Die Ruhe nach dem Trotz-Sturm

Meine Tochter ist jetzt drei Jahre alt. Ich habe oft gehört, dass drei das schlimmste Alter sei. Schlimm im Sinne von „Höhepunkt des Trotzalters“. Ich habe auch schon gehört, dass das erste Jahr generell das schlimmste sein soll. Manche behaupten auch, dass Kinder mit zwei den Zenit der Trotz-Hölle erreicht haben. Egal. Ich finde jedes Alter hat etwas mega Schönes und etwas mega Anstrengendes. Außerdem kommen Trotzphasen in Wellen. Zumindest bei uns. Jetzt ist wieder so eine Welle. Und als Mutter komme ich an meine Grenzen. Wieder einmal.

Mini-Mariah freakt aus

Denn ich liebe mein Kind und gleichzeitig könnte ich ausflippen, wenn meine Tochter ausflippt. Und es zerreißt mich, weil ich merke, dass ich dann zu einer Mutter werde, die ich nicht sein möchte. Meine Tochter wandelt sich manchmal innerhalb von Nanosekunden vom zuckersüßen Kuschelmonster zu Chucky der Mörderpuppe. Manchmal glaube ich, eine Mini Mariah Carey vor mir zu haben, die ausfreakt, weil  ihr jemand die M&M’s nicht korrekt nach Farben sortiert in den Backstage-Bereich gestellt hat oder das Evian- Wasser keine Zimmertemperatur hatte.

Erst kürzlich verlebten wir einen harmonischen Vormittag. Mit Spielen, Kuscheln und Tanzen. Es war perfekt. Meine kleine Tochter und ich verbrachten einen wunderschönen Morgen. Dann habe ich einen groben Fehler begangen: Ich habe es gewagt den Klebestreifen ihrer Windel aufzumachen. Das wollte sie nämlich machen. Gesagt hat sie das nicht, aber das spielt an dieser Stelle keine Rolle. Denn plötzlich schrie und wütetet sie. Mit einem hochroten Kopf. „Das wollte ich machen!“, schrie sie. Dann rieß sie sich theatralisch die Kacka-Windel vom Leib und wälzte sich hin und her. Ich habe versucht dagegen zuhalten. Denn: 1. Es war eine Menge Kacka im Spiel und 2. Ich wollte nicht, dass sie vom Wickeltisch fällt oder sich den Kopf stößt. Doch mein Reden und Festhalten brachte sie nur noch mehr in Rage. Es war eine Vollkatastrophe. Sowohl vom Aspekt der Verteilung von Ausscheidungen als auch von der pädagogischen Warte her.

Wrestling mit einem nackten Wüterich. Und Kacka. Ganz viel Kacka.

Zwischendurch habe ich geschrien. Einmal. Ich dachte, dass es von der Eskalationsstufe her passen würde. Aber das tat es nicht. Natürlich nicht. Während des Wutanfalls wedelten vor meinem inneren Auge diverse erhobene Zeigefinger. Ja, ich wusste, dass das gerade eher suboptimal läuft. Meine Mutter würde jetzt sagen: „Also bei mir macht sie das nicht!“ und Katharina Saalfrank würde mir raten aus der Situation raus zugehen. Aber ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich mein Kind mit nacktem Po auf die stille Treppe schicke. Wir haben auch gar keine richtige Treppe. Egal. Am Ende des Wrestlings guckten meine verheulte Tochter und ich uns mit völlig zerzaustem Haar, roten Gesichtern und verdreckten Armen an. Ohne etwas zu sagen, schauten wir uns einfach nur an. Erschöpft und müde von einem doofen Streit und einem überflüssigen Wutanfall. Wir hielten uns an den Händen. Es war die Ruhe nach dem Sturm. Dieser Moment, wenn alles wieder ruhig ist.

Ich machte sie sauber. Die Windel zogen wir gemeinsam an. Ich sagte, dass sie sich ein wenig ausruhen müsse und setzte sie in ihr Bett. Ich wusch meine Hände und setzte mich dann zu ihr. Sie nahm ihren Plüsch-Hai und ließ ihn in meinen Arm beißen. Ich musste lachen. Wir redeten kurz darüber, was da gerade passiert war. Ich fragte warum sie so sauer gewesen sei und ich berichtete ihr, warum ich so wütend war. Sie streichelte meine Wange. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Weil ich geschrien hatte und weil ich sie festgehalten habe. Ich stellte mir vor, wie all diese tollen Pädagogen und perfekten Mütter die Situation gelöst hätten, ohne dass sie eskaliert wäre. Doch ich habe keine Lösung. Ich kann mein Kind nicht einfach auf einem Wickeltisch liegen lassen. Ich kann sie nicht mit einem schmutzigen Hintern durch die Wohnung laufen lassen. Ich kenne die Gordon-Methode und hab das Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ gelesen. Alles super sinnvoll und viel Gutes dabei. Aber das klappt eben auch nicht immer. Und jetzt? Bad Mom?

Hier würde ich nun gerne ein superschlaues Fazit einbauen, aber es gibt keins. Es gibt Tage, da klappt es und an anderen eben nicht. Wieso? Ich habe schlichtweg keine Ahnung…

Muddi-Fail: Ich bin nicht perfekt & das ist ok!

Es gibt so einige Tiefpunkte in der Karriere einer Mutter. Der Moment, in dem ich verzweifelt meinem Mann unser Baby in die Hand gedrückt habe, mich im Bad einschloss, den leeren Wäschetrockner angemacht und mich in die Duschkabine gesetzt habe, nur um das Schreien meiner Tochter nicht mehr zu hören, gehört sicherlich zu meinen persönlichen Top-5 dazu. Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment. Ich konnte es nach mehr als vier Wochen nicht mehr aushalten. Dieses Schreien. Den ganzen Tag lang. Ich war allein daheim gewesen und am Ende meiner Kräfte und Nerven. Dann kam mein Mann nach Hause und alles hatte sich entladen. Ich wollte, nein ich konnte es einfach nicht mehr hören. Ich habe mich dafür sehr geschämt. Schließlich hatte ich versagt. Sollte eine Mutter nicht in der Lage sein, das eigene Kind zu beruhigen? Was für eine Looser-Muddi! Heute weiß ich, dass es vielen Eltern am Anfang so geht. Doch ich hatte daran zu knacken. Eine Mutter, die sich im Bad einschließt und vor ihrem Kind weg rennt. Meine Hebamme hat mir später einmal gesagt, dass es das beste ist, was man tun kann, wenn man merkt, dass man nicht mehr kann. Einmal kurz durchatmen. Nicht lange. Nur einen Moment, um nicht verrückt zu werden. Da auch ich dazu tendiere, die Vergangenheit zu verklären, kann ich mir die Situation heute nur noch schwer vorstellen. Doch manchmal zwinge ich mich dazu, an genau diese Situation zu denken.

Trotzanfall deluxe & das schlechte Gewissen

Denn letztens hatte ich auch einen Tag, der ebenfalls nicht in die Geschichte meiner glorreichsten Muddi-Momente eingehen wird: Schlechter Tag, gestresst, müde und das Töchterchen hat ein Trotzanfall deluxe im Hausflur. Ich habe geschimpft und gemeckert und war plötzlich genauso eine Mutter, die ich nie sein wollte. Ich fand mich ziemlich doof. Vor allem, weil ich weiß, dass meine Tochter das liebste und tollste Kind der Welt ist. Aber diese Phasen gehören mit 2,5 Jahren nun einmal zum Alltag dazu. Autonomiephase oder Trotzphase. Wie auch immer man es nennen mag. Ich kann damit eigentlich auch ganz gut umgehen, aber manchmal gibt es eben einen Pädagogik-Fail. Es tat mir Leid, dass ich harsch und  ätzend war. Das schlechte Gewissen malträtierte mich den ganzen Abend. Und deswegen habe ich bei Twitter folgendes geschrieben:

twitter1

Aufgebaut haben mich die Worte von Blogger Steffen (Papa Pelz):

twitter2

Und dann habe ich über die Worte nachgedacht. Es stimmt: Kinder wachsen ja nicht in einer Blase auf. Sie können ruhig merken, dass auch Mama und Papa schlechte Tage haben  – genau wie sie ja auch. Ich bin nicht perfekt. Das wusste ich auch schon vorher, aber als Muddi setze ich mich manchmal zu sehr unter Druck damit. Dann tut es manchmal gut, von anderen Eltern zu hören, dass es allen so geht und völlig ok ist. Meiner Tochter habe ich am nächsten Tag gesagt, dass Mama manchmal einen schlechten Tag hat und eben auch mal sauer ist, doch dass ich sie trotzdem lieb habe. Immer. Daran wird sich nichts ändern. Nie.

An dieser Stelle könnte ich mit einem feuchten Auge den Artikel beenden. Das wäre ein schöner Schluss, aber eben nicht das Leben. Denn exakt einen Tag später hat meine Tochter mich erneut mit einer Aktion zur Weißglut getrieben und während sie etwas immer und immer wieder tat, was ich ihr zuvor verboten hatte, sagte sie plötzlich mit der zartesten Stimme des Universums: „Aber Mama, du hast doch gesagt, dass du mich lieb hast, auch wenn du sauer bist!“ Und plötzlich verwendet meine zweijährige Tochter dieses Argument gegen mich. Und bringt mich zum Lachen. Dafür habe ich sich sogar noch mehr lieb.

Alles nur eine Phase?! Zwischen Wahnsinn und Frohsinn!

Die wichtigste Lektion, die man als Neu-Muddi schon sehr früh lernt: Gewöhne dich an nichts, denn alles ändert sich wieder. Meistens dann, wenn man es ausspricht. Etwa: „Seit zwei Wochen schläft das Baby super!“ Fail. Nachdem du diesen Satz laut gesagt hast, wird dein Kind nie wieder so super schlafen. Oder: „Bislang war das mit dem Zahnen nicht so wild!“ Möööp! Das Kind wird von nun an dauernd schreien und du wirst die Nächte neben deinem Sprößling bewaffnet mit Osanit Kügelchen und Zahnungsgel verbringen und dir wünschen, nie etwas gesagt zu haben. Auch ein Klassiker: „So richtig erkältet war das Baby noch nicht!“ Schwups! Von diesem Moment an wird die Nase deines Kindes nicht mehr aufhören zu laufen und eine Erkältung wird von der nächsten abgelöst. Das ist ein Gesetz.

Doch es gibt einen tröstlichen Gedanken, der alle Eltern irgendwie über Wasser hält und Hoffnung schöpfen lässt: Es ist alles nur eine Phase! Tatsächlich kann man sich darauf verlassen. Auch, wenn es manchmal unendlich lang bis zum Ende der Phase erscheint. Es hört irgendwann wieder auf. Bis zur nächsten Phase eben.

Bei uns gab es so einige Phasen, die uns an den Rande des Wahnsinns getrieben haben. Hier unsere Hitliste:

Schreiphase

  • Beschreibung: Dauerhaftes Schreien, sobald wach ab dem 3. Tag
  • Dauer: 14 Wochen
  • Launometer: im Keller
  • Erschöpfungsgrad: auf einer Skala von 1-10? 100!

5-Uhr-Phase

  • Beschreibung: Baby wacht um 5 Uhr auf und möchte nicht mehr schlafen
  • Dauer: 3 – 4 Monate
  • Launometer: man gewöhnt sich an alles
  • Erschöpfungsgrad: 6

Kind-wacht-mehrmals-nachts-auf-Phase

  • Beschreibung: siehe Titel
  • Dauer: alle Monate mal wieder für 1-2 Wochen
  • Laumometer: kein Kommentar
  • Erschöpfungsgrad: 7 (seitdem ich wieder arbeite: 9)

Kind-schläft-plötzlich-nicht-mehr-alleine-ein-Phase

  • Beschreibung: von heute auf morgen ging nichts mehr ohne ein bis zwei Stunden Einschlafbegleitung am Abend in Form von tragen, schaukeln oder Hand halten
  • Dauer: 8 Monate
  • Laumometer: Fuck it, dann hab ich eben nie wieder Freizeit
  • Erschöpfungsgrad: 8

Trotzphase

  • Beschreibung: Kind will alles alleine machen und wenn es nicht so läuft, wie gewünscht, dann geht es rund. Von Wegrennen über Dinge wegwerfen bis hin zum Weinkrampf mit auf den Boden werfen, war schon alles dabei.
  • Dauer: andauernd und immer wieder aufflammend
  • Launometer: Auf der Richter-Skala? Je nach Stärke und Dauer des Bebens.
  • Erschöpfungsgrad: Beim Kind? Hoch! Bei den Eltern? Ebenfalls!

Neben den schwierigen Phasen, die zu 90 Prozent mit dem Thema Schlaf zu tun haben, gibt es natürlich auch gute Phasen.

Zum Beispiel: Die Baby-schläft-durch-und-super-Phase oder die 10-Uhr-14-Uhr-Phase, in der unsere Tochter ein halbes Jahr lang wie ein Uhrwerk jeden Tag zwei Nickerchen von jeweils bis zu 2 Stunden gemacht hat. Ein Traum. Das ist nämlich das Gemeine: Wenn super tolle Phasen plötzlich enden. Das läuft dann in etwa so ab:

  1. Verleugnung (nein, die Phase ist nicht vorbei!)
  2. Schock (die Phase ist tatsächlich vorbei)
  3. Trauer (warum ist die Phase vorbei?)
  4. Annahme (die Phase kommt nicht wieder)
  5. Aufarbeitung (bald kommt eine neue Phase)

Egal, wie es kommt, es kommt immer etwas Neues. Somit: Genießt die guten Phasen! Und: Seid euch in schlechten Zeiten sicher: es wird besser. Es ist ein wenig wie ein Glücksspiel. Und noch was: Erzählt niemandem, wie gut euer Kind schläft. Niemals!

10 Dinge, die im Urlaub mit Kind nerven

Das Stimmungsbarometer im Urlaub mit Kleinkind ist oftmals so unbeständig, wie das Wetter in Deutschland. Von unbeschwert fröhlich bis hin zu verhagelt ätzend. Ja, man muss sich daran gewöhnen, dass Urlaub mit Kind eine völlig andere Nummer ist. Vor allem, wenn es mitten in der Trotzphase ist. Wenn früher all day long Aperol-Time angesagt war, gibt es heute eher „Ich-wollte-meine-Schorle-selber-eingießen-Heulkrampf-Time“.
Hier meine persönlichen Top-Ten Nervfaktoren im Urlaub:

1. Urlaub mit Kind ist wie eine Woche lang Wochenende!
Früher bedeutete Wochenende: Ausschlafen! Heute heißt es das Gegenteil. Deswegen ist Urlaub wie ein einziges mega langes Wochenende: Man wird jeden Tag zwischen 6 und 7 Uhr wach gemacht und dann geht es los.

2. Irgendwas ist immer
Zu heiß. Sonnenhut auf. Zu kalt. Mütze auf. Zu windig. Sonnenhut weht weg und Mütze ist zu heiß. Kind schreit und reißt sich jedwede Kopfbedeckung vom Kopf.

3. Sonnencreme
Vorbildliche Eltern tragen Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 bereits ab 15 Grad und Bewölkung auf. Das Eincremen selbst macht oftmals so viel Spaß, wie einem Aal die Augenbrauen zu zupfen (wenn Aale welche hätte). Kommen die Faktoren Sand und Wasser hinzu, kann man sich ja vorstellen was passiert. Es wird nicht lustiger.

4. Essen
Es ist Urlaub. Muddi hat Urlaub. Vaddi hat Urlaub. Die Küche hat Urlaub. Aber das Kind muss trotzdem einigermaßen gesund ernährt werden. Will es aber nicht. Es will Pizza. Kommt die Pizza will es Pasta. Bestellt man beim nächsten Mal Pasta will das Kind Pizza. So will es das Gesetz.

5. Regentage
Ätzend genug, wenn es früher im Urlaub geregnet hat. Mit Kind fallen alle Aktivitäten, die man früher als Paar bei Regen unternommen hat weg. Nämlich: Nix tun und/oder den ganzen Tag in einem Bistro sitzen und sich durch die Speise- und Getränkekarte essen und trinken. Mit Kind muss man kreativ werden. Denn nichts ist schlimmer als Langeweile in einer beengten Ferienwohnung oder gar in einem Hotelzimmer (wer macht eigentlich noch Urlaub im Hotel mit Kind?).

6. Planänderungen rächen sich immer
Einfach mal in den Tag hineinleben. Faul sein. Spät frühstücken. Vergiss es! Im Urlaub mit Kleinkind rächen sich jedwede Versuche, spontan zu sein und vom normalen Zeitplan abzuweichen. Mittagsschlaf mal ausfallen lassen, weil man gerade einen Tagesausflug macht? Kann man machen. Macht man danach wohl nie wieder. Denn spätestens am Nachmittag ist das Kind übermüdet und überdreht und der Tag wird mega anstrengend. Auch mutig: Zu spät zum Mittagessen in ein Restaurant gehen. Wenn man Lust auf ein mit Essen werfendes schreiendes Kind hat, nur zu!

7. Trotzanfälle
Eigentlich muss ich dazu nichts sagen. Zu Hause ist es schon mega nervig. Warum sollte es im Urlaub anders sein. Doch irgendwie hat man die Vorstellung, dass alles entspannter wird, wenn man erst einmal die Heimat verlassen hat. Wird es aber nicht. Es ist das gleiche Kind nur an einem anderen Ort.

8. Kleidung
Im aktuellen Urlaub habe ich für einen Badeurlaub gepackt und auch viel Wasser bekommen – allerdings von oben. Also musste ich improvisieren. Lagenlook im Sommerurlaub braucht kein Mensch. Dazu war es wechselhaft. Also muss man immer alles mitnehmen. Und ständig alles aus und wieder anziehen. 50 Prozent des Urlaubes war ich mit Umziehen des Kindes beschäftigt.

9. Packesel
Regenjacke, Matschhose, Badehose, Sonnenhut, Mütze, Jäckchen, Wechselbody, Windel, Wickelunterlage, Feuchttücher, Wasser, Quetschie, Sonnenmilch, Schnuller. Das ist die Grundausstattung, wenn das Wetter einem die ganze Bandbreite bietet und das auch noch innerhalb von 60 Minuten. Doof gelaufen, wenn man eigentlich nur mal kurz irgendwo hingehen will. Man packt immer alles ein.

10. Spielplätze
Ich bin keine typische Spielplatz-Muddi. Ich finde es mal ganz ok, ein Stündchen dort zu verbringen. Doch es ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Da ist es auch nicht besser auf einem italienischen oder österreichischen Spielplatz zu hocken. Vor allem, wenn man einen Strand hat. Aber egal wie toll die Landschaft, der Strand oder der Pool ist: das Kind will auf den Spielplatz.

Zum Thema Urlaub mit Kind durfte ich übrigens als InsideMom bei familie.de meinen Senf dazu geben.

Morgen sage ich euch dann, warum Urlaub mit Kind so toll ist. Denn das Leben als Muddi ist eben immer voller Widersprüche…

Problemfall Adventskalender – eine erschütternde Zwischenbilanz

In der Vorweihnachtszeit soll ja bekanntlich ordentlich besinnliche Stimmung für das Fest der Feste aufkommen. Ich persönlich glaube ja, dass diese Zeit nur erfunden wurde, um die Menschen vor der allgemein um sich greifenden Winter-Depression zu bewahren. Irgendjemand dachte wohl irgendwann: „Kacke! Die Tage werden immer kürzer. Es gibt kein Licht. Es ist kalt oder regnet. Alle sind erkältet und das Jahr hat uns einfach ausgelaugt. Lasst uns ein paar Lichter in die Bäume hängen, fuseligen Alkohol an Bretterbuden ausschenken und ganz viel Schokolade essen, damit alle wieder etwas glücklicher werden. Außerdem brauchen wir noch ein paar Rituale, die unsere Kinder bei Laune halten und uns ein wenig ablenken.“

Zu diesen Ritualen gehört eben auch der Adventskalender. Quasi der Countdown zum Geburtstag von JC. Als Kind hatte ich immer Normalo-Adventskalender aus dem Supermarkt mit Schokolade. Die letzten Jahre hatte ich keinen Kalender. Dann hat man plötzlich ein Kind und diese ganzen Rituale bekommen wieder etwas mehr Bedeutung. Also habe ich auch für meine Tochter einen Adventskalender gemacht. Im ersten Babyjahr fand ich das noch albern. Jetzt war ich unsicher. Ein Kalender für ein Kind, das 20 Monate alt ist? Doch der visuelle Gruppendruck sozialer Netzwerke hatte mich schnell in der Hand. Denn da wurden keine Normalo-Kalender aus dem Aldi präsentiert. Nein. Alle Muddis da draußen basteln anscheinend plötzlich super kreative Adventskalender mit selbstgestrickten Bio-Cotton-Säckchen oder Kläppchen aus selbst geschöpftem Papier, die man auch bei Dawanda verkaufen könnte. Ätzend.

Als gute Mutter wollte ich mit dabei sein. Allerdings weniger kreativ. Also kramte ich meine dekorative Tchibo-Variante mit der roten Kordel und den 24 Sternen, Herzen und Stiefeln aus Filz aus dem Keller. Erste Herausforderung: Was kommt rein? Denn: Die Öffnungen der Filzdinger sind ziemlich klein. Und überhaupt? Was nimmt man für das Alter? Also habe ich eine Packung Duplo gekauft. Nein – nicht die längste Praline der Welt, sondern die Steine. Eine Packung mit Enten und Gedöns. Die habe ich aufgeteilt auf 14 Filzkläppchen. Das mutet an manchen Tagen natürlich ein wenig armselig an, wenn da nur ein Duplo-Steinchen drin ist. Aber es ist ja nur ein fucking Kalender und noch nicht Weihnachten. Ich hatte schließlich immer nur Schoki. Für die anderen Tagen habe ich lustiges Badesalz für Kinder, Pixi-Bücher und eine kleine Holz-Ziege besorgt und untergebracht. Mein Kalender war eine Punktlandung. Fertig am 1. Dezember um 14.35 Uhr. Kurz bevor ich meine Tochter von der Kita abgeholt habe.

Dann ging der Spaß erst richtig los: Also habe ich ihr den Kalender, der an der Treppe im Flur hängt, gezeigt und erklärt, was es damit auf sich hat. Zumindest theoretisch. Denn mitten im Satz meiner blumigen Ausführungen ist die Kleine schon auf die Kläppchen zugerannt. Von der Ente in der Eins wollte sie aber nichts wissen. Die hat sie direkt wieder reingesteckt. Aber da blitze was aus Nummer 17. „Mama, Shaun. Schaf!“, rief meine Tochter. Sie hatte das Pixi-Buch entdeckt. „Nein, das kannst du erst in 16 Tagen haben! Jeden Tag nur eins. Morgen erst wieder!“ Doch meine Tochter verstand es nicht. Wie auch. Sie ist 20 Monate alt. Also rieß sie an der Kordel und stülpte sämtliche Filzkläppchen um. „Mama! Ziege!“, rief sie aufgeregt. Damit meinte sie aber glücklicherweise nicht mich, sondern Nummer 22. Es war eine Farce. Als ich zurück in den Flur kam, war es verdächtig still. Kein Wunder. Sie hatte sämtliche Pixi-Bücher rausgeholt und überall Duplo-Steine verstreut. „Mama schaun!“

Fail. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Also ließ ich sie gewähren. Die Hälfte der Kläppchen ist nun leer. Wir gehen trotzdem jeden Tag gucken. Aber an vielen Tagen sagt sie nun nur noch: „Stern leer!“ Und ich antworte, dass sie das Kläppchen ja schon leer gemacht habe. Ich denke, dass ist dann mein pädagogischer Ansatz. Ich fülle nicht wieder auf. Sie muss nun damit leben, dass der Kalender fast leer ist. Verstehen tut sie es nicht. Eigentlich ist es ihr auch ziemlich egal. Vielleicht hätte ich mir das mit dem Kalender sparen sollen. Insgeheim frage ich mich aber schon, wie das bei all den anderen tollen Instagram-Kalendern so läuft? Seliges Kindergrinsen? Einjährige, die sich diszipliniert die Kläppchen aufteilen und fröhlich an einer Bio-Erdnuss knabbern?

Mittlerweile wird der Kalender von meinem Kind ignoriert. Das ist eigentlich schlimmer, als alle Kläppchen leer zu machen oder an der Kordel zu randalieren. Fürs nächste Jahr muss ich mir was überlegen. Vielleicht einfach ein Kalender mit Schokolade. Ganz normal. Wie früher.

Wie ist es bei euch? An wann startet ihr mit den Ritualen, Geschenken und Kalendern?