Alles nur eine Phase?! Zwischen Wahnsinn und Frohsinn!

Die wichtigste Lektion, die man als Neu-Muddi schon sehr früh lernt: Gewöhne dich an nichts, denn alles ändert sich wieder. Meistens dann, wenn man es ausspricht. Etwa: „Seit zwei Wochen schläft das Baby super!“ Fail. Nachdem du diesen Satz laut gesagt hast, wird dein Kind nie wieder so super schlafen. Oder: „Bislang war das mit dem Zahnen nicht so wild!“ Möööp! Das Kind wird von nun an dauernd schreien und du wirst die Nächte neben deinem Sprößling bewaffnet mit Osanit Kügelchen und Zahnungsgel verbringen und dir wünschen, nie etwas gesagt zu haben. Auch ein Klassiker: „So richtig erkältet war das Baby noch nicht!“ Schwups! Von diesem Moment an wird die Nase deines Kindes nicht mehr aufhören zu laufen und eine Erkältung wird von der nächsten abgelöst. Das ist ein Gesetz.

Doch es gibt einen tröstlichen Gedanken, der alle Eltern irgendwie über Wasser hält und Hoffnung schöpfen lässt: Es ist alles nur eine Phase! Tatsächlich kann man sich darauf verlassen. Auch, wenn es manchmal unendlich lang bis zum Ende der Phase erscheint. Es hört irgendwann wieder auf. Bis zur nächsten Phase eben.

Bei uns gab es so einige Phasen, die uns an den Rande des Wahnsinns getrieben haben. Hier unsere Hitliste:

Schreiphase

  • Beschreibung: Dauerhaftes Schreien, sobald wach ab dem 3. Tag
  • Dauer: 14 Wochen
  • Launometer: im Keller
  • Erschöpfungsgrad: auf einer Skala von 1-10? 100!

5-Uhr-Phase

  • Beschreibung: Baby wacht um 5 Uhr auf und möchte nicht mehr schlafen
  • Dauer: 3 – 4 Monate
  • Launometer: man gewöhnt sich an alles
  • Erschöpfungsgrad: 6

Kind-wacht-mehrmals-nachts-auf-Phase

  • Beschreibung: siehe Titel
  • Dauer: alle Monate mal wieder für 1-2 Wochen
  • Laumometer: kein Kommentar
  • Erschöpfungsgrad: 7 (seitdem ich wieder arbeite: 9)

Kind-schläft-plötzlich-nicht-mehr-alleine-ein-Phase

  • Beschreibung: von heute auf morgen ging nichts mehr ohne ein bis zwei Stunden Einschlafbegleitung am Abend in Form von tragen, schaukeln oder Hand halten
  • Dauer: 8 Monate
  • Laumometer: Fuck it, dann hab ich eben nie wieder Freizeit
  • Erschöpfungsgrad: 8

Trotzphase

  • Beschreibung: Kind will alles alleine machen und wenn es nicht so läuft, wie gewünscht, dann geht es rund. Von Wegrennen über Dinge wegwerfen bis hin zum Weinkrampf mit auf den Boden werfen, war schon alles dabei.
  • Dauer: andauernd und immer wieder aufflammend
  • Launometer: Auf der Richter-Skala? Je nach Stärke und Dauer des Bebens.
  • Erschöpfungsgrad: Beim Kind? Hoch! Bei den Eltern? Ebenfalls!

Neben den schwierigen Phasen, die zu 90 Prozent mit dem Thema Schlaf zu tun haben, gibt es natürlich auch gute Phasen.

Zum Beispiel: Die Baby-schläft-durch-und-super-Phase oder die 10-Uhr-14-Uhr-Phase, in der unsere Tochter ein halbes Jahr lang wie ein Uhrwerk jeden Tag zwei Nickerchen von jeweils bis zu 2 Stunden gemacht hat. Ein Traum. Das ist nämlich das Gemeine: Wenn super tolle Phasen plötzlich enden. Das läuft dann in etwa so ab:

  1. Verleugnung (nein, die Phase ist nicht vorbei!)
  2. Schock (die Phase ist tatsächlich vorbei)
  3. Trauer (warum ist die Phase vorbei?)
  4. Annahme (die Phase kommt nicht wieder)
  5. Aufarbeitung (bald kommt eine neue Phase)

Egal, wie es kommt, es kommt immer etwas Neues. Somit: Genießt die guten Phasen! Und: Seid euch in schlechten Zeiten sicher: es wird besser. Es ist ein wenig wie ein Glücksspiel. Und noch was: Erzählt niemandem, wie gut euer Kind schläft. Niemals!

Blogger fragen – Muddi antwortet

Es gibt Dinge zwischen dem echten Leben und der virtuellen Blogger-Blase, von denen ich anfangs keine Ahnung hatte. So wusste ich bei meiner ersten Nominierung zum „Liebster-Award“ gar nicht, was das überhaupt soll und was es damit auf sich hat. Ein Preis für mich? Von wem? Warum? Die ersten Nominierungen habe ich deswegen einfach mal ignoriert. Nicht die feine Art, aber ich wusste damit nichts anzufangen. Jetzt weiß ich: Der Liebster-Award ist quasi ein fiktiver Preis, der von Blogger zu Blogger als Art Kettenbrief vergeben wird. Man nominiert Blogs, die man gerne liest, beantwortet die Fragen von der Person, die einen nominiert hat und gibt dann den Staffelstab an andere Blogger weiter.

Ich denke, dass es nun an der Zeit ist, den Liebster-Award auch mal anzunehmen. Denn ich wurde von zwei ganz tollen Bloggern nominiert. Einmal von Anni mit ihrem wunderbaren Familien-Blog Marmeladenschuh und einmal von Kimi, die mit ihrem Kreativ-Blog kitoremi begeistert. Beide haben mir Fragen gestellt:

Hier die Fragen von Anni:

1. Welches Mama-Tool hast du IMMER dabei?
Feuchttücher und Quetschies. Dann ist man eigentlich für jede Situation gewappnet. Mehr braucht man nicht. Gut, vielleicht noch Windeln.

2. Die größte Herausforderung des Elternseins ist …. ?
Mit der Umstellung klar zu kommen. Von der Einsam- und Zweisamkeit zum Leben zu dritt. Was es tatsächlich bedeutet, nicht mehr alleine zu sein, merkt man erst nach ein paar Wochen. Es ist wunderschön und mega beängstigend zugleich. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist es das Allerbeste.

3. Was magst Du eigentlich nicht besonders, hast es aber bisher ungern mitgeteilt?
…am Elternsein oder generell? Also am Elternsein ist es definitiv die Sache mit dem Schlaf bzw. dem fehlenden Schlaf. Ich träume regelrecht vom Ausschlafen. Einfach mal ohne Unterbrechung so lange schlafen am Wochenende wie ich möchte. Ansonsten war ich kein besonders großer Still-Fan. Ich hab es gemacht, weil es gut fürs Kind ist. Manchmal war es auch ganz kuschelig, aber so knorke fand ich es generell nicht. Ich hab es zwischendurch einfach nur als ziemlich großen Druck empfunden. In der Öffentlichkeit habe ich es gehasst und solche Situationen auch meist gemieden. Mit dem Fläschchen Milch am Abend find ich es jetzt manchmal sogar schöner und kuscheliger.

4. Welcher Duft erinnert Dich am ehesten an die Kindheit?
Dieser Geruch von Pommes und Chlor an einem heißen Tag im Freibad.

5. Was wolltest Du bei Deinen Kindern anders machen als Deine Eltern und machst es heute genau so?
Ich wollte konsequenter sein! Fail! Dieses süße Wesen tanzt uns schon jetzt auf der Nase rum.

6. Welches schöne Kompliment hast Du zu Deiner Mama-Leistung schon mal bekommen und von wem?
Für mich ist das keine extra Leistung, Mama zu sein. Ich bin halt Muddi. So wie mein Mann eben Papa ist. Wir versuchen einen guten Job zu machen. Wenn mein Mann auf meine Tochter zeigt und mir sagt: „Da hat dich aber jemand unglaublich lieb!“ Oder, wenn sie mich ganz feste umarmt. Das ist das schönste Kompliment. Diese Liebe zu spüren.

7. Was war Deine dunkelste Mama-Stunde?
Da gab es die eine oder andere düstere Stunde während der ersten Wochen nach der Geburt, in denen unser Kind sehr sehr viel geschrien hat. Da hatte ich so kurz mal einen Anflug von regretting Motherhood. Danach schämt man sich dafür. Aber jeder, der das mal erlebt hat, weiß wovon ich rede.

8. Hast Du einen super Kinderbuch-Tipp?
Ich liebe die Pepe & Milli Bücher. Die sind soo süß gemacht und meine Tochter liebt sie.

9. Was liebst Du am Bloggen besonders?
Einfach so zu schreiben, wie ich denke. Genial. Keine Schere im Kopf. Ich kann freier schreiben, als für die Zeitung.

10. Und was nervt Dich daran am meisten ab?
Diese Blogger-Blase nervt mich manchmal sehr. Ich finde, dass sich Blogger oft zu sehr um sich selbst drehen. Ich finde eine gute Balance wichtig. Bei mir sollen die Geschichten und Artikel im Vordergrund stehen und nicht, ob ich heute Kopfschmerzen hab oder nicht. Deswegen mache ich solche Selbst-Interviews auch nicht so oft mit. Klar, muss man sich als Blogger vorstellen, aber so interessant bin ich dann auch nicht, dass ich jeden Mittag mein Essen fotografieren oder ein Selfie posten muss.

11. Was war die sinnloseste Anschaffung von der Du dachtest, sie als Mama zu brauchen?
Der Laufstall. Der kam einfach zu spät. Wir hatten eine Wiege und ein Gitterbettchen. Das reicht eigentlich. Völlig überbewertet sind auch Babykostwärmer.

Hier die Fragen von Kimi:

1) Gibt es eine Geschichte hinter deinem Profilbild?
Es war ein Selfie mit dem iPad. Ich hatte meine Tochter auf dem Arm und sie hat neugierig auf den Bildschirm geguckt. Dabei sind sehr schöne Fotos entstanden. Allerdings soll man uns gar nicht so genau erkennen. Denn Fotos von meiner Tochter wird es auf dem Blog nicht geben. Höchstens sehr verfremdet. Privatsphäre ist mir sehr wichtig.

2) Planst du deine Blogbeiträge oder entstehen die spontan?
Ich habe anfangs erst ganz viel geschrieben und dann den Blog direkt mit zehn Artikeln gestartet. Manchmal plane ich noch, aber sehr selten. Ich bin eine Impuls-Bloggerin. Brenn ich für ein Thema, dann muss ich dazu schreiben. Das ist so toll am Bloggen.

3) Bist du ein Selbermacher oder hast du zwei linke Hände?
Sowohl als auch;)) Ich versuche alles erst einmal selbst. Ob es dann gut wird, ist eine andere Sache. Beim Streichen des Kinderzimmers war ich so semi erfolgreich und meine ersten Cupcakes wurden von meinem Mann liebevoll Kackcakes genannt. Ich mach meistens einfach. Lange einlesen oder Anleitungen angucken, ist nicht so mein Ding. Das rächt sich dann manchmal auch.

4) Welches Buch liest du gerade?
Ich lese nun schon sehr lange das Buch „Galveston“. Das ist ein Roman von Nic Pizzolatto, dem Drehbuchautor der HBO-Serie True Detective, die ich sehr toll finde. Das Buch ist sehr gut, aber mega düster und beklemmend. Deswegen habe ich es erstmal zur Seite gelegt. Ich muss erst wieder in Stimmung sein. Ansonsten lese ich unheimlich viel online. Am liebsten Artikel der NY Times. Ich koche auch deren Rezepte nach. Ich liebe diese Zeitung einfach.

5) Gibt es Bücher, die du mehr als einmal gelesen hast? Welche?
Ja, Fight-Club habe ich zwei Mal gelesen. Ich habe eine handsignierte Ausgabe und bin großer Fan von Chuck Palahniuk. Auch, wenn ich einige seiner Werke nicht weiter lesen konnte, weil sie so verstörend waren. Scheint bei mir Methode zu haben.

6) Gehst du lieber ins Theater oder ins Kino?
Ganz ehrlich? Ich sitze am liebsten auf dem Sofa und schaue Serien bei Netflix und Co.. Serien wie Mad Men, Breaking Bad oder auch wie The Affair oder Bloodline sind wie zwölf Stunden lange Arthouse-Filme. Besser wird es nicht. Deswegen wird an Leuten wie mir die Kino-Industrie wohl zugrunde gehen.

7) Was hast du dir zuletzt im Theater oder im Kino angesehen?
Das ist noch gar nicht so lange her. Der Film hieß „Der große Trip – Wild“ mit Reese Witherspoon und handelt von einer Frau, die sich auf eine lange Wanderung begibt. Ich habe das Buch vorher gelesen und war begeistert.

8) Wie stehst du zur Kunst?
Gut;) Ich kann zumindest Rothko von Monet unterscheiden. Mit Kind geht man nicht mehr so häufig in die großen Ausstellungen. Als ich mal in Paris war, habe ich einen ganzen Tag im Louvre verbracht, obwohl das Wetter fantastisch war und ich nur zwei Tage in der Stadt hatte. Es war herrlich.

9) Hast du ein Lieblingszitat? Welches?
„Today, the weather is awesome“. Das hat mir Chuck Palahniuk auf die zweite Seite von „Fight Club“ geschrieben und ich weiß bis heute nicht, ob er mich einfach nur verarschen wollte damit. Aber ich mag so einen Humor.

10) Hattest du schon mal eine gruselige Begebenheit? 
Zählt die Geburt? Scherz beiseite. Ich hatte schon mal so einen Moment, in dem jemand von einer verstorbenen Person erzählt hat und abrupt die Kerze auf dem Tisch ausgegangen ist. Das fand ich spooky. Dafür gibt es aber sicherlich eine gute Erklärung. Zum Beispiel Wind;)

11) Gibt es einen Traum, den du unbedingt verwirklichen möchtest? Verrätst du ihn mir?
Einen hab ich mir in diesem Jahr verwirklicht: Ich habe den Sänger meiner Lieblingsband getroffen. Aber es gibt noch einen weiteren großen Traum, den erzähle ich nicht. Sonst klappt es nicht. Außerdem ist der ein bisschen naiv und peinlich.

Ich nominieren hiermit folgende Blogs für den Liebster-Award:
Mama geht online
Mutterseelesonnig
Frau Rabe
Lächeln und Winken
Wundermädchen

Das sind meine Fragen:

  1. Welche Serie beschreibt deinen Alltag am besten?
  2. Bier oder Prosecco?
  3. Erstes Reiseziel mit Kind?
  4. Letztes Reiseziel ohne Kind?
  5. Das coolste am Muddi-Sein?
  6. Der schlimmste Tag als Muddi?
  7. Was bedeutet Vereinbarkeit für dich?
  8. Hattest du schon Regretting-Motherhood-Momente?
  9. Welche Musik läuft an einem guten Tag?
  10. Was liest du bei anderen Blogs am liebsten?
  11. Was machst du an einem freien Tag ohne Kind?

Und hier nochmal die Liebster-Award-Regeln

Danke der Person, die dich für den Liebster-Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in deinem Artikel.
Beantworte alle 11 Fragen, die dir der Blogger stellt, der dich nominiert hat.
Nominiere 5 – 11 weitere Blogger für den Liebster-Award.
Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
Schreibe diese Regeln in deinen Artikel über den Liebster-Award.
Informiere die von dir nominierten Blogger über deinen Artikel.

Ich freue mich, wenn ihr mitmacht und bin super gespannt auf eure Antworten!

Scream: Vom Schreien kalt erwischt

Es hat uns kalt erwischt. Ohne Vorwarnung. Ohne Vorbereitung. Einfach kalt erwischt. Schreien. Ein Thema, dass uns einfach so überrollt hat.

Ich war im Vorfeld keine große Baby-Ratgeber-Bücher-Leserin (gut, bin ich immer noch nicht) und vielleicht waren wir auch ein bisschen naiv. Doch in all den Erzählungen von der tollen kuscheligen ersten Zeit mit Baby kam das Thema „permanentes Schreien“ nicht vor. In den ersten Wochen schläft, trinkt und kuschelt ein Baby. Mehr nicht. Es schreit nur, wenn es Hunger oder die Windel voll hat. Sonst nicht. Zumindest wurde dieses Bild überliefert. Und dann hat man ein Kind, das schreit und schreit und schreit. Vor dem Stillen. Nach dem Stillen. Vor der frischen Windel. Nach der frischen Windel.

Bäm! Schock! Denn unsere Kleine fing bereits in der ersten Nacht daheim an zu schreien. Nicht nur ein bisschen. Nicht wegen Hunger. Sondern plötzlich, ausdauernd und in einer Lautstärke, die ich dem kleinen Würmchen nicht zugetraut hätte. Ja, unsere Tochter hat ein Organ.

Wir hatten von Drei-Monats-Koliken noch nicht viel gehört und von so genannten Schreikindern (ich verabscheue dieses Wort!) hatte ich keine Ahnung. Obwohl ich Mini nicht als solches bezeichnen würde. Dazu reichte laut Definition!? ihre Schreidauer nicht aus. Definitionen sind bei diesem Thema sowieso schwierig. An manchen Tagen hat sie immer, wenn sie wach war, geschrien. Manchmal nur abends. Dann wieder einen Tag nicht und dann wieder jeden Tag. Das passte nie so richtig in das Schema. Wir waren ratlos. Und genau hier setzt dann etwas ein, was wohl viele Neu-Eltern in dieser Situation erleben. Viele Experten sagen und raten viele Dinge zu dem Thema. Die Hebamme sprach direkt von Drei-Monats-Koliken. Der Arzt wiederum von Regulationsstörungen, da es Drei-Monats-Koliken eigentlich nicht gebe. Denn so richtig bewiesen sei die ganze Sache nicht. Allerdings müsse sich die Verdauung des Kindes erst einpendeln und viele Babys hätten anfangs damit zu kämpfen. Die Osteopathin sprach von Blockaden. Das Internet von Geburtstrauma und allen möglichen anderen Dingen.

Es wurden Öle, Zäpfchen, Kügelchen, Lefax, Fönapp, Haltetechniken sowie Schnick und Schnack empfohlen und ausprobiert. Massagen wurden angepriesen (schon mal eine Bauchmassage bei Bauchschmerzen bekommen? Hat man da Bock drauf? Unser Baby nicht!) und immer wieder auf den Fliegergriff oder das Pucken verwiesen. Hätte mir in der Zeit übrigens noch einmal jemand den Fliegergriff zur Linderung empfohlen, wäre ich aus dem Fenster gesprungen. „Ja, den kennen wir. Ja, machen wir. Nein, es hilft nicht immer! Nein, wirklich nicht! Jetzt echt nicht! NEIIIIN!“

Wir haben uns ziemlich verwirren und auch viel aufschwatzen lassen und im Nachhinein kann ich sagen: man muss da einfach durch. Denn so richtig nachweisbar geholfen, hat uns von dem ganzen Kram nicht viel. Klar meint man, dass das eine oder andere etwas Linderung verschafft hat, aber wir wissen es nicht und die Medizin anscheinend auch nicht. Denn einen medizinischen Befund gab es nicht und Medikamente dagegen somit auch nicht. Klar kann man Lefax und Co. geben, aber das will man auch nicht über Wochen und Monate. Außerdem weiß man auch hierbei nie so richtig, ob es hilft. Es ist schon erstaunlich, welche komplizierten medizinischen Eingriffe möglich sind und dennoch stellt das Schreien von Babys Ärzte, Hebammen und Eltern immer noch vor ein Rätsel.

Wir haben übrigens viel Geld für homöopathisch Mittel ausgegeben. Da wurde uns eine Menge empfohlen. Es gibt Globuli mit den tollsten Namen, die laut Internetforen Wunder wirken. Geholfen hat es in unserem Fall nicht. Es ist vielleicht eine Glaubenssache, obwohl wir wirklich für alles sehr offen waren. Letztendlich muss es jeder für sich entscheiden. Mittlerweile sind mein Mann und ich uns übrigens sicher, dass es Bauchschmerzen/Koliken waren. Sie hatte von Anfang an und auch später noch Probleme mit der Verdauung.

Was hat geholfen?* Wir waren einfach für sie da. Nähe. Geborgenheit. Haben sie gehalten und versucht sie zu beruhigen. Haben uns abgewechselt. Das war ganz wichtig und der beste Tipp der Hebamme. Mal alleine kurz rausgehen. Durchatmen. In Schichten trösten. Manchmal auch sich gegenseitig. Wir sind dabei an unsere Grenzen gekommen.

Das Schreien lässt den Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen. Man verkrampft. Das Baby tut einem so Leid und gleichzeitig will man nur noch, dass es aufhört. Kein schönes Gefühl. Manchmal keimt Verzweifelung auf. Alltägliches wird zur Herausfordereung. Verabredungen mit anderen Muddis zum Kaffee werden zur Belastungsprobe, falls man hingeht. Alles wird schwierig.Und dann ist man ja auch noch angeschlagen von der Geburt. Kämpft mit dem Schlafmangel und den Hormonen und alles ist neu.

Drei Monate können eine lange Zeit werden. Aber tatsächlich wurde es nach acht Wochen schon besser und nach 12 Wochen war unser Baby wie ausgewechselt. Mit der Verdauung hatte sie noch eine Weile zu kämpfen, aber es ist immer besser geworden. Das war unser Strohhalm, dass es besser wird. Denn wir wussten, dass wir ein fröhliches kleines Mädchen haben und sie das auch sein würde. Und: sie ist es. Heute schreit sie nur noch selten. Wenn sie müde ist und nicht in den Schlaf kommt oder wenn sie krank ist.

* Diese Dinge haben unserer Meinung nach zwischendurch auch mal etwas Linderung verschafft: Kümmelzäpfchen, Herumtragen und durch die Wohnung laufen, Fön-App.

Bauchgefühl vs. Google?

Da ich nie Ratgeber-Bücher gelesen habe, wusste ich vor der Geburt meiner Tochter nicht viel über Babys. Ich wollte irgendwie unbefangen an die Sache rangehen, mich nicht vorher schon verrückt machen, was mein Kind wann können muss und welche Probleme auftauchen könnten. Und ich wollte vor allem eines: auf mein Bauchgefühl hören. Dann habe ich gemerkt, dass genau das gar nicht so einfach ist.

Meine Oma (Jahrgang 1898, nein das ist kein Tippfehler und ja, sie ist natürlich schon tot) hat neun Kinder bekommen. Meine Mutter war die Jüngste und ich war dann auch wiederum die Jüngste (deshalb der krasse Altersunterschied). Bis auf meine Mutter hat sie alle Kinder zu Hause bekommen. Ich wette, dass sie in ihrem Leben nicht einen einzigen Ratgeber gelesen hat, geschweige denn einen Geburtsvorbereitungs- oder -nachbereitungskurs besucht hat. Sie hat kein einziges Kind verloren. Alle waren gesund. Trotz Krieg. Trotz widriger Umstände. Daran muss ich oft denken, wenn ich im Pekip-Kurs sitze und wir ausführlich über Pre-Nahrung, Bio-Brei oder Schlafrituale reden. Oder auch, wenn ich wieder so Sachen wie „Schorf auf der Kopfhaut“ oder „Wann mit Beikost starten?“ bei Google eingebe. Oma hatte kein Internet. Sie hatte keinen Ratgeber mit dem Titel „Oje, ich wachse!“. Sie hatte sicherlich auch andere Probleme.

Nichts gegen diese Bücher. Wenn sie helfen und Orientierung bieten – toll. Dennoch glaube ich, dass Ratgeber auch oft gerade Erst-Muddis ordentlich verwirren. Da hat ein Autor einen bestimmten Ansatz, eine Theorie oder eine bahnbrechende Methode das Kind zum Schlafen oder Essen zu bringen und ein anderer Experte rät genau das Gegenteil. Viele Ratgeber, viele Meinungen. Ähnlich ist es mit dem Internet. Foren verwirren. Viele Meinungen verwirren. Und: sie trüben oftmals die Intuition. Manchmal glaube ich, dass wir vielleicht sogar ein wenig verlernt haben, auf unser Bauchgefühl zu hören, weil wir mit Infos und Meinungen zugespamt werden. Haben wir etwa verlernt, unseren mütterlichen Instinkten zu folgen?

Klar, ist der Austausch mit anderen Müttern wichtig und natürlich ist man wissbegierig. Das ist ganz normal. Familie und Freunde geben Tipps und Ratschläge. Dennoch bin ich froh, dass ich nicht schon im Vorfeld wusste, was im ersten Jahr alles so passiert. Es ist passiert und dann habe ich mich damit beschäftigt. Klar, auch ich habe mich anfangs verwirren lassen von anderen Müttern oder Google-Suchergebnissen. Ich habe mir Bildergalerien von Baby-Stuhl angeguckt und tatsächlich mit dem Windelinhalt meiner Tochter verglichen, um zu sehen, ob die Farbe normal ist. Ich habe nach eingängier Forenecherche sogar Pups-Globuli gegen Koliken im Internet bestellt.

Irgendeine Mutter kennt immer irgendwen, dessen Baby dies und das hatte oder dieses oder jenes passiert ist. Erst-Muddis können anstrengend sein und sie können sich gegenseitig verrückt machen. Nachdem ich einmal panisch beim Kinderarzt saß, weil mehrere Frauen in einem Baby-Kurs der Meinung waren, dass der Bauch meines Kindes irgendwie komisch aussieht und weder ich und der Arzt etwas erkennen konnten, hatte ich die Schnauze voll. Ich dachte nur: Meine Oma hätte mich jetzt ausgelacht – zu Recht. Ich hab mir dann vorgenommen, weniger auf Andere zu hören und wieder mehr auf mein Bauchgefühl. Sonst wäre ich verrückt geworden. Und: Es fühlt sich gut an. Essen, Schlafen, Wachsen – das alles läuft schon irgendwie. Haben andere Mütter ja auch hingekriegt.

Außerdem ist man oft fast schon besessen davon, zu wissen, warum ein Baby gerade eben nicht schläft, schlecht isst, schreit oder quengelig ist. Allgemeine Erklärungsversuche lauten: Zahnen, Wachstumsschub, Verdauung, Schnupfen oder, wenn gar nichts zutrifft: es ist Vollmond.

Einen Grund für das Verhalten von unserer Tochter haben mein Mann und ich in solchen Phasen jetzt immer parat und neben den ganzen anderen Gründen und Vermutungen trifft es das doch am besten: SIE IST EBEN EIN BABY! PUNKT. Klar ist ein Kind quengelig, wenn ein Zahn kommt oder irgendwas anderes wehtut. Klar gibt es ganz viele neue Eindrücke und Fähigkeiten, die auf das Kind einprasseln. Klar gibt es Schübe. Aber alle wollen immer Erklärungen. Wieso? Weshalb? Warum? Die Babyforen sind voll davon. Dabei ist es doch (abgesehen natürlich von Krankheitssymptomen) ganz einfach. ES IST EIN BABY! Das muss man nicht immer verstehen. Und: Öfter mal auf das Bauchgefühl hören.