine im Hotel kann besser sein, als seine kleine schmusige Tochter im Arm zu halten, ihren Atmen zu spüren und ihre kleinen Hände zu streicheln. Ja, es ist nervig, wenn sie um 3 Uhr wach wird und bis 5 Uhr nicht wieder in den Schlaf findet. Doch es gab in den vergangenen 24 Monaten immer wieder Momente in diesen Nächten da war ich glücklicher als jemals zu vor. Da macht das Herz einen Satz. Und dann kann ich einfach nicht Schlafen. Aber dann ist es vor Glück. Besser wird es nicht.

What a week! Die Muddi-Geburtstags-Woche ist vorbei!

Puh! Es ist vollbracht! Ich hatte mir diese Challenge selbst auferlegt: Eine Woche lang jeden Tag ein Beitrag veröffentlichen! Anlass war mein erster Bloggeburtstag am 31. März. Natürlich hatte ich viele Artikel vorher geplant und geschrieben. Es hat auch riesig Spaß gemacht, die Aktionswoche zu planen und durchzuziehen. Dennoch: Acht Artikel in einer Woche ist viel und anstrengend. Vor allem, wenn man das alles nach der Arbeit und mit Kind wuppen muss. Ich habe die Artikel und Antworten oft zwischen 20 und 23 Uhr geschrieben, wenn meine Tochter im Bett war.

Aber die Reaktionen waren der Hammer! Danke! So viele Klicks, Likes, Kommentare und Mails in einer Woche! Toll!

Dennoch wird es Muddi nun wieder etwas relaxter angehen. Aber vielleicht nicht ganz so relaxt, wie vorher. So ein Mittelding. Ich hab schon wieder einige Ideen für Texte im Kopf. Es geht somit weiter!

Übrigens: die Verlosung und die Blogparade laufen noch! Also Mitmachen!

Eure müde Muddi!

Verlosung: Gewinnt einen Fußsack von Dragonfly fürs Baby!

Gewinne, Gewinne, Gewinne: Babys, Baggys, Sensationen! Wie angekündigt gibt es einige Premieren und Überraschungen während der „Muddi-Bloggeburtstag-Aktionswoche“! Deswegen gibt es heute zum allerersten Mal ever eine Verlosung bei mir! Trommelwirbel!

Da ich hinter diesem Produkt auch wirklich stehe, habe ich auch kein Problem damit, hier mal ein bisschen die Werbetrommel zu rühren. Denn Dragonfly ist ein kleines feines Label aus Düsseldorf und die Gründerin kenne ich persönlich. Designerin Stefanie hat den ersten Fußsack in ihrer Elternzeit für ihre eigene Tochter genäht, weil sie damals nichts vergleichbares gefunden hat. Nachdem der Babybaggy dann so gut im Bekanntenkreis ankam,  ging der Fußsack in Serie und das Label Dragonfly war geboren. Ich selbst habe zwei dieser Babybaggys und kann sie deswegen guten Gewissens empfehlen und verlosen!

Die Fußsäcke sind geeignet für alle gängigen Babywippen und Baby-Schalen (Maxi Cosi, Cybex etc.). Sie sind generell für alle 3-Punkt-Gurtsysteme geeignet und können auch einfach im Kinderwagen in der Babyschale genutzt werden. Der Fußsack ist schön kuschelig warm, aber nicht zu dick und somit auch jetzt für die Übergangszeit super geeignet, um das Baby unterwegs im Auto oder Kinderwagen warm zu halten.

Update: Verlost werden nun zwei neue Babybaggys in eurer Wunschfarbe (grau, blau oder schwarz). Dragonfly hat noch einen Babybaggy drauf gelegt! 


Mitmachen – So geht’s:

  1. Hinterlasse einen Kommentar hier oder bei Facebook unter dem Artikel!
  2. Oder: Werde Facebook-Fan von Muddi!
  3. Mache einfach beides und verdopple deine Gewinnchancen!
Namen und eine Kontakt-Möglichkeit zur Benachrichtigung nicht vergessen!
Die Gewinner werden am 05.Mai gezogen! Also schnell mitmachen!

Viel Glück!


* Achtung: Beitrag kann Spuren von Werbung in Form von Produktinformationen enthalten, da es sich um eine Verlosung handelt.

 

 

 

Follow my blog with Bloglovin

Regretting Bloggerhood? Warum ich das Bloggen manchmal fast bereue…

Ich blogge. Ich teile mit. Ich schreibe über Gefühle. Über Situationen. Über mein Leben. Über mein Kind. Ganz öffentlich – auch, wenn ich mein Gesicht nicht richtig zeige, mein vollständiger Name hinter einem Synonym steckt und ich Fotos von meiner Tochter nicht mit der Welt da draußen teilen möchte. Dennoch bin ich mit meinen Artikeln und somit auch meinen Gefühlen und Ängsten da draußen. Angreifbar und verletzlich.

Ein Jahr hat es gedauert, bis ich meinen Blog tatsächlich online gestellt habe. Ich haderte lange mit mir: Will ich als Bloggerin in die Öffentlichkeit mit persönlichen Texten? Will ich, dass Freunde, Familie, Arbeitskollegen mitlesen? Kann ich mit Anfeindungen umgehen? Könnte ich einen Shitstorm aushalten? Wie viel will ich von meiner Familie und unserem Alltag preisgeben?

Als Journalistin bin ich es gewohnt, Texte zu veröffentlichen. Mein voller Name war schon oft da draußen. Aber in einem anderen Kontext. Wenn ich über eine Spendenaktion für Flüchtlinge schreibe, dann hab ich eine Redaktion – eine ganze Zeitung im Rücken. Wenn ich als Bloggerin im Netz über meine Gefühle schreibe, dann habe ich eher die Angst im Nacken und keinen doppelten Boden. Doch genau von dieser „Angst“ will ich mich nicht leiten lassen, denn dann kann ich auch gleich aufhören. Bloggen ist für mich die Möglichkeit, offen und ohne Schere im Kopf zu schreiben. Sarkastisch und lustig – gefühlvoll und traurig oder einfach böse und bissig. Ohne Vorgaben. Einfach schreiben. Deshalb blogge ich. Deshalb bin ich online gegangen.

Doch an manchen Tagen merke ich, dass die Schere im Kopf nicht ganz weg ist. Dass ich mich selbst zensiere, weil ich Angst habe, ich könnte Menschen aus meinem Umfeld, die mitlesen vor den Kopf zu stoßen. Weil ich eine andere Meinung zum Thema Erziehung habe oder weil mich etwas total aufregt und ich dann merke, dass ich aber Leute kenne, die genau so handeln. Das hatte ich vorher nicht kommen sehen. Ich dachte: Ich blogge einfach munter drauf los und es tangiert mich nicht, ob mein Umfeld das liest oder nicht. Aus dem Grund habe ich auch nur ein paar Leuten aus meinem Freundeskreis überhaupt davon erzählt. Groß beworben habe ich meinen Blog in meinem Umfeld generell nicht. Auch das ist manchmal schwierig. Dann möchte ich einer Freundin unbedingt etwas darüber erzählen und die Mädels die dabei sind, wissen von dem Projekt gar nichts. Oder ich glaube, dass sie darüber nichts wissen. Eine Freundin von mir hat mal gesagt, dass sie das scheiße findet, wenn man Freunden darüber nichts sagt. Sie hat nämlich eine gute Freundin, die bloggt und ihr selbst nicht davon erzählt hat. Dennoch hat sie von dem Blog erfahren und liest mit. Das Problem: Sie kennt nun 1000 Details aus ihrem Leben, kann ihre Freundin aber „offiziell“ nicht darauf ansprechen. Sie fragt sich nun: „Warum teilt sie diesen Kram mit der Öffentlichkeit, aber nicht mit mir privat?“ Ich denke da ist was dran!

Arbeitskollegen finde ich übrigens auch schwierig. Ich darf einfach nicht zu lange darüber nachdenken, wer schon von meinem Blog weiß, sonst würde ich die Seite vielleicht doch recht schnell wieder „auf privat stellen“. Aber: Jeder Mensch hat ja ein Recht auf ein Privatleben und ein Hobby außerhalb der Arbeit. Dennoch ist es eben ein sehr transparentes Hobby. Aus diesem Grund habe ich die Party-Regel beim Schreiben: Poste nur das, was du nach ein bis zwei Gläschen Prosecco auch auf einer Party erzählen würdest und am nächsten Tag nicht bereust. Und da ich ein offener und kommunikativer Mensch bin, aber meist dennoch weiß, wann ich meinen Babbel halten sollte, funktioniert diese Regel für mich ganz gut.

Und bereue ich dann doch mal einen Text, dann kann ich diesen ja auch einfach wieder offline stellen – habe ich tatsächlich auch schon mal gemacht. Denn ja: Manchmal bereue ich es zu bloggen. Dann möchte ich das Ding am liebsten sofort dicht machen. Dann frage ich mich, ob ich das tun sollte. Doch ich denke, dass Zweifel normal sind. Wenn diese allerdings irgendwann doch mal zu groß werden, dann wird Muddi einpacken. Denn eines ist klar: Muddi will sich nicht zensieren. Muddi will aber auch keine Angst vor den Reaktionen Anderer haben. Dann macht dieser Blog nämlich keinen Sinn mehr.


Blogparade zu #regrettingbloggerhood – macht mit!

Wie sieht es bei euch aus? Bereut ihr manchmal Texte oder generell die Tatsache, dass ihr bloggt? Habt ihr Zweifel? Wie geht euer Umfeld damit um? Werdet ihr häufig angefeindet? Wolltet ihr schon mal das Handtuch werfen? Diese und andere Aspekte interessieren mich! Natürlich muss es nicht nur ums Bereuen gehen, sondern auch um Zweifel generell.

So geht’s: 
Wer mitmachen möchte, kann bis zum 5. Mai 2016 einen Beitrag zu dem Thema auf seinem Blog oder seiner Seite bei Facebook schreiben, verlinkt ihn dann auf diesen Artikel und reicht ihn entweder als Kommentar (siehe unten) oder per Mail ein. Ich werde alle teilnehmenden Blogs unter diesen Artikel auflisten und die Beiträge auf meiner Facebookseite sowie bei Twitter verlinken und teilen. Nach der Blogparade gibt es noch eine Zusammenfassung.

Es wäre übrigens toll, wenn ihr den Hashtag #regrettingbloggerhood verwendet.

Ich freue mich auf Eure Texte!


Hier die Beiträge:

1. „Die gläserne Mutter“ von Miriam (Blog: emilundida)

2. „Das Bloggen bereuen – Regretting Bloggerhood“ von Sarah (Blog: mamaskind)

3. „Was denken Ihre Kinder wohl eines Tages über diese Geschichten im Internet?“ von Alu (Blog: Grosse Köpfe)

4. „Warum ich manchmal nicht blogge“ von der Perlenmama (gleichnamiger Blog)

5. „Regretting Bloggerhood – Gewissensbisse und Selbstzensur“ von Anke (Blog: Mama geht online)

6. „Meine Schatzkiste voller Erinnerungen“ von Steffi (Blog: Kiwimama)

7. „Alt und neu“ von Kathrin (Blog: ÖkoHippieRabenmutter)

8. Die Schere im Kopf von Sabine (Blog: Fadenvogel)

9. „Was für mich oder warum ich blogge“ von Lisa (Blog: Mama kreativ)

10. Zeilen zwischen Zweifel und Zensur von Regine (Blog: Raise and Shine)

11. Welcome to my fabulous life von Anna (Blog: Never looked so beautiful)

12. Manchmal, aber nur manchmal… von Kerstin (Blog: 30 rockt!!!)

13. Blogparade: Regretting Bloggerhood von Ani (Blog: a83)

14. Liebesbrief an Claire von Yasmin (Blog: Die Rabenmutti)

15. Wenn nicht jetzt, wann dann? von Lisa (Blog: Geborgen und geliebt)

16. So schwierig ist das Bloggerleben von Ludwig (Blog: Becherwürfel)

17. Und wenn das jetzt die Und wenn das jetzt die Falschen lesen? Falschen lesen? von Larissa (Blog: No Robots Magazine)

18. Blogpause von Daddy Dahoam (Blog: Daddy Dahoam)

19. Zweifel zwischen Selbstdarstellung und Privatsphäre von Biene (Blog: Klitze-kleine Dinge)

20. Nach dem Bloggen: #regrettingbloggerhood? von Tobias (Blog: Weddinger Berg)

21. Ich blogge. Und ich liebe es! von Steffi (Blog: Mami und ich)

22. Vom Verlieren und Gewinnen von Marsha (Blog: Mutter und Söhnchen)

23. #regrettingbloggerhood? Nö! Eigentlich nicht! von Lorelai (Blog: Mama mal 2)

24. Ab und zu Zweifeln? JA. Aufgeben? Nööö. von Kerstin (Blog: Mamahoi)

25. Dabei sein trotz Entfernung von Nadine (Blog: OffshorePapaOnlineMama)

26. Nichts bereuen, ein Fitzel Scham von Juliane (Blog: The Voicing – Einfach nur sein)

27. Wie viel Öffentlichkeit ist OK? von Sophie (Blog: Kinder haben…und glücklich leben)

28. #regrettingbloggerhood – Auf keinen Fall! von Laura (Blog: Heute ist Musik)

29. Bloggst du noch oder bereust du schon? von Stefan (Blog: stefan-graf.com)

30. Wie gut bin ich wirklich? von Sabine (Blog: Daheim und mehr)

31. Ich bereue nicht – glaub ich von Andrea (Blog: Kinderalltag)

Von Catwalk-Mom bis Öko-Dad: Die wahren Helden der Spielplatz-Hölle

Kinder lieben Spielplätze. Das ist ein Naturgesetz. Somit verbringt man als Mutter oder eben auch als Vater viel Zeit auf dem sandigen Vorhof zur Hölle. Wobei meist nicht die Kinder das Problem sind, sondern die Eltern. Und weil ich so viele herrlich bizarre Dinge auf unseren Spielplatz-Touren beobachte und es irgendwie auch eine kleine Sozialstudie im Mikrokosmos ist, habe ich mal ein paar typische und total überzeichnete Elternarten beschrieben, die man auf fast allen Spielplätzen irgendwann mal antrifft. Alle diese Eltern-Typen habe ich tatsächlich schon mal gesehen. Und: Ja, dieser Text kann Spuren von Sakrasmus enthalten.

Die Snackbox-Königin
Sie trägt Softshell und kommt stets mit einem Doppelsitz-Radanhänger mit orangener Wackel-Fahne angefahren. In ihrer wasserabweisenden Radtasche, verbirgt sich ein Arsenal an Utensilien. Und eben Snackboxen. Um genauer zu sein: Bento-Boxen. Aus ihnen zaubert sie handgeschnitzte Gurken-Herzen oder geprikelte Apfelspalten. Natürlich bio. Auch an einem verregneten Herbsttag Mitte November hat sie 50er Sonnencreme parat. Schurwolle ist für sie nicht nur ein Material, sondern eine Lebenseinstellung. Mit Argusaugen beobachtet sie nicht nur ihre Kinder, sondern auch alle anderen inklusive Eltern. Fehlverhalten wird direkt geahndet. Meist mit hochgezogenen Augenbrauen. Schlimmster Feind: Raucher oder Muddis, die Nachrichten in ihr Handy tippen, während das Kind eine Sekunde unbeobachtet und eigenständig spielt. Ihr Lieblingssatz: ‚Warte bis du an der Reihe bist‘ oder ‚Nein, Gustav-Alexander, das gehört uns nicht. Gib dem Mädchen die Schippe wieder!‘

Die Business-Teilzeit-Daddys
Unter der Woche sitzen sie vollzeit im Büro. Doch am Wochenende ist ihre Zeit. Da stehen sie plötzlich mit Trinkfläschchen bewaffnet an Wippe, Rutsche oder Schaukel. Im lässigen Outdoor-Look jagen sie Ole-Gustav, Heinrich-August oder Sophia-Marlene durch den Sand. Pflügen mit ihrer guten Laune eine Schneise in die vornehmlich weibliche Spielplatz-Tristesse. Sie schaukeln mit ihren Kindern um die Wette und lassen die rostigen Scharniere ächtzen. Sie sind die wahren Spaßveteranen. Bei Muddi darf Yannik-Jasper schließlich nicht mit Sand werfen oder ein Eis vor dem Mittagessen vertilgen. Doch heute ist Daddy-Day! Clemens-Jakob droht vom Dach des Spielehäuschens zu stürzen? Kein Ding! Annabelle-Giselle hat Anton Sand ins Gesicht geworfen? No Problem! Wir wollen doch nicht gleich überreagieren! Hier und da ein kleiner Plausch unter Leidensgenossen mit dem Vater von Friedrich oder Paul. Zwischendurch schnell die Mails gecheckt auf der Parkbank, während Charlotte von der Spitze des Klettergerüst um Aufmerksamkeit buhlend winkt und ruft. Multitasking is alles! Sie verstehen den Hype um das Thema Kindererziehung und Vereinbarkeit nicht. Ist doch alles easy.

Die Catwalk-Mom
Bereits eine Woche nach der Entbindung trägt sie wieder Size 0. Mit Haarsausfall oder Wassereinlagerungen hatte sie nie zu kämpfen. Die erste Frage nach der Geburt lautete: ‚Wann darf ich wieder joggen?‘ Während die Otto-Normal-Muddi noch drei Monate nach der Entbindung aussieht wie eine Trümmerfrau, stolziert Catwalk-Mom perfekt geschniegelt und gestylt über den Spielplatz. Die Farbe ihres Outfits ist auf den Strampler ihres Sohnes und den Kinderwagen abgestimmt. Sie lässt alle anderen Menschen im Sandkasten alt und hässlich aussehen, während sie wie ein Victoria-Secret-Engel durch den Rindenmulch schwebt. Man will sie hassen, doch kann es nicht, weil sie zu nett und zu perfekt ist.

Der Öko-Dad
Er hasst Autos und hat bereits diverse Petitionen zur Ausweitung der 30-Zone auf den gesamten Stadtbereich auf den Weg gebracht. Er fährt Fahrrad. Aus Überzeugung. Mit Oberflächlichkeiten hält er sich nicht auf. Für andere Eltern interessiert er sich nicht sonderlich. Er redet generell nicht viel. Deswegen ist Small-Talk mit ihm die Hölle. Er weiß nur, dass er ein pädagogisches Konzept für seine Kinder hat. Alles andere interessiert ihn nicht. Er ist Lehrer. Physik und Sport. Seine Söhne Torben und Marvin können bereits mit zwei lesen und schreiben und können alle Elemente aufsagen – in alphabetischer Reihenfolge. Er greift in knifflige Situationen und Zankereien am Klettergerüst nicht ein. Daheim wird er aber alles nochmal analysieren und mit seinen Kindern lösungsorientiert durchgehen. Damit sie bessere Menschen werden. Und damit sie später einmal die globale Erwärmung aufhalten.

Die Kettenraucher-Mudda
Ihre Kids heißen wie Stars aus 90er-Jahre-US-Serien und auch ihr Outfit stammt aus dieser Zeit. Jogginghosen haben für sie keine direkte Verbindung zum Thema Sport. Sie raucht auch auf dem Spielplatz Kette und spielt gerne auf dem Handy Candy Crush, während Gerome und Dylan die Scheiße aus Justus-Hieronymus prügeln. Die Tasche unter dem Kinderwagen nutzt sie vorrangig zur Ablage von Leergut. Ihre Kinder laufen auch außerhalb von Karneval und Halloween öfter mal mit einem schwarz-weißen Skelett-Jogginganzug rum. Mudda findet das niedlich. Und: Ja, sie schnippt ihre Fluppe ab und an mal in den Sandkasten. Aber nur, wenn keiner guckt. Denn diese Yuppie-Eltern kriegen dann immer mega die Krise, wenn die dat sehen.

Der perfekte Sonntag in Bildern

Sonne, Kaffee, Zoo und Cupcakes. Und vielleicht ein Gläschen Prosecco auf dem Balkon. Der perfekte Sonntag sieht bei uns so aus:

IMG_1359.JPG

IMG_1129.JPG

IMG_1361.JPG

IMG_1371.JPG

IMG_1360.JPG

IMG_1364.JPG

IMG_1367.JPG

IMG_1365.JPG

IMG_0052.JPG

IMG_1368.JPG

IMG_1363.JPG

IMG_1370.JPG

Die beklopptesten Tipps für Schwangere

Wenn man zum ersten Mal schwanger ist, dann sind sie plötzlich alle da und stehen parat: Ratschläge. In your face! Ob man sie will oder nicht. Es gibt sicherlich viele gute Tipps für Bald-Muddis, aber es gibt auch viele bescheuerte Ratschläge. Hier meine Top-Ten:

1) Kauf dir ein Nachthemd zum Knöpfen für die Entbindung.
Ja, toller Hinweis. Ich stand hochschwanger kurz vor der Verzweifelung im Kaufhaus und habe Nachthemden zum Knöpfen gesucht. Ich habe sie nicht gefunden. Vielleicht stammen die auch aus einer anderen Zeit. Ich habe mir dann ein knielanges Longshirt gekauft. Aber auch das war überflüssig. Es ist einem nämlich mehr als latte, was man bei der Geburt anhat. Jeder in diesem Raum sieht eh alles zu jedem Zeitpunkt. Da ist es eher hinderlich ein zu langes Nachthemd anzuhaben. Und Knöpfe? Auf und zu? Haste keinen Bock drauf. Das Longshirt war außerdem zum Stillen völlig ungeeignet. Ich hab hinterher im Krankenhaus nur Tanktops getragen, weil es so warm war. Außerdem zieht man das Teil hinterher eh nie wieder an. Erinnerungen und so…

2) Soll man Brustwarzen nicht vorher abhärten fürs Stillen und mit einer Bürste etwas weniger empfindlich machen?
Muss ich das wirklich kommentieren? Wer würde jemals auf den Gedanken kommen, eine super empfindliche Stelle des Körpers mit einer Bürste zu maltretieren, damit sie hinteher weniger empfindlich beim Stillen ist? Absoluter bullshit!

3) Versuch möglichst viel zu schlafen, bald kriegt man ja keinen Schlaf mehr!
Diesen Spruch hören Bald-Muddis sicherlich an die 1000 Mal! Ein super Tipp in der Theorie, aber jede Schwangere weiß, dass es im letzten Monat vor der Entbindung besonders beschwerlich ist, zu schlafen. Wenn es nicht der Bauch ist, der eine bequeme Schlafposition unmöglich macht, dann sorgen bestimmt Sodbrennen, Blähungen oder Kontraktionen für unruhige Nächte. Dazu kommt, dass man sich vorkommt, wie ein gestrandeter Wal, da man sich nur mit Mühe von einer auf die andere Seite wuchten kann.

4) Genießt nochmal die Zeit zu zweit!
In diesem Tipp steckt gleichzeitig eine Prophezeiung. Nämlich: Ihr werdet nie wieder Zeit zu zweit als Paar haben. Nie wieder! Muhahahaha!

5) Das Bettchen sieht aber sehr ungemütlich aus. Wollt ihr nicht noch ein Nestchen, ein Kissen oder eine Decke hineinlegen?
Dieser Satz stammt meist von Großeltern, die noch nicht mitbekommen haben, dass es nach heutigen Erkenntnissen bezüglich des plötzlichen Kindstodes am besten ist, wenn das Baby im ersten Jahr nur in einem Schlafsack in seinem Bettchen schläft. Ohne Nestchen. Ohne Kuscheltier. Ohne Schmusetuch. Ohne Kissen. Ohne Decke.

6) Yoga ist toll in der Schwangerschaft!
Ja, sicher. Aber ich hab keinen Bock darauf!

7) Man soll doch keinen Kaffee trinken!
Auch überholt. Ein bis zwei Tassen sind völlig ok!

8) Eine Damm-Massage kann einem Riss vorbeugen!
Wer da Lust zu hat – nur zu. Go for it! Es gibt da ganz schicke YouTube-Videos. Sowohl meine Frauenärztin als auch meine sehr alternativ angehauchte Hebamme haben beide keinen Sinn darin gesehen.

9) Geburtsvorbereitungskurse sind doch eh für den Popo!
Habe ich auch gedacht, weil mir das auch von sehr vielen Menschen eingeredet worden ist. Einen Teil des Kurses hätte ich inhaltlich auch nicht wirklich gebraucht, aber die Atmen- und Entspannungsübungen haben mich schon ein bisschen eingestimmt. Und darum geht es wohl auch eher: Die Paare einzustimmen.

10) Genieß die schöne kuschelige Anfangszeit mit dem Baby!
Auch das hört sich in der Theorie sehr schön an. So ab dem 2. Monat mag das auch stimmen, aber ich kenne eigentlich niemanden, der die ersten Tage und Woche besonders kuschelig und gemütlich fand.

Kennt ihr noch weitere Tipps? Was hat man euch so alles geraten in der Schwangerschaft?

Und plötzlich ist man zu dritt! Zwischen Schockstarre und Glücksgefühl

Eine liebe Freundin hat kürzlich ein Kind bekommen und vieles von dem, was sie so erzählt und fühlt, kommt mir sehr bekannt vor. Die Fragen, Ängste und die Verwirrung der ersten Zeit – plötzlich ist das alles wieder da. Sie hat irgendwann im angemerkt: „Du hast mir aber nicht erzählt, dass es am Anfang bei dir auch so war!“ Mmh! Echt nicht? Erst wollte ich direkt antworten: „Doch klar! Hab ich doch erzählt!“ Aber dann wurde mir klar, dass ich vielleicht doch einige Dinge verschwiegen habe. Denn: Ja, die Anfangszeit war nicht diese super happy Kuschelzeit, von der man immer so hört. War ich über alle Maßen glücklich in der Zeit? Geht so! Klar war ich froh, ein Kind zu haben, das gesund und munter ist. Klar war ich froh, die Geburt einigermaßen gut über die Bühne bekommen zu haben. Aber am Anfang war ich vor allem eines: im Schockzustand.

Denn wie krass ist es bitteschön, dass man von jetzt auf gleich zu dritt ist? Ich war nie die Schwangere, die mit ihrem Bauch geredet hat oder in den mega Nestbautrieb verfallen ist. Klar wusste ich, dass da bald ein Kind kommt, aber der Gedanke war irgendwie zu abstrakt und manchmal war die Vorstellung auch ein bisschen Akte-X-Alien-mässig. Einfach nicht vorstellbar.

Und dann hast du plötzlich ein Kind auf dem Arm und das gehört jetzt dir. Für immer. Aus zwei wird drei. Einfach so. Das Glücksgefühl wurde von Panik verdrängt. Für die Generation ‚mal sehen‘ ist ‚für immer‘ ne krasse Nummer. Ich war in Schock. Eine ganze Weile. Man hört immer, dass sich das Leben ändert, aber man weiß vorher nicht, wie es sich anfühlt. Und es ist ein Schock. Jetzt sage ich: Es war die beste Veränderung ever! Aber in dem Moment habe ich gedacht: What the fuck! Warum hat mir das keiner gesagt? Man denkt, das selbstbestimmte Leben hört auf.

Doch es wird besser. Man gewöhnt sich so schnell an das Leben zu dritt und an diese unglaublich krasse Verantwortung. Und schwupps ist das erste Jahr vorbei und aus dem Baby wird ein Kleinkind und man liegt nachts vor dem ersten Geburtstag der Tochter im Bett und verdrückt ein Tränchen. Exakt ein Jahr vorher habe ich Tränchen verdrückt, weil ich wollte, dass das erste Jahr endlich rum ist und alles etwas entspannter wird.

Und ja: Es wird entspannter. Weil man selbst entspannter wird. Letzte Nacht hatte ich von 3.30 Uhr bis 7 Uhr ein unruhiges Kind im Arm, das nicht schlafen konnte. Vor einem Jahr wäre ich vor Erschöpfung innerlich durchgedreht. Heute ist es mir egal. Dann schlaf ich eben mal eine Nacht nicht. Kein Weltuntergang. Es wird besser. Alles!

Also an alle Neu-Muddis da draußen: Durchhalten! Ihr schafft das! Es lohnt sich!