Die Ruhe nach dem Trotz-Sturm

Meine Tochter ist jetzt drei Jahre alt. Ich habe oft gehört, dass drei das schlimmste Alter sei. Schlimm im Sinne von „Höhepunkt des Trotzalters“. Ich habe auch schon gehört, dass das erste Jahr generell das schlimmste sein soll. Manche behaupten auch, dass Kinder mit zwei den Zenit der Trotz-Hölle erreicht haben. Egal. Ich finde jedes Alter hat etwas mega Schönes und etwas mega Anstrengendes. Außerdem kommen Trotzphasen in Wellen. Zumindest bei uns. Jetzt ist wieder so eine Welle. Und als Mutter komme ich an meine Grenzen. Wieder einmal.

Mini-Mariah freakt aus

Denn ich liebe mein Kind und gleichzeitig könnte ich ausflippen, wenn meine Tochter ausflippt. Und es zerreißt mich, weil ich merke, dass ich dann zu einer Mutter werde, die ich nicht sein möchte. Meine Tochter wandelt sich manchmal innerhalb von Nanosekunden vom zuckersüßen Kuschelmonster zu Chucky der Mörderpuppe. Manchmal glaube ich, eine Mini Mariah Carey vor mir zu haben, die ausfreakt, weil  ihr jemand die M&M’s nicht korrekt nach Farben sortiert in den Backstage-Bereich gestellt hat oder das Evian- Wasser keine Zimmertemperatur hatte.

Erst kürzlich verlebten wir einen harmonischen Vormittag. Mit Spielen, Kuscheln und Tanzen. Es war perfekt. Meine kleine Tochter und ich verbrachten einen wunderschönen Morgen. Dann habe ich einen groben Fehler begangen: Ich habe es gewagt den Klebestreifen ihrer Windel aufzumachen. Das wollte sie nämlich machen. Gesagt hat sie das nicht, aber das spielt an dieser Stelle keine Rolle. Denn plötzlich schrie und wütetet sie. Mit einem hochroten Kopf. „Das wollte ich machen!“, schrie sie. Dann rieß sie sich theatralisch die Kacka-Windel vom Leib und wälzte sich hin und her. Ich habe versucht dagegen zuhalten. Denn: 1. Es war eine Menge Kacka im Spiel und 2. Ich wollte nicht, dass sie vom Wickeltisch fällt oder sich den Kopf stößt. Doch mein Reden und Festhalten brachte sie nur noch mehr in Rage. Es war eine Vollkatastrophe. Sowohl vom Aspekt der Verteilung von Ausscheidungen als auch von der pädagogischen Warte her.

Wrestling mit einem nackten Wüterich. Und Kacka. Ganz viel Kacka.

Zwischendurch habe ich geschrien. Einmal. Ich dachte, dass es von der Eskalationsstufe her passen würde. Aber das tat es nicht. Natürlich nicht. Während des Wutanfalls wedelten vor meinem inneren Auge diverse erhobene Zeigefinger. Ja, ich wusste, dass das gerade eher suboptimal läuft. Meine Mutter würde jetzt sagen: „Also bei mir macht sie das nicht!“ und Katharina Saalfrank würde mir raten aus der Situation raus zugehen. Aber ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich mein Kind mit nacktem Po auf die stille Treppe schicke. Wir haben auch gar keine richtige Treppe. Egal. Am Ende des Wrestlings guckten meine verheulte Tochter und ich uns mit völlig zerzaustem Haar, roten Gesichtern und verdreckten Armen an. Ohne etwas zu sagen, schauten wir uns einfach nur an. Erschöpft und müde von einem doofen Streit und einem überflüssigen Wutanfall. Wir hielten uns an den Händen. Es war die Ruhe nach dem Sturm. Dieser Moment, wenn alles wieder ruhig ist.

Ich machte sie sauber. Die Windel zogen wir gemeinsam an. Ich sagte, dass sie sich ein wenig ausruhen müsse und setzte sie in ihr Bett. Ich wusch meine Hände und setzte mich dann zu ihr. Sie nahm ihren Plüsch-Hai und ließ ihn in meinen Arm beißen. Ich musste lachen. Wir redeten kurz darüber, was da gerade passiert war. Ich fragte warum sie so sauer gewesen sei und ich berichtete ihr, warum ich so wütend war. Sie streichelte meine Wange. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Weil ich geschrien hatte und weil ich sie festgehalten habe. Ich stellte mir vor, wie all diese tollen Pädagogen und perfekten Mütter die Situation gelöst hätten, ohne dass sie eskaliert wäre. Doch ich habe keine Lösung. Ich kann mein Kind nicht einfach auf einem Wickeltisch liegen lassen. Ich kann sie nicht mit einem schmutzigen Hintern durch die Wohnung laufen lassen. Ich kenne die Gordon-Methode und hab das Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ gelesen. Alles super sinnvoll und viel Gutes dabei. Aber das klappt eben auch nicht immer. Und jetzt? Bad Mom?

Hier würde ich nun gerne ein superschlaues Fazit einbauen, aber es gibt keins. Es gibt Tage, da klappt es und an anderen eben nicht. Wieso? Ich habe schlichtweg keine Ahnung…

Muddi-Fail: Ich bin nicht perfekt & das ist ok!

Es gibt so einige Tiefpunkte in der Karriere einer Mutter. Der Moment, in dem ich verzweifelt meinem Mann unser Baby in die Hand gedrückt habe, mich im Bad einschloss, den leeren Wäschetrockner angemacht und mich in die Duschkabine gesetzt habe, nur um das Schreien meiner Tochter nicht mehr zu hören, gehört sicherlich zu meinen persönlichen Top-5 dazu. Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment. Ich konnte es nach mehr als vier Wochen nicht mehr aushalten. Dieses Schreien. Den ganzen Tag lang. Ich war allein daheim gewesen und am Ende meiner Kräfte und Nerven. Dann kam mein Mann nach Hause und alles hatte sich entladen. Ich wollte, nein ich konnte es einfach nicht mehr hören. Ich habe mich dafür sehr geschämt. Schließlich hatte ich versagt. Sollte eine Mutter nicht in der Lage sein, das eigene Kind zu beruhigen? Was für eine Looser-Muddi! Heute weiß ich, dass es vielen Eltern am Anfang so geht. Doch ich hatte daran zu knacken. Eine Mutter, die sich im Bad einschließt und vor ihrem Kind weg rennt. Meine Hebamme hat mir später einmal gesagt, dass es das beste ist, was man tun kann, wenn man merkt, dass man nicht mehr kann. Einmal kurz durchatmen. Nicht lange. Nur einen Moment, um nicht verrückt zu werden. Da auch ich dazu tendiere, die Vergangenheit zu verklären, kann ich mir die Situation heute nur noch schwer vorstellen. Doch manchmal zwinge ich mich dazu, an genau diese Situation zu denken.

Trotzanfall deluxe & das schlechte Gewissen

Denn letztens hatte ich auch einen Tag, der ebenfalls nicht in die Geschichte meiner glorreichsten Muddi-Momente eingehen wird: Schlechter Tag, gestresst, müde und das Töchterchen hat ein Trotzanfall deluxe im Hausflur. Ich habe geschimpft und gemeckert und war plötzlich genauso eine Mutter, die ich nie sein wollte. Ich fand mich ziemlich doof. Vor allem, weil ich weiß, dass meine Tochter das liebste und tollste Kind der Welt ist. Aber diese Phasen gehören mit 2,5 Jahren nun einmal zum Alltag dazu. Autonomiephase oder Trotzphase. Wie auch immer man es nennen mag. Ich kann damit eigentlich auch ganz gut umgehen, aber manchmal gibt es eben einen Pädagogik-Fail. Es tat mir Leid, dass ich harsch und  ätzend war. Das schlechte Gewissen malträtierte mich den ganzen Abend. Und deswegen habe ich bei Twitter folgendes geschrieben:

twitter1

Aufgebaut haben mich die Worte von Blogger Steffen (Papa Pelz):

twitter2

Und dann habe ich über die Worte nachgedacht. Es stimmt: Kinder wachsen ja nicht in einer Blase auf. Sie können ruhig merken, dass auch Mama und Papa schlechte Tage haben  – genau wie sie ja auch. Ich bin nicht perfekt. Das wusste ich auch schon vorher, aber als Muddi setze ich mich manchmal zu sehr unter Druck damit. Dann tut es manchmal gut, von anderen Eltern zu hören, dass es allen so geht und völlig ok ist. Meiner Tochter habe ich am nächsten Tag gesagt, dass Mama manchmal einen schlechten Tag hat und eben auch mal sauer ist, doch dass ich sie trotzdem lieb habe. Immer. Daran wird sich nichts ändern. Nie.

An dieser Stelle könnte ich mit einem feuchten Auge den Artikel beenden. Das wäre ein schöner Schluss, aber eben nicht das Leben. Denn exakt einen Tag später hat meine Tochter mich erneut mit einer Aktion zur Weißglut getrieben und während sie etwas immer und immer wieder tat, was ich ihr zuvor verboten hatte, sagte sie plötzlich mit der zartesten Stimme des Universums: „Aber Mama, du hast doch gesagt, dass du mich lieb hast, auch wenn du sauer bist!“ Und plötzlich verwendet meine zweijährige Tochter dieses Argument gegen mich. Und bringt mich zum Lachen. Dafür habe ich sich sogar noch mehr lieb.

Schaufelgate auf dem Spielplatz: Lasst eure Kinder doch mal in Ruhe!

Jan-Ole möchte rutschen. Darf er aber nicht, weil die Rutsche noch nass ist und er keine Matschhose trägt. Also sucht sich der kleine Knirps eine andere Beschäftigung: Er steuert auf das Sandspielzeug-Arsenal von Hannah zu, die munter inmitten von Schaufeln, Eimerchen und Förmchen sitzt. Jan-Ole hat eine grüne Schaufel anvisiert und rennt los. Doch bevor er das Objekt seiner Begierde erreicht, schreitet sein Vater verbal ein. „Nein! Das gehört uns nicht!“, sprudelt es panisch aus dem grau-melierten Mittvierziger im Karohemd. Doch Jan-Ole reißt sich los. Mir kommt diese Szene vor wie in Slow-Motion. „Neiiiin! Daaas gehööört uns niicht!“, ruft er erneut und wetzt hinter seinem Sprößling her. In diesem Moment denke ich: Ich hätte gerne eine Tüte Popcorn. Wenn es nicht so traurig wäre, was sich auf vielen Spielplätzen so abspielt, würde ich dieses gratis Entertainment etwas mehr genießen können. Ich meine: Hey, die Sonne scheint. Ich habe frei, mein Kind spielt in einem Spielhäuschen und ich krieg hier noch die Showeinlagen der Heli-Eltern geboten. Doch es ärgert mich.

Schaufelgate und Nachos mit Käse

Jan-Ole hat die Schaufel erwischt und steht siegessicher im Sandkasten und reckt seinen Fund heroisch in die Luft. „Meins!“, ruft er und lacht. Hannah, die rechtmäßige Besitzerin der Schaufel zeigt sich unbeeindruckt. Genauso wie Hannahs Mutter, die auf einer Bank sitzt und zuschaut. Doch Jan-Oles Papa sieht das anders. Er wirkt nervös. „Das tut mir Leid! Mein Sohn hat eine sehr abstrakte Vorstellung von Besitztum!“, sagt er mit lauter und fester Stimme, damit es auch alle hören. Das ist der affigste Satz, den ich je in einem Sandkasten gehört habe. Ich wünsche mir jetzt Nachos mit Käse. Aber pronto. Dieser Nachmittag kann nicht unterhaltsamer werden. Dann versucht er seinem Sohn die Schaufel zu entreißen. Hannahs Mutter schaut teilnahmslos rüber und widmet sich dann wieder ihrem Baby, das sie gerade stillt. Es ist ihr egal, dass ein anderes Kind die Schaufel ihrer Tochter in der Hand hält. Jan-Ole weint jetzt. Sein Vater legt die Schaufel in den Sand zurück und entschuldigt sich nochmal. Bei wem auch immer.

Die Schreie hallen noch lange nach

Dann kommt ein anderes Kind und nimmt die Schaufel. Spielt ein wenig damit und schmeißt sie wieder weg. Keiner protestiert. Keiner verbietet das. Keiner weint. Jan-Ole wurde derweil unter lautem Protest vom Spielplatz  entfernt. Die Schreie aus dem Fahrradanhänger hallen noch eine Weile nach. Und ich fragte mich, warum man es sich manchmal so unnötig schwer macht. Warum gibt es so viele Eltern, die ihre Kinder nicht einfach mal machen lassen? Die sich zurücklehnen und den Moment genießen. Klar, wenn ein Kind zu klein ist, um eine Leiter hoch zukommen, dann hilft man. Oder wenn Kinder handgreiflich werden. Aber sollten es die Kinder nicht erst einmal selbst versuchen dürfen? Warum nicht mal das Kind selbst die Situation lösen lassen?

„Vielen Eltern ist das Verhalten ihrer Kinder peinlich“

Das schlimmste sind dabei die Entschuldigungen der Eltern untereinander. Man merkt so vielen Müttern und Vätern an, dass ihnen das Verhalten der Kinder irgendwie peinlich ist, weil es ja ein schlechtes Licht auf sie selbst werfen könnte. Jan-Oles Papa hatte keine gute Zeit auf dem Spielplatz. Vielleicht auch, weil er denkt, dass sein Mini-Me unangenehm auffallen könnte. Vielleicht auch, weil es manchmal schwieriger ist, eine Situation auszuhalten, anstatt einzugreifen. Deswegen hatte Jan-Ole wohl heute auch keine gute Zeit auf dem Spielplatz.

 

Was meint ihr? Beobachtet ihr auch solche Situationen auf dem Spielplatz? Wie reagiert ihr darauf, wenn euer Kind fremdes Spielzeug haben will?

„In Wahrheit will er ganz normal sein“ – Interview mit der Mutter eines Asperger-Kindes

Erst kürzlich outete sie sich als „Arschlochmutter„: Die Bloggerin von Muttis Nähkästchen ist für offene Worte. Denn als Mutter eines Asperger-Kindes, hat sie mit vielen Vorurteilen und Problemen zu kämpfen. Sie will aber nicht länger als Mutter eines vermeintlichen Arschlochkindes abgestempelt werden. Und sie möchte, dass die Welt da draußen weiß, dass nicht alle Kinder, die sich auffällig verhalten, dies tun, weil sie unfähige Eltern haben. Über das Leben mit einem Asperger-Kind und viele andere Themen schreibt sie seit Jahre erfolgreich auf ihrem Blog. Da sie mit ihrem Text auch auf meinen Artikel zum Thema „Arschlochkinder“ reagiert hat und ich sofort von ihrer entwaffnenden Ehrlichkeit begeistert war, musste ich unbedingt ein Interview zum Thema mit der Frau hinter Muttis Nähkästchen führen und ich habe nun eine komplett andere Perspektive kennen gelernt.

Hier das Interview:

Erzähl kurz was über dich:
Ich bin 39 Jahre alt, Mutter von zwei Jungs (werden in Kürze 7 und 10 Jahre alt). Seit fast 10 Jahren bin ich als Mutter im permanenten Lernprozess, ich wachse mit meinen Kindern. Ich schaue in zwei kleine Spiegel und erkenne auch viel von mir selbst darin. Seit über 6 Jahren begleite ich diesen Wachstumsprozess auch mit meinem Blog.

Wann und woran hast du gemerkt, dass dein Sohn anders ist?
Schon sehr früh. Allerdings war es anfangs eher praktisch: Wenn andere Mütter z.B. ihren krabbelnden Kindern im Freibad ständig hinterher laufen mussten, verließ mein Kind nie die „heimische Decke“. Außerdem konnte er sehr früh perfekt sprechen und kannte mit 1,5 Jahren alle Buchstaben und Automarken. Er ist mein erstes Kind – da hatte ich kaum Vergleichsmöglichkeiten.

Wie lange hat es gedauert, bis du wirklich sicher warst, dass es nicht nur ein vorübergehendes Verhalten ist?
Hm, keine Ahnung. Im Kindergargten hieß es immer: Gib ihm Zeit, das wächst sich aus. Tat es aber nicht … Er eckte in jeder Gruppensituation an: verweigerte viel und fiel durch seltsames, störendes Gehabe auf. Auf ihn einreden nutzte nix – eher im Gegenteil. Dabei ist er doch so blitzgescheit … Der Hilferuf der Schule kam beim ersten Elternsprechtag. Von da an begann die gemeinsame Suche. Erst wurde er auf Hochbegabung getestet. Aber alle Bemühungen in diese Richtung (Enrichment, schwierigere Aufgaben etc.) liefen ins Leere.

Wann kam die Diagnose?
Spät. Erst mit fast 9 Jahren. Wir waren lange auf der Suche, haben nie verstanden warum sich unser Kind so verhält. Viele Selbstzweifel waren da mit dabei: Warum? Warum? Was haben wir bloß falsch gemacht? Mehr durch Zufall sind wir bei der richtigen Diagnose gelandet. Die späte Diagnose ist typisch für Asperger-Kinder, weil sie meist durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent sind und daher viel durch ihre Intelligenz „überspielen“ können.

Wie habt ihr das Thema in der Familie kommuniziert/wie geht ihr als Familie damit um?
Es war eine wahre Erleichterung. Ich hab mir sofort alle möglichen Bücher zum Thema gekrallt und überall fand ich mein Kind perfekt beschrieben. Zum ersten Mal konnte ich ihn verstehen. Zum ersten Mal konnte ich ihn ohne Einschränkung so akzeptieren wie er eben ist. Und das ist ein wichtiger Schritt, der uns viel näher gebracht hat und auch alle weiteren Schritte erst möglich gemacht hat.

Wie nimmt dein Sohn das wahr?
Mein Sohn blockt das Thema ab. Er will davon gar nix wissen. In Wahrheit will er ja ganz normal sein. Aber er braucht Hilfe dabei.

Was muss man im Alltag mit einem Asperger-Kind beachten?
Klarheit – sehr viel Klarheit. Strukturen. Und Berechenbarkeit. Bloß keine Überraschungen. Und immer wieder müssen wie ihm erklären, warum er zur Schule gehen und dort auch mitmachen muss.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Wir machen mit ihm Einzel- und Gruppentherapie mit speziell ausgebildeten Psychologinnen. Organisiert wurde das über eine Eltern-Selbsthilfegruppe, denn sonst gibt es fast nichts. Bezahlen müssen zu 100 Prozent die Eltern … obwohl es sich um international erprobte und anerkannte Methoden handelt, bleibt alles an den Eltern hängen. Außerdem haben wir erstaunliche Erfolge mit Homoöpathie gemacht. Es war einer dieser Grashalme, nach denen man in höchster Not und in der tiefsten Krise greift. Und die Wirkung war MIND-BLOWING! Ich weiß, das glaubt uns kaum wer … aber es war so.

Bedeutet die Diagnose große Einschränkungen für dein Kind?
Nein, ganz im Gegenteil. Durch die Diagnose hatte auch die Schule bessere Handhabe, ihm Nachteilsausgleiche und Nachsicht zu gewähren. Auch die Schule hat sich Hilfe geholt – und wirklich gute Beratung bekommen. Wir alle haben uns Hilfe geholt – und bekommen. Aber man muss sich darum bemühen, vieles selbst organisieren, dann geht’s.

Habt ihr Angst vor der Zukunft?
Ja und nein. Die nächste Herausforderung ist, eine weiterführende Schule zu finden, die ihn wohlwollend so nimmt, wie er eben ist. Ansonsten hat er eine sehr gute Prognose, weil er ja überdurchschnittlich intelligent ist.

Ich habe den gesamten Prozess auf meinem Blog begleitet – vielleicht hilft es den einen oder anderen, damit sie nicht so lange auf die richtige Diagnose warten müssen wie wir. Unter dem Tag http://muttis-blog.net/tag/asperger/ sind sämtliche Beiträge dazu zu finden, z.B.:

Woran man ein Kind mit Asperger-Syndrom erkennt

Ein Asperger-Kind erziehen und begleiten

Krisenbewältigung in der Schule – Ein Erfahrungsbericht

Hilfreiche Bücher für Asperger-Eltern

Arschlochkinder – ein Phänomen in der Diskussion

Vor ein paar Tagen habe ich den Artikel „Gibt es Arschlochkinder wirklich?“ veröffentlicht. Es ging dabei um eine unliebsame Begegnung mit ein paar Kindern auf einem Sommerfest und die Frage, ob Kinder wirklich schon Arschlöcher sein können. Der Beitrag ist innerhalb von 24 Stunden mehr als 500 Mal geteilt worden. Auch Bloggerin Bea von Tollabea hat meinen Artikel bei Facebook geteilt und die Resonanz war überwältigend. Ich erlebte einen richtigen Ansturm auf meinen Blog. Innerhalb weniger Stunden haben mehr als 2000 Besucher den Artikel angeklickt und es wurden insgesamt rund 100 Kommentare bei Facebook und auf meiner Seite gepostet. Die Diskussion wurde sehr kontrovers geführt. Klar, das Wort „Arschlochkind“ polarisiert. Auch ich hatte ja meine Probleme mit dem Ausdruck. Dennoch, die Diskussion zeigt: Es ist was dran an dem Phänomen. Es bewegt und spaltet die Leser.

Die großen Fragen bei dem Thema: Was kommt von den Genen und was macht Erziehung aus? Und was ist mit Kindern, die sich aufgrund von Krankheiten wie dem Asperger-Syndrom auffällig verhalten? Kann ein Kind einfach von Geburt an einen fiesen Charakter haben oder ist es ein Produkt von Erziehung und Umwelt? Oder ist die Aufteilung 50/50 wie es erst kürzlich in einem Artikel in der Zeit Online stand, als es um die Weitergabe von Intelligenz ging? Da sich über diese Thematik schon seit Jahrzehnten Pädagogen und Psychologen uneinig sind, werden wir an dieser Stelle wohl keine Lösung finden. Aber: Ich möchte hier einmal ein paar Positionen und Meinungen der Leser von der Facebook-Seite von Tollabea präsentieren, wo mein Artikel unter anderem geteilt und heftig diskutiert wurde. Außerdem habe ich ein paar tolle Artikel anderer Bloggerinnen zu dem Thema gefunden, die verschiedene Perspektiven beleuchten. Ich persönlich glaube übrigens, dass die Thematik komplexer ist, als auf den ersten Blick ersichtlich. Und: Ich bin der Meinung, dass sowohl Justin und Chantal, als auch Friedrich-Konstantin und Marie-Louise fiese Kinder sein können:)

Viel Spaß beim Lesen*:

  • „Kinder, so zu bezeichnen, ist ja wohl das Letzte. Da frage ich mich ernsthaft, wer hier Das Ar…ist. Klar ist man frustriert, wenn die eigenen Kinder betroffen sind. Aber es sind immer noch Kinder. Als wenn hier, alle als Kind, Engel wahren. Früher hießen sie Rowdies und jetzt Ar…Kinder?? Pfff…“
  • „Es gibt definitiv welche, unbestreitbar. Ich kenne auch einige Kinder von der Sorte… Wobei ich die Meinung vieler hier nicht teilen kann, dass die Eltern immer asozial sind oder antiautoritäre Erziehung praktizieren. Ich kenne auch Eltern, die ich sehr gerne mag, die verzweifelt versuchen ihr Kind zu erziehen und es einfach nicht schaffen, weil das Kind ständig bockig und uneinsichtig ist. Ist halt der Charakter, dagegen kann man nicht viel tun.“
  • „Meiner Meinung nach steht hinter jedem A-Kind die A-Eltern. Also wenn es wirklich so was wie A-Kinder gibt, sind sie so, weil ihre Eltern sie so geformt bzw. sie zu dem gemacht haben.“
  • „Kein Kind wird böse geboren. Bei manchen versagen die Erziehungsberechtigten, andere haben in ihrem kurzen Leben unsäglich schlimme Dinge erlebt, wieder andere haben tatsächlich ein „Handicap“ im sozialen Umgang und in ihrer Wahrnehmung. Natürlich verteidige ich mein Kind gegen Angriffe, aber wer bin ich, dass ich über den Kontrahenten urteilen könnte?“
  • „Leute, Leute. Hört euch mal selbst reden. Habt Ihr eure eigene Kindheit und Kinderstube vergessen? Was ist bloß mit euch los? Es wird immer Kinder geben, die lauter, frecher, aktiver sind, als andere. Na und? Alles, was diese Kinder brauchen, ist EUER Lächeln, ein paar klare Regeln und die Geduld, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Einige von euch müssen dringend runter vom „Gott sei Dank nicht mein Kind“-Reden und „Alles nur Erziehungssache“-Thron! Früher gab es Rowdies und kleine Machos und Diven und heute auch. Punkt!“
  • „Ich halte weder was vom Titel „Arschlochkind“ noch von der These, dass es an der Erziehung und der vermeintlichen Nichterziehung durch die Eltern liegt. Jeder Mensch ist ein Individuum und somit spielt bei jedem etwas anderes eine Rolle, wieso er sich in solchen sozialen Konstellationen so oder so verhält. Ob Justin (Schublade auf, Klischee raus, Kind rein) nun einfach ätzend ist, seine Eltern sich nicht kümmern, er von älteren Geschwistern selbst gegängelt wird, ob er Asperger hat, keinen Schimmer von kleinen Kindern und der dazugehörigen Rücksicht, ob ihm an diesem Tag erstmals was gelungen ist und jetzt sind die Steine alle, ob er heut schon 100 Mal gesagt bekommen hat, was er falsch macht und jetzt rot sieht…. alles und nix davon ist möglich. Dem Kind zeigen: so geht es nicht, so toleriere ich das hier nicht ist wichtig. Die Eltern müssen bei 7/8 jährigen sicher nicht mehr am Rand des XXL-Duplo Bereiches sitzen. Also muss man halt selbst eingreifen. Da kann er toben und wütend sein wie er will. Und im Zweifel zieht man sich aus der Situation.“
  • „Es gibt sie und ich persönlich finde, es werden immer mehr.“
  • „Natürlich gibt es Arschlochkinder, woraus sollten sonst die ganzen Erwachsenen Arschlöcher erwachsen …. und ob das immer die Eltern oder das Umfeld sind? Unter Geschwistern kann auch ein einziges sein …“
  • „Ich kann zwar noch nicht aus Erfahrung sprechen, da bei uns noch alle äußerst süß und nett sind, aber ich glaub jedes Kind durchläuft eine Arschlochkinderphase.“
  • „Das sind die Manager von Morgen.“
  • „So wie wir unsere Genetik an den Nachwuchs weitergeben, so geben wir auch unsere Intelligenz mit. Das ist schon mal die Basis des „kleinen, neuen Menschen“. Der Rest des Sozialverhaltens resultiert aus Umgang und Erziehung. Ist die Basis aber schon mal weit unter dem Durchschnitt, ist das leider schon kein guter Start. Da die Basis ja bei den Eltern logischerweise auch nicht höher angesiedelt ist, wird dann auch fatalerweise so erzogen und zack: Fertig ist der Duplo Dieb….“

Weitere Kommentare findet ihr hier.

Auch andere Blogger-Kolleginnen haben sich mit dem Thema – wenn auch in anderer Form – beschäftigt:

Muttis Nähkästchen: „Ich bin eine Arschlochmutter“

kiddo.the.kid: „Dein Kind ist ein Arsch“

…und dann kam sie: „Dein Kind ist doof“

*Ich habe die Zitate weder inhaltlich noch grammatikalisch verändert, sondern nur ganz grobe Rechtschreibfehler verbessert.