#regrettingbloggerhood: Vom Lieben und Bereuen…

Blogger-Burnout? Zu viel Druck? Panik vor einem verbalen Fäkalien-Hagel im Netz oder Lästereien in der realen Welt? Oder sind es einfach nur Bedenken, zu viel von sich und seiner Familie preis zu geben? Diese Fragen haben mich bei meiner Blogparade zum Thema #regrettingbloggerhood beschäftigt. Ich wollte wissen, wie es anderen Bloggern damit geht. Sind es eher Zweifel oder bereuen sie tatsächlich manchmal das Bloggen? 

Muddi hat gefragt und 31 Blogger haben geantwortet! Die super Resonanz hat mich total umgehauen! Die Blogparade bereue ich somit schon mal nicht. 

Was fast alle 31 Artikel gemeinsam hatten: Alle lieben es zu bloggen und wollen es auch nicht aufgeben. Viele sehen das Schreiben als kreatives Outlet oder als Ausgleich zum Alltag. Einige auch als virtuelles Zeitzeugnis – als Tagebuch, welches sie ihren Kindern einmal hinterlassen. Vielen gehen dabei ähnliche Grundgedanken durch den Kopf:

  • Warum mache ich das eigentlich?
  • Wie viel Öffentlichkeit kann ich meinem Umfeld, aber auch mir selbst zumuten?
  • Soll ich Fotos von den Kindern veröffentlichen? 
  • Schreibe ich für mich oder für meine Statistik?
  • Wie professionell möchte ich das Bloggen betreiben?

Da ich es schwierig finde, 31 Texte von tollen Bloggern hier mal eben zusammenzufassen und hinterher doch nur eine Linksammlung zu präsentieren, habe ich mich dazu entschlossen, die für mich besten und interessantesten Zitate zum Thema einmal vorzustellen. 

#regrettingbloggerhood in Zitaten: 


„Und es macht mir Angst. Denn will ich die gläserne Mutter sein? Ist mir mein Leben nicht zu wertvoll, zu heilig, mein Glück nicht zu filigran, meine Gefühle nicht zu zart, als das jeder sie durch seine Finger drehen kann?“ (Miriam von Emil & Ida)


„Was ich schreibe ist real, genau so passiert, doch es ist nur ein Teil von mir. Ich möchte nicht alles im Internet zeigen und diskutieren.“ (Sarah von Mamaskind)


„Ich beschreibe Szenen und lustige Momente in Artikeln und lasse euch in meinen Alltag schauen. Ich sammle damit jedoch auch für später. (…) Eines Tages, das weiß ich, werde ich all diese Geschichten bündeln und werde sie den Kindern mitgeben.“ (Alu von Grosse Köpfe)


„Aber mit dem Blog kommt die Leserschaft und mit ihr halt auch ein gewisser Druck regelmäßig Content zu produzieren.“  (Perlenmama)


„Unbequeme Kommentare und Kritik kommen zwangsläufig. Wenn ich das nicht vertragen würde, bräuchte ich mit dem Bloggen erst gar nicht beginnen.“ (Anke von Mama geht online)


„Ich muss euch nicht alles mitteilen, worüber ich nachdenke, mich aufrege oder amüsiere. Mein Leben wird nicht gewaltsam von irgendjemand anderem an die Öffentlichkeit gezerrt, sondern ich bestimmte selbst, was ich veröffentliche.“ (Steffi von Kiwimama)


„Ich bereue nicht die zermürbende, anstrengende Arbeit von früher, nicht die Leute von früher, nicht meine Kinder, nicht meinen Weg mit Ihnen, nicht meinen Blog und auch nicht, dass ich darüber schreibe.“ (Kathrin von ÖkoHippieRabenmutter)


„Aber meine Schere gibt es doch. Die Welt um mich herum ist es, die mich manchmal am Bloggen zweifeln lässt. Nicht die kleine Welt, die große. In der Kinder verdursten, in der Menschen sich auf Schlauchbooten übers Meer fahren lassen, in der Beiträge über Familien in ausgebombten Straßenzügen hämische Kommentare ernten und in der der Rassismus wieder salonfähig geworden ist. Das Internet ist zu einem Ort des Hasses geworden. Kann man hier noch Frühjahrsdiäten posten oder Strickmodelle?“ (Sabine von Fadenvogel)


„Ich schreibe über Kinderzeug, aber das ist mein Leben und das ist das einzige was ich gut kann.“ (Lisa von Mama kreativ)


„Meine Leser sehen nur Ausschnitte. Das gilt auch für die Themenwahl. Alles, was ich schreibe, dürfen auch Nachbarn oder Kollegen lesen. Habe ich dabei ein schlechtes Gefühl, ist die Idee für den Post gestorben.“ (Regine von Raise and Shine)


„Keine privaten Probleme, keine intimen und vertrauten Gespräche. Ich werde weder ein Foto meiner Tochter, noch meines Mannes posten, denn  ihre Privatsphäre ist mir heilig.“  (Anna von Never looked so beautiful)


„Und dann, ja dann beschleicht mich eben manchmal das Gefühl es einfach zu lassen. Dann bereue ich es tatsächlich ein klitzekleines bisschen zu bloggen.“ (Kerstin von 30 rockt!!!)


„Im Großen und Ganzen ist ein Blog immer etwas sehr Persönliches, und es lauert tendenziell an jeder Ecke die Gefahr: wenn man meinen Blog nicht mag, dann mag auch mich keiner. Weil Blog = Ich.“  (Ani von a83)


„Ich stehe zu allem, was ich je gebloggt habe. Die Motzereien über Claire, meine Ängste, Sorgen und Zweifel, mein Ärger mit der Mutterrolle. Diese Beiträge dokumentieren den Prozess, den ich gebraucht habe, um an den Punkt zu kommen, meine Mutterrolle zu akzeptieren.“  (Yasmin von Die Rabenmutti)


„Natürlich habe ich bei bestimmten Themen ‚Angst‘ , dass ‚die falschen Personen‘ mitlesen und mich vielleicht drauf ansprechen / verurteilen oder was auch immer.Doch genau diese Themen, bei denen ich diese Angst verspüre , veröffentliche ich lieber auf anderen Blogs.“ (Lisa von Geborgen und geliebt)


„Wenn ich keine Lust mehr hab oder anders angefeindet werde, dann lass ich es eben. Deswegen habe ich auch keine Angst davor auch mal problematische Themen abzureißen.“ (Ludwig von Becherwürfel


„Angst machen mir die Dämonen, die im Dunkel der Ecke lauern und nur darauf warten, zuzubeißen. Wer ist da draußen? (…) Manchmal, in dunklen Momenten, da bereue ich das Bloggen. Manchmal, da möchte ich alles hinwerfen. Manchmal werde ich beinahe paranoid und setze alle „kritischen“ Beiträge auf „privat“, nur um sie später doch wieder zu veröffentlichen.“  (Larissa von No Robots Magazine)


„Zum Bloggen fehlt mir meist die Energie. Die Antriebslosigkeit wird wiederum verstärkt durch die wachsenden Zweifel: Warum das Ganze? Ein Teufelskreis.“ (Daddy Dahoam)


„Tatsächlich habe ich kurz überlegt, mit dem Bloggen aufzuhören, als ich mitbekommen habe, dass mein Vater mitliest, mit dem ich seit vielen Jahren keinen Kontakt habe. Es hat mich gestört (und das tut es auch heute noch), dass er auf diesem Wege so viel über mein Leben erfährt, ohne sich die Mühe machen zu müssen, tatsächlich mit mir in Kontakt zu treten.“ (Biene von Klitze-kleine Dinge)


„Natürlich schreibe ich nicht über jedes persönliche Detail, über jede persönliche Anekdote, sondern wäge sorgfältig ab, was öffentlich vertretbar ist und was eventuell nicht. Auf der Straße oder im Hausflur weiß ich doch auch, wem ich was erzählen möchte.“ (Tobias von Weddinger Berg)


„Meine Blogbeiträge sind nicht nur für mich Erinnerungen an meine Erfahrungen als junge Mama, sondern auch wunderschöne Geschichten über die Entwicklungsschritte meiner Tochter.“  (Steffi von Mami und ich)


„Ich fragte mich nach jedem Post „So – und wer hasst mich jetzt?“ Ja, ich hätte fast das Handtuch geworfen, wenn ich das Schreiben nicht so sehr Lieben würde.“ (Marsha von Mutter und Söhnchen)


„Man kann nicht von allen geliebt werden und es auch nicht allen recht machen und das ist gut so. Das Schöne an Blogs wie in vielem im Leben ist ja: man kann sie auch ignorieren…“ (Lorelai von Mama mal 2)


„Beim Blick in meine Statistik möchte ich dann manchmal schon alles hinschmeißen. Aber bereue ich das Bloggen deshalb gleich?NEIN.“  (Kerstin von Mamahoi)


„Wer weiß wohin wir ´treiben´ werden mit diesem Blog…So viele Ideen die es noch zu verwirklichen gibt. Doch alles zu seiner Zeit! Kein Stress, kein Zwang, keine Hektik!“ (Nadine von  OffshorePapaOnlineMama)


„Es gibt nichts zu bereuen. Denn, was ich schreibe, schreibe ich bewusst. Ich weiß, was es in mir auslöst. Ich ahne, welche Feuer es entfacht, wie heiß und glühend die Glut ist, und wieviel Asche es hinterlässt.“ (Juliane von einfach nur sein)


„Die Kunst des Bloggens liegt vermutlich ohnehin darin, einen Eindruck von ganz viel Nähe zu vermitteln – ohne die teils ja sehr große Leserschaft zu nah an und in das eigene Leben zu lassen.“ (Sophie von Kinder haben…und glücklich leben)


„Ständig um neue Leser bemüht fühle ich mich wie in einem Hamsterrad und der Blick auf meine Klickraten macht mich manchmal mürbe. Dennoch: ich schreibe einfach gerne, und das auch für ein kleines Publikum.“ (Laura von Heute ist Musik)


„…ich bereue es, zu wenig zu bloggen! Denn alles was ich hier über mich und meine Projekte erzähle unterliegt meiner Kontrolle. (…) Alle Beiträge spiegeln meine Interessen wieder und ich hinterlasse damit Spuren.“ (Stefan von stefan-graf.com


„Manchmal wünschte ich mir, den Blog anders aufgezogen zu haben. Weniger emotional und persönlich. Ich sehe das Glas oft halb leer, obwohl ich dadurch nicht unglücklich bin.“ (Sabine von Daheim und mehr)


Bei aller Anonymität, die ich mir bewahre, bin es doch ich, die hier schreibt. Mein Blog spiegelt mein Leben wieder und wer hier regelmäßig liest kennt mich wahrscheinlich besser, als mir bewußt, oder lieb ist.“ (Andrea von Kinderalltag)


 

Ich danke Euch nochmal fürs Mitmachen. Es sind so tolle Texte entstanden und es macht mich ein bisschen stolz, dass wir gemeinsam eine echt einzigartige Sammlung zusammen getragen haben. Mit so vielen verschiedenen Facetten und Herangehensweisen. Super auch: Es gab auch etliche Teilnehmer, die nichts mit dem Thema „Familie“ zu tun haben. Das gab nochmal interessante Einblicke! 

Da das Thema gerade wieder an anderer Stelle eifrig diskutiert wird, bleibt es aktuell!

In diesem Sinne: Je ne regrette rien! Immer schön weiter machen! Rockt die Bloggerie! 

What a week! Die Muddi-Geburtstags-Woche ist vorbei!

Puh! Es ist vollbracht! Ich hatte mir diese Challenge selbst auferlegt: Eine Woche lang jeden Tag ein Beitrag veröffentlichen! Anlass war mein erster Bloggeburtstag am 31. März. Natürlich hatte ich viele Artikel vorher geplant und geschrieben. Es hat auch riesig Spaß gemacht, die Aktionswoche zu planen und durchzuziehen. Dennoch: Acht Artikel in einer Woche ist viel und anstrengend. Vor allem, wenn man das alles nach der Arbeit und mit Kind wuppen muss. Ich habe die Artikel und Antworten oft zwischen 20 und 23 Uhr geschrieben, wenn meine Tochter im Bett war.

Aber die Reaktionen waren der Hammer! Danke! So viele Klicks, Likes, Kommentare und Mails in einer Woche! Toll!

Dennoch wird es Muddi nun wieder etwas relaxter angehen. Aber vielleicht nicht ganz so relaxt, wie vorher. So ein Mittelding. Ich hab schon wieder einige Ideen für Texte im Kopf. Es geht somit weiter!

Übrigens: die Verlosung und die Blogparade laufen noch! Also Mitmachen!

Eure müde Muddi!

Väter-Bashing: Darf man seinen Mann öffentlich doof finden?

Mal sind es Mütter, die bereuen – jetzt sind es Väter, die sich nicht kümmern. Morgen sind es vielleicht Mütter, die sich nicht kümmern und Väter, die bereuen. Wer weiß das schon. Die Trend-Themen in der Welt der Familienblogs sind schnelllebiger als Fake-Kettenbriefe zum Thema Kindergeld. Dennoch sind alle diese Themen natürlich nicht uninteressant. Denn: sie polarisieren. Der Traum aller Blogger. Allerdings bin ich bei der aktuellen Thematik extrem verwundert.

Zum Hintergrund: Einige Blogger haben ihrer Wut über faule Partner und nicht helfende Väter Luft gemacht. Das ist an sich nichts weltbewegendes. Dies online und öffentlich zu tun, dann aber anscheinend schon, denn es gab viele Kommentatoren, die das ätzend finden. Es wird kontrovers über das Thema diskutiert.

Ich denke man kann und darf vieles schreiben und veröffentlichen, allerdings sollte man sich etwaiger Konsequenzen bewusst sein. Auch, wenn man vermeintlich anonym im Netz unterwegs ist. Der Partner würde sich wohl fragen, warum die halbe Welt nun weiß, dass er ein fauler Sack ist, bevor die Frau mit ihm mal persönlich in aller Ernsthaftigkeit darüber gesprochen hat. Und die Kinder? Die würden es wohl auch leicht befremdlich finden, dass Mami Papi öffentlich als Doofmann hinstellt. Ich finde es befremdlich. Aber die Autorinnen werden sich diese Dinge sicherlich überlegt haben.

Was mich auch verwundert bei der Lektüre der Kommentare zu den Artikeln ist die Tatsache, dass es anscheinend viele Frauen gibt, die ihre Männer doof finden. Mütter, die vermeintlich ungewollt in eine sehr klassische Rollenverteilung gedrängt werden und deren Männer Haushalt und Kindererziehung eindeutig nicht zu ihren eigenen Themengebieten zählen. Hierbei handelt es sich um Mütter, die berufstätig sind und mit dem ganzen Kram im Alltag von ihren Männern alleine gelassen werden. Ich hörte von dieser Spezies Mann. Glaubte aber an eine aussterbende Gattung. Übrigens finde ich es völlig o.k, wenn Paare an klassischen Mustern festhalten, wenn beide Seiten dies wollen. Wenn aber beide arbeiten und einer sich aus dem Thema Haushalt völlig raushält, sich ständig Auszeiten mit Freunden gönnt und nicht wirklich viel Interesse an Interaktion mit den Kindern hat, dann wäre ich auch nicht amused. Allerdings wäre ich mit so einem Mann auch nicht zusammen. Denn über Nacht werden Menschen ja nicht so. Keine Ahnung. Vielleicht mutieren manche modernen Männer auch zu Steinzeit-Menschen, sobald Kinder auf der Welt sind. Ich weiß es nicht. Für mich gehört die Aufgabenteilung daheim auch vielleicht eher in die Privatsphäre einer Partnerschaft. Ein Artikel über einen doofen Mann ändert ja nichts an der akuellen Situation zu Hause. So oder so muss man irgendwann das Gespräch suchen und Lösungen finden. Oder eben Konsequenzen ziehen, wenn es für einen selbst nicht mehr tragbar ist. Aber da sind alles sehr intime Dinge. Bleibt dennoch die Ausgangsfrage: Darf man seinen Mann online bashen?

Klar, darf man. Es ist eine Stilfrage, ob man es tut. Muss immer alles öffentlich sein? Wie würde ich es finden, wenn ich einen solchen Artikel von meinem Mann über mich online entdecken würde? Ganz ehrlich? Ich wäre verletzt und fassungslos. Und: Mein Mann hätte ein ziemlich großes Problem.

Keine Frage: Ich finde es super wichtig über Rollenmuster und solche Themen öffentlich zu diskutieren und zu sprechen, aber vielleicht sollte man ein anderes Stilmittel benutzen.

Übrigens wollte ich erst einen Artikel darüber schreiben, warum mein Mann nicht doof ist. Er wollte das aber nicht.

Hier der Text, der den Stein ins Rollen gebracht hat. Bloggerin Teilzeitmutter hat sogar eine Blogparade zu dem Thema gestartet. Mit dem Aufruf, dass alle Muddis mal kräftig ablästern dürfen.

Schnullerschnuten statt Saufbilder: Gastvaddi will seine Freunde zurück!

Heute gibt es eine Premiere bei Muddi: Ich habe einen Gastautoren am Start. Warum? Weil ich eine andere Perspektive – in diesem Falle eine männliche – spannend finde. Bei dem Gastvaddi handelt es sich um einen Freund und Ex-Redakteurs-Kollegen. Er ist Journalist, Vater einer Tochter und bekennender Serienfreak. Es gibt somit einige Parallelen, auch weil seine Tochter nur ein paar Wochen älter ist, als meine. Somit: Viel Spaß beim Fremdlesen!

Neulich im Gespräch mit einer Freundin. Sie: „Manchmal hab ich das Gefühl, nur noch mit Säuglingen und Kleinkindern befreundet zu sein.“ Ich: „Hä? Wieso das denn?“ „Guck mal bei whatsapp. Alle Muddis haben in ihrem Profilbild ein Foto von ihrem Kind.“ Kurzer Check meiner Kontaktliste. Dann: „Okay, könntest recht haben. Sieht bei mir nicht anders aus.“

Keine sich am Strand räkelnden Bikinikörper mehr, keine Strahlegesichter über Sektflöten und auch keine Silhouetten vor karibischen Sonnenuntergängen. Dafür erste Zähne, kahle Schädel und Kulleraugen über Schnullerschnuten.

Und was haben wir dann gemacht aus unserer bahnbrechenden Beobachtung? Haben wir über den grundsätzlichen Umgang von whatsapp mit Nutzerdaten philosophiert? Nö. Wir haben auch nicht dieser ermüdenden Diskussion über Kinderfotos im Netz ein neues gähnend langweiliges Kapitel hinzugefügt. Vielmehr ging es meiner Bekannten darum, deutlich zu machen, wie sehr sie das Nachwuchsgeposte nervt: Denken die nur noch an ihre Kinder, kein eigenes Leben mehr, total fixiert auf ihre Rolle als Muttertier… Während sie sich in Rage redete, checkte ich die Vaddies in meiner Freundesliste. Gab auch n paar Kinderzeiger. Aber deutlich weniger als bei den Ladies. Außerdem waren die Damen aktualisierungsfreudiger.

Sämtliche Bilder, die ich anklickte, waren wahlweise total witzig/süß/schön und manche vor dem Veröffentlichen noch schnell durch den Weichzeichner gedrückt worden. Da überlassen fürsorgliche Eltern nichts dem Zufall. Soll ja nicht der falsche Eindruck entstehen, man habe ein völlig normales Kind in diese Welt gesetzt. Wie sagte doch ein Kumpel von mir: „Das eigene Kind ist immer das Süßeste.“ Trifft das nicht zu, kann es zumindest – instagram und Photoshop sei Dank – so rüberkommen. Die Handykamera ist ohnehin ständig im Anschlag, um das junge Leben lückenlos zu dokumentieren und unaufgefordert mit der ganzen Welt den engsten Freunden zu teilen.

Mag das auch alles seine Berechtigung haben und in zig Studien untersucht worden sein, wenn ich so durch meine Kontaktliste scrolle, ertappe ich mich doch immer wieder bei der Frage:
Warum machen Muddis das (so viel stärker als Väter)?
Und wenn es beispielsweise Liebe und/oder Stolz sein sollte – lieben die Eltern, die keine Fotos posten, nicht genug?

Manchmal möchte ich all den Muddis und Vaddis zurufen: Ich mag eure Kinder (zumindest die meisten), finde sie wirklich süß und freue mich, sie gelegentlich sehen und in Action erleben zu dürfen. Aber mit den Kleinen bin ich (noch) nicht befreundet, und seitdem wir unsere Kinder haben, sehe ich euch alle ohnehin viel seltener als früher. Deshalb lasst mir doch wenigstens die Freude, euch selbst in euren Profilbildern bei whatsapp zu sehen.

P.S.: Vor einigen Tagen ist die Freundin (s.o.) zum ersten Mal Mutter geworden. Sechseinhalb Tage nach der Geburt ihres Sohnes zeigte ihr Profilbild bei whatsapp die Füße des Kleinen…

Nach dem Kind ist vor dem Kind? Ein Plädoyer für Einzelkinder!

Fünf mal wurde ich in der vergangenen Woche gefragt, ob ich noch ein zweites Kind haben will bzw. wann ich mein zweites Kind bekomme. Das ist Rekord. Normalerweise höre ich diese Frage ein bis zwei Mal im Monat. Es stört mich ja nicht, mit guten Freunden über Kinderwunsch und Familienplanung zu reden. Aber es nervt mich, wenn mich alle möglichen Leute darauf ansprechen. Was mich aber noch mehr nervt ist, dass wenn ich mit „Ich weiß noch nicht, ob ich überhaupt ein zweites Kind möchte!“ antworte, meist Entrüstung ernte. Eine Kollegin sagte letztens auf einer Party ganz empört: „Das kannst du doch nicht machen! Deine Tochter soll doch kein Einzelkind sein. Kinder brauchen doch Geschwister!“ Ein Versicherungsvertreter, sagte ein paar Tage später sogar: „Sie sollten am besten jetzt direkt nachlegen. Kein Mensch will ein Einzelkind und dann ist das mit dem Altersabstand nicht so doof!“ Ich danke diesen Menschen für ihren Input. Aber eigentlich möchte ich von relativ fremden Leuten keine Meinung zu meiner Familienplanung hören.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle mal eine Lanze für alle Einzelkinder da draußen brechen! WIR HABEN EUCH LIEB! Warum nimmt man immer an, dass Kinder bessere Menschen werden, wenn sie Geschwister haben. Einzelkinder haben einen miesen Ruf. Sie seien egoistisch und hätten Defizite im Sozialverhalten heißt es dann immer. Ich kenne Einzelkinder in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Das sind alles recht normale Leute. Andersherum kenne ich aber sehr viele Menschen, die Ärger mit ihren Geschwistern haben. Zerstritten sind, ums Erbe streiten oder einfach keinen Draht zueinander haben.

Und dann diese Diskussionen um den richtigen Altersabstand zwischen Geschwistern. Letztendlich ist es egal. Geschwister, die nur zwei Jahre auseinander sind, haben manchmal gar keinen Bock miteinander zu spielen. Man kann so etwas eben nicht planen. Jedes Kind ist anders. Jeder Mensch ist anders. Ich liebe meine Schwestern und bin froh, sie zu haben. Sie sind sieben und neun Jahre älter als ich und das hat für mich nie einen Unterschied gemacht. Ich hatte immer große Schwestern, die für mich da waren oder mich eben geärgert haben. Es hätte aber auch sein können, dass wir uns total ätzend finden. Ich hatte eine allerbeste Freundin als Kind, die war im gleichen Alter, wohnte nebenan und sie war wie eine Schwester für mich. Wir haben alles zusammen gemacht und waren sogar gemeinsam im Urlaub. Sie war Einzelkind. Sie war jeden Tag bei uns. Manchmal macht es eben keinen Unterschied, ob Freundin, Cousine oder Schwester. Natürlich ist es schön zu wissen, dass jemand da ist und ich empfinde Geschwister als Bereicherung, dennoch glaube ich nicht, dass ich meinem Kind seelischen Schaden zufüge, wenn es Einzelkind bleibt. Es bekommt Liebe und wächst in einer großen Gemeinschaft aus Eltern, Großeltern, Tanten, Onkels, Freunden und ganz vielen Cousins und Cousinen auf – darauf kommt es an.

Außerdem möchte ich dann ein Kind bekommen, wenn wir als Familie dafür bereit sind und wenn ich es wirklich möchte. Nicht, weil man zwei Kinder haben muss. Wie oft höre ich den Satz: „Am besten kriegt man die zwei schnell hintereinander weg, dann hat man es hinter sich!“ Ich will Kinder gar nicht „schnell hinter mich bringen“. Entweder bekomme ich welche, weil ich das unbedingt will oder ich lasse es bleiben. Letztens hat eine Mutter aus dem Pekip-Kurs ihre erneute Schwangerschaft so verkündet: „Ich hab mir gedacht, ich will es jetzt schnell weg haben, dann hab ich in vier Jahren vielleicht wieder Zeit für mich!“ Das ist eine grauenhafte Aussage. Klar, schreiende Babys und schlaflose Nächte sind nichts, worauf man sich total freut, aber man muss ja keine Kinder kriegen. Niemand zwingt uns. Man muss auch keine zwei Kinder haben, weil man das eben so macht. Wenn ich ein zweites Kind bekomme, dann, weil mein Mann und ich es wirklich wollen. Beide. Ich muss das von innen heraus fühlen und nicht, weil ich auf den perfekten Altersunterschied hin arbeite oder weil ich es muss. Vielleicht kommt dieses Gefühl nächste Woche, vielleicht nie, aber dann ist das so. Dann kann es ja auch immer noch sein, dass es gar nicht klappt. In der Zwischenzeit mache ich mir einen Spaß daraus und „schocke“ Leute mit der Aussage, dass ich schon immer ein Einzelkind haben wollte.

Arschlochkinder – ein Phänomen in der Diskussion

Vor ein paar Tagen habe ich den Artikel „Gibt es Arschlochkinder wirklich?“ veröffentlicht. Es ging dabei um eine unliebsame Begegnung mit ein paar Kindern auf einem Sommerfest und die Frage, ob Kinder wirklich schon Arschlöcher sein können. Der Beitrag ist innerhalb von 24 Stunden mehr als 500 Mal geteilt worden. Auch Bloggerin Bea von Tollabea hat meinen Artikel bei Facebook geteilt und die Resonanz war überwältigend. Ich erlebte einen richtigen Ansturm auf meinen Blog. Innerhalb weniger Stunden haben mehr als 2000 Besucher den Artikel angeklickt und es wurden insgesamt rund 100 Kommentare bei Facebook und auf meiner Seite gepostet. Die Diskussion wurde sehr kontrovers geführt. Klar, das Wort „Arschlochkind“ polarisiert. Auch ich hatte ja meine Probleme mit dem Ausdruck. Dennoch, die Diskussion zeigt: Es ist was dran an dem Phänomen. Es bewegt und spaltet die Leser.

Die großen Fragen bei dem Thema: Was kommt von den Genen und was macht Erziehung aus? Und was ist mit Kindern, die sich aufgrund von Krankheiten wie dem Asperger-Syndrom auffällig verhalten? Kann ein Kind einfach von Geburt an einen fiesen Charakter haben oder ist es ein Produkt von Erziehung und Umwelt? Oder ist die Aufteilung 50/50 wie es erst kürzlich in einem Artikel in der Zeit Online stand, als es um die Weitergabe von Intelligenz ging? Da sich über diese Thematik schon seit Jahrzehnten Pädagogen und Psychologen uneinig sind, werden wir an dieser Stelle wohl keine Lösung finden. Aber: Ich möchte hier einmal ein paar Positionen und Meinungen der Leser von der Facebook-Seite von Tollabea präsentieren, wo mein Artikel unter anderem geteilt und heftig diskutiert wurde. Außerdem habe ich ein paar tolle Artikel anderer Bloggerinnen zu dem Thema gefunden, die verschiedene Perspektiven beleuchten. Ich persönlich glaube übrigens, dass die Thematik komplexer ist, als auf den ersten Blick ersichtlich. Und: Ich bin der Meinung, dass sowohl Justin und Chantal, als auch Friedrich-Konstantin und Marie-Louise fiese Kinder sein können:)

Viel Spaß beim Lesen*:

  • „Kinder, so zu bezeichnen, ist ja wohl das Letzte. Da frage ich mich ernsthaft, wer hier Das Ar…ist. Klar ist man frustriert, wenn die eigenen Kinder betroffen sind. Aber es sind immer noch Kinder. Als wenn hier, alle als Kind, Engel wahren. Früher hießen sie Rowdies und jetzt Ar…Kinder?? Pfff…“
  • „Es gibt definitiv welche, unbestreitbar. Ich kenne auch einige Kinder von der Sorte… Wobei ich die Meinung vieler hier nicht teilen kann, dass die Eltern immer asozial sind oder antiautoritäre Erziehung praktizieren. Ich kenne auch Eltern, die ich sehr gerne mag, die verzweifelt versuchen ihr Kind zu erziehen und es einfach nicht schaffen, weil das Kind ständig bockig und uneinsichtig ist. Ist halt der Charakter, dagegen kann man nicht viel tun.“
  • „Meiner Meinung nach steht hinter jedem A-Kind die A-Eltern. Also wenn es wirklich so was wie A-Kinder gibt, sind sie so, weil ihre Eltern sie so geformt bzw. sie zu dem gemacht haben.“
  • „Kein Kind wird böse geboren. Bei manchen versagen die Erziehungsberechtigten, andere haben in ihrem kurzen Leben unsäglich schlimme Dinge erlebt, wieder andere haben tatsächlich ein „Handicap“ im sozialen Umgang und in ihrer Wahrnehmung. Natürlich verteidige ich mein Kind gegen Angriffe, aber wer bin ich, dass ich über den Kontrahenten urteilen könnte?“
  • „Leute, Leute. Hört euch mal selbst reden. Habt Ihr eure eigene Kindheit und Kinderstube vergessen? Was ist bloß mit euch los? Es wird immer Kinder geben, die lauter, frecher, aktiver sind, als andere. Na und? Alles, was diese Kinder brauchen, ist EUER Lächeln, ein paar klare Regeln und die Geduld, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Einige von euch müssen dringend runter vom „Gott sei Dank nicht mein Kind“-Reden und „Alles nur Erziehungssache“-Thron! Früher gab es Rowdies und kleine Machos und Diven und heute auch. Punkt!“
  • „Ich halte weder was vom Titel „Arschlochkind“ noch von der These, dass es an der Erziehung und der vermeintlichen Nichterziehung durch die Eltern liegt. Jeder Mensch ist ein Individuum und somit spielt bei jedem etwas anderes eine Rolle, wieso er sich in solchen sozialen Konstellationen so oder so verhält. Ob Justin (Schublade auf, Klischee raus, Kind rein) nun einfach ätzend ist, seine Eltern sich nicht kümmern, er von älteren Geschwistern selbst gegängelt wird, ob er Asperger hat, keinen Schimmer von kleinen Kindern und der dazugehörigen Rücksicht, ob ihm an diesem Tag erstmals was gelungen ist und jetzt sind die Steine alle, ob er heut schon 100 Mal gesagt bekommen hat, was er falsch macht und jetzt rot sieht…. alles und nix davon ist möglich. Dem Kind zeigen: so geht es nicht, so toleriere ich das hier nicht ist wichtig. Die Eltern müssen bei 7/8 jährigen sicher nicht mehr am Rand des XXL-Duplo Bereiches sitzen. Also muss man halt selbst eingreifen. Da kann er toben und wütend sein wie er will. Und im Zweifel zieht man sich aus der Situation.“
  • „Es gibt sie und ich persönlich finde, es werden immer mehr.“
  • „Natürlich gibt es Arschlochkinder, woraus sollten sonst die ganzen Erwachsenen Arschlöcher erwachsen …. und ob das immer die Eltern oder das Umfeld sind? Unter Geschwistern kann auch ein einziges sein …“
  • „Ich kann zwar noch nicht aus Erfahrung sprechen, da bei uns noch alle äußerst süß und nett sind, aber ich glaub jedes Kind durchläuft eine Arschlochkinderphase.“
  • „Das sind die Manager von Morgen.“
  • „So wie wir unsere Genetik an den Nachwuchs weitergeben, so geben wir auch unsere Intelligenz mit. Das ist schon mal die Basis des „kleinen, neuen Menschen“. Der Rest des Sozialverhaltens resultiert aus Umgang und Erziehung. Ist die Basis aber schon mal weit unter dem Durchschnitt, ist das leider schon kein guter Start. Da die Basis ja bei den Eltern logischerweise auch nicht höher angesiedelt ist, wird dann auch fatalerweise so erzogen und zack: Fertig ist der Duplo Dieb….“

Weitere Kommentare findet ihr hier.

Auch andere Blogger-Kolleginnen haben sich mit dem Thema – wenn auch in anderer Form – beschäftigt:

Muttis Nähkästchen: „Ich bin eine Arschlochmutter“

kiddo.the.kid: „Dein Kind ist ein Arsch“

…und dann kam sie: „Dein Kind ist doof“

*Ich habe die Zitate weder inhaltlich noch grammatikalisch verändert, sondern nur ganz grobe Rechtschreibfehler verbessert.

Ein Abend ohne Kind: Date-Night!

Wir hatten es uns so schön ausgemalt. Ein abend zu zweit in einem Restaurant. Cocktails. Kerzenschein. Tapas. Ohne Kind. Die Großeltern hatten sich zum Babysitten angekündigt. Das hieß: Date-Night! YEAH! Der letzte Abend in trauter Zweisamkeit war schon eine Weile her. Es kommt ja immer was dazwischen. Das Leben. Oder das Kind. Naja, eben das Leben mit Kind.

Doch heute Abend hatten wir es vor. Alles klappte wie am Schnürchen. Das Töchterchen ließ sich ohne Murren von Oma zeitig ins Bett legen. Wir hatten uns ausgehfein gemacht. In Schale geschmissen und die Klamotten mit den Flecken in die Wäschetonne gekloppt. Die Nacht war lau. Wir schafften es sogar noch rechtzeitig ins Restaurant und bestellten übermütig wie zwei Teenager direkt zwei Jumbo-Cocktails vor Ablauf der Happy Hour. Wir scherzten mit dem Kellner darüber. Fühlten uns wie früher. Cocktails an einem Samstagabend. In einem Restaurant. Mit Erwachsenen. Ohne Hochstuhl und ohne Kinder. Auch mal ganz schön. Leichte Chill-Out-Klänge im Hintergrund und die Stimmung bestens.

Das Essen kam. Es war gut. Die Cocktails gingen gut runter. Doch dann um 20.40 Uhr das Unvorstellbare: wir können uns plötzlich kaum noch auf den Stühlen halten. Nein, nicht weil wir betrunken waren. Das wäre ja eine coole Geschichte. Wir waren plötzlich totmüde. Erst erstarrten nur die anfangs euphorischen und anregenden Gespräche. Stille. Wir guckten uns mit müden Augen an – daran änderte auch mein aufwendiges Augen-Makeup nichts mehr. Schließlich sprach ich das Unaussprechliche aus: „Bist du auch so furchtbar müde? Ich kann kaum die Augen aufhalten. Ich will schlafen!“ Mein Mann nickte mit schweren Augenlidern und erwiderte: „Meinst du es ist peinlich, wenn wir jetzt schon Heim gehen?“ Wir mussten lachen, aber nur kurz, weil wir zu müde waren. Wir hatten diesen Abend zwei Wochen lang geplant und uns ewig darauf gefreut, mal wieder zu zweit Essen zu gehen. Das konnte jetzt echt nicht sein. Die Großeltern waren extra angereist. „Das können wir nicht machen!“, sagte ich. Zu peinlich. Wir einigten uns, dass 22 Uhr etwas weniger peinlich für eine Rückkehr wäre. Mindestens bis dann durchhalten. Irgendwie. Es war armselig. Wir waren mal Partyanimals. Doch Schlafmangel ist einfach eine Bitch.

Wir brauchten frische Luft. Sonst hätte ich mich auf einer Bank eingerollt und wäre noch im Restaurant eingeschlafen. Ein Spaziergang brachte uns wieder nach vorne. Wir genossen es, einfach mal zu zweit Hand in Hand durch die Stadt zu gehen. Auch schön. Wir waren dann noch ganz verrückt und haben einen Absacker getrunken und tatsächlich bis Mitternacht durchgehalten. Wir waren stolz auf uns. Früher sind wir im Morgengrauen angeduselt nach Hause getorkelt. Heute stehen wir im Morgengrauen auf. So ist das eben. Aber Date-Night muss sein – auch, wenn man sich manchmal durchbeißen muss. Vielleicht fangen wir demnächst einfach früher an.

Senioren-Invasion oder „Der hat Hunger!“

Wenn man ein Kind hat, zieht man plötzlich eine Spezies magisch an, die einen vorher kaum eines oder eher nur eines mürrischen Blickes gewürdigt hat: wildfremde SENIOREN (wenn man von Begegnungen an der Fleischtheke: „Ich wusste nicht, dass die Schlange dahinten anfängt!“ oder auf dem Radweg: „Sie müssen ja nicht gleich klingeln, nur weil ich mal auf dem Radweg stehe!“ absieht). Die Mitmenschen werden plötzlich netter – zumindest die meisten. Selten wurde ich so oft angegrinst, einfach gegrüßt oder in ein Gespräch verwickelt. Mein Baby nimmt den Menschen die Scheu vor einer Kontaktaufnahme. Und sie nehmen anscheinend einfach an, dass man kein schlechter Mensch sein kann, wenn man ein Baby hat. So weit so gut. Ich finde das toll. Gucken und grüßen ist ja eine nette Sache.

Befremdlich finde ich hingegen die fehlende Scheu von manchen Leuten – vornehmlich älteren Frauen – zielstrebig auf den Kinderwagen zuzusteuern, reinzugreifen und das Baby einfach anzufassen. Da habe ich dann sofort die Melodie von MC Hammers: „U can’t touch this!“ im Kopf und würde mich am liebsten in Slowmotion vor mein Kind werfen. Ein paar Mal hätte ich nach so einer Begegnung am liebsten die Wange meiner Tochter disinfiziert und laut geschrien „Pfoten weg!“ (Stichwort: MUDDIERT!), aber meist meinen die Ladies das ja nett. Und: es nimmt einem relativ schnell den Wind aus den Segeln, wenn jemand sagt, wie niedlich, toll und super duper dein Baby ist. Somit habe ich mich bislang immer zurückgehalten, wenn wieder einmal eine Seniorin zur Streichelattacke ansetzte.

Neben den „Wangen-Streich-Seniorinnen“ gibt es aber auch noch die „Warum-schreit-ihr-Baby-Sie-machen-sicherlich-was-falsch-armes-Kind-Senioren“. Und manchmal, wenn die Sterne ungünstig stehen, wird man von einer Rentnerin attackiert, die beide Senioren-Typen verkörpert. Die Inkarnation den Bösen. Ich hatte diese Begegnung der dritten Art bislang nur einmal, aber das reicht auch völlig. Ich war gerade mit meiner Kleinen in der Innenstadt unterwegs. Wir waren im Baby-Kurs gewesen und danach hatte ich sie gefüttert. Sie war müde und quengelte im Kinderwagen noch ein bisschen rum. Ein bisschen Kopfstein-Pflaster-Geruckel reicht normalerweise aus, wenn die Kleine nicht in den Schlaf kommt. Doch sie wollte nicht so richtig und fing an zu schreien. Da unser Zwerg ein ziemliches Organ hat, zieht man recht schnell die Aufmerksamkeit auf sich. Unangenehm. Dann passierte es: Silver-Generation-Invasion: Prompt kam eine ältere Frau auf mich zugeradelt, stieg ab, eilte zum Kinderwagen, zog das Tuch, das ich davor gehängt hatte, weg und rief ärgerlich: „Der hat Hunger!“ Völlig perplex entgegnete ich nur: „Nein, SIE ist nur müde!“ Doch die Wörter schienen bei der Frau nicht angekommen zu sein. „DER hat Hunger“, rief sie erneut und der Tonfall wurde noch aggressiver. Meine Tochter schrie nun noch lauter. Passanten schauten entsetzt und die Frau redete auf mich ein. Ich war in Schock. Ich flüchtete und rief der Frau nur noch zu:“ Erstens: das ist ein Mädchen und zweitens: Sie hat gerade gegessen. Außerdem geht sie das überhaupt nichts an!“ Ich weiß nicht, wie die Frau reagiert hat. Es hat mich auch nicht interessiert.

Babygeschrei löst bei Menschen anscheinend irgendwas aus. Denn die Toleranzgrenze ist gleich null, wenn man das Kind nicht innerehalb von einer Millisekunde dazu bringt, aufzuhören.

Im Nachhinein ärgerte ich mich über mich selbst. Hätte ich doch dies und jenes gesagt. Ich war einfach überrumpelt. Freunde berichteten mir später von ihren Erfahrungen. Und es scheint, dass fast jede Neu-Muddi einmal eine solche Begegnung hat. Eine Freundin erzählte sogar, dass eine Frau ihrem Sohn einmal einfach den Schnuller aus dem Mund gezogen hat mit den Worten: „Dafür bist da aber zu alt!“ Und ich denke: Für blöde Aktionen ist man anscheinend nie zu alt.

Lipstick-Jungle

Ich bin Journalistin und deshalb extrem kritisch, neugierig, ungeduldig und oftmals auch ziemlich klugscheißerisch. Also wusste ich natürlich schon bevor ich überhaupt Mutter wurde, wie Mütter generell so sind und warum ich das schon mal prophylaktisch doof finde. Als Journalist soll man im Beruf ja möglichst objektiv und offen an Themen herangehen – ich weiß nicht wieso – aber privat gelingt mir das nicht unbedingt. Ich bin oft voreingenommen und mache mir ziemlich viele Gedanken über ungelegte und oftmals auch Eier, die mich rein gar nichts angehen.

Als ich schwanger wurde, gruselte mich der Gedanke, „eine von denen“ zu sein. Es war in meiner Vorstellung wie ein Kult. Eine Sekte. Die totale Assimiliation. Wie die Borg bei Star Trek. Keine Frage, ich kenne ziemlich viele nette Mütter. Schließlich ist meine Mutter auch Mutter und meine Schwestern und viele Freundinnen auch. Dennoch hatte ich ein Bild vor Augen: Praktische Frisur, Multi-Funktionsoutfit, Brei und Lülle übersäht. Eine erhobene Zeige-Finger schwingende Mega-Über-Muddi, die drei Jahre voll stillt, Bio kocht, erste Vorsitzende der Krabelgruppe ist, sich seit der Geburt nie wieder geschminkt hat, Hugo für einen lustigen Vornamen hält und nur noch ein Thema hat: KINDER! Es mag den Hormonen geschuldet sein, aber ich lag oftmals nachts wach und hatte dieses Bild vor Augen. Kalter Schweiß und Panik vermengten sich zu einer Anti-Haltung. Ich wollte nicht so eine Muddi werden. Aber ich hatte einfach Angst, dass man automatisch so wird, sobald man ein Kind bekommt.

Nun habe ich das Kind. Bin Muddi. Und:

1) Die Haare sind noch lang. Obwohl ich nun nachvollziehen kann, warum man sich die Haare abschneidet. Denn zum einen nervt einen der extreme Haarsausfall nach der Schwangerschaft so sehr, dass man eh nur noch mit Dutt oder Pferdeschwanz herum läuft und andererseits ziehen Babys so erbarmungslos an den Haaren ihrer Mütter, dass ich mir insgeheim schon oft kurze Haare gewünscht habe.

2) Meine Outfits haben sich auch wieder normalisiert. Und: Hey, die ersten Wochen sind Jogginghosen völlig o.k ( was soll man auch tragen, wenn man nicht mehr vor die Tür kommt und eng anliegende Klamotten die Hölle sind bei diversen Wunden, die noch nicht verheilt sind).

3) Gestillt habe ich auch – naja drei Jahre waren es dann aber doch nicht.

4) Eine Bio-Brei-Kochphase hatte ich – diese war aber nach einem Hungerstreik des Babys schnell überwunden. Clausi kocht ja auch fantastisch und in den Genuss des täglichen Kochens fürs Kind kommt man ja auch noch früh und dann ja auch lange genug. Stichwort: Hotel Muddi.

5) Ich schminke mich jeden Tag. Nicht exzessiv. Nicht perfekt. Aber ich habe eine Routine. Das war meine Regel. Diese eine Sache, die nicht im Chaos der ersten Wochen untergehen sollte. Ich habe seit der Geburt jeden Tag Lippenstift aufgetragen. Nicht für andere. Für mich. Um mich trotz dieser krassen Phase wie ich zu fühlen. Außerdem sehen Augenringe, Kotzflecken und Jogginghose in Kombination mit Lippenstift immer besser aus.

6) Aber: Gerade am Anfang redet man doch extrem viel über Babys. Es wäre wohl auch schlimm, wenn man das nicht täte. Dennoch möchte ich mich an dieser Stelle bei meinen Freundinnen ohne Kinder entschuldigen: Ich weiß, too much information. Dennoch weiß ich immer noch, wer dieser Hugo ist.