Daddy allein zu Haus: Wenn Papa es einfach nicht hinkriegt…

Ich habe gestern einen Blogbeitrag* gelesen, der mich traurig gemacht hat. Da fragt eine Mutter um Rat. Seit Monaten habe sie sich auf eine kleine Auszeit vom Kind gefreut. Alles vorbereitet. Hotel gebucht. Ein paar Tage wollte sie allein zu einer Messe fahren. Freunde besuchen. Der Partner habe auch schon Urlaub eingereicht. Alles geritzt. Ein paar Tage vor dem besagten Kurztrip habe der Vater allerdings bedenken geäußert, sich alleine um sein Kind zu kümmern. Man muss dazu sagen, dass das Kind fast zwei Jahre alt ist und tagsüber von einer Tagesmutter betreut wird. Es geht also nur um Nachmittage und den Abend. Und: Die Mutter hat ihm alles vorbereitet: Eingekauft, Kleidung fürs Kind rausgelegt, Wäsche gemacht, diverse Listen geschrieben etc. Nun fragt sich die Mutter, ob sie ihren Trip absagen soll.

Ich lese das also und in meinem Kopf schreit eine Stimme ganz energisch: WTF!! Ganz davon abgesehen, dass ich es ein wenig merkwürdig finde, dass man dem eigenen Partner und Vater des Kindes „alles vorbereiten muss“, um den Alltag mit dem eigenen Kind im eigenen Heim bestreiten zu können, denke ich: Alter! Ernsthaft?

Und ich weiß nicht mal, welche Tatsache ich schlimmer finde: Dass der Vater, seiner Partnerin nicht mal ein paar tage Auszeit gönnt, obwohl er schon Urlaub eingereicht hat oder dass er anscheinend nicht in der Lage ist, auf sein fast zwei Jahre altes Kind aufzupassen. Mir tut die Mutter auch einfach Leid. In meiner Empörung lese ich die Kommentare unter dem Artikel und die wiederum machen mich sprachlos: Denn niemand findet es merkwürdig, dass ein Vater da solche Bedenken hat. Ich meine: Es geht hier nicht um einen Säugling. Zwar sagen alle Kommentatoren, dass sie fahren soll, aber niemand fragt: Warum kann ein Vater anscheinend nicht alleine auf sein Kind aufpassen?

Nun bin ich verunsichert. Denn was bedeutet es, dass so viele Mütter es offensichtlich nicht außergewöhnlich finden, dass Väter das nicht „hinkriegen“. Ist es tatsächlich immer noch eher eine Ausnahmeerscheinung, dass Väter involviert sind? Ist es exotisch, dass auch die Papas sich ganz freiwillig und gerne kümmern und eine gleichberechtigte Rolle in der Kindererziehung spielen? Müssen in den meisten Familien tatsächlich noch Frauen ihren Partnern ellenlange Listen mit Instruktionen schreiben und Essen vorkochen, damit die Familie zwei Tage ohne sie überlebt? Wechseln gar nicht die meisten Väter auch Windeln und bringen ihre Kinder ins Bett? Ich bin anscheinend naiv. Und irgendwie auch sauer. Ganz generell. Auf Väter, die sich so aus der Affaire ziehen, aber auch auf Mütter, die ihren Partnern vielleicht gar nicht den Raum lassen, sich gleichwertig einzubringen bei den Kindern. Vielleicht wollen manche Mütter auch lieber Listen schreiben und unabkömmlich sein. Und vielleicht wollen viele Männer auch einfach keine Zeit mit ihrem Kind alleine verbringen. Das mag alles sein. Aber wie Selbstverständlich das anscheinend akzeptiert ist, das schockiert mich. Ich dachte schlichtweg wir wären schon weiter.

Eure Meinung zu diesem Thema interessiert mich! Wie sieht das bei Euch aus? Wäre ein Kurztrip für Muddi ein Problem? Bringen sich Eure Partner/innen gleichwertig ein? Feuer frei! Ich diskutiere gerne mit! 

 

*Den Artikel möchte ich hier gar nicht verlinken, weil ich niemanden bloßstellen möchte. Denn um den konkreten Fall geht es mir gar nicht. Vielmehr steht dieser Text stellvertretend für ein Phänomen, dass anscheinend nicht so selten ist, wie ich geglaubt hatte. 

Muddi-Fail: Ich bin nicht perfekt & das ist ok!

Es gibt so einige Tiefpunkte in der Karriere einer Mutter. Der Moment, in dem ich verzweifelt meinem Mann unser Baby in die Hand gedrückt habe, mich im Bad einschloss, den leeren Wäschetrockner angemacht und mich in die Duschkabine gesetzt habe, nur um das Schreien meiner Tochter nicht mehr zu hören, gehört sicherlich zu meinen persönlichen Top-5 dazu. Ich erinnere mich noch genau an diesen Moment. Ich konnte es nach mehr als vier Wochen nicht mehr aushalten. Dieses Schreien. Den ganzen Tag lang. Ich war allein daheim gewesen und am Ende meiner Kräfte und Nerven. Dann kam mein Mann nach Hause und alles hatte sich entladen. Ich wollte, nein ich konnte es einfach nicht mehr hören. Ich habe mich dafür sehr geschämt. Schließlich hatte ich versagt. Sollte eine Mutter nicht in der Lage sein, das eigene Kind zu beruhigen? Was für eine Looser-Muddi! Heute weiß ich, dass es vielen Eltern am Anfang so geht. Doch ich hatte daran zu knacken. Eine Mutter, die sich im Bad einschließt und vor ihrem Kind weg rennt. Meine Hebamme hat mir später einmal gesagt, dass es das beste ist, was man tun kann, wenn man merkt, dass man nicht mehr kann. Einmal kurz durchatmen. Nicht lange. Nur einen Moment, um nicht verrückt zu werden. Da auch ich dazu tendiere, die Vergangenheit zu verklären, kann ich mir die Situation heute nur noch schwer vorstellen. Doch manchmal zwinge ich mich dazu, an genau diese Situation zu denken.

Trotzanfall deluxe & das schlechte Gewissen

Denn letztens hatte ich auch einen Tag, der ebenfalls nicht in die Geschichte meiner glorreichsten Muddi-Momente eingehen wird: Schlechter Tag, gestresst, müde und das Töchterchen hat ein Trotzanfall deluxe im Hausflur. Ich habe geschimpft und gemeckert und war plötzlich genauso eine Mutter, die ich nie sein wollte. Ich fand mich ziemlich doof. Vor allem, weil ich weiß, dass meine Tochter das liebste und tollste Kind der Welt ist. Aber diese Phasen gehören mit 2,5 Jahren nun einmal zum Alltag dazu. Autonomiephase oder Trotzphase. Wie auch immer man es nennen mag. Ich kann damit eigentlich auch ganz gut umgehen, aber manchmal gibt es eben einen Pädagogik-Fail. Es tat mir Leid, dass ich harsch und  ätzend war. Das schlechte Gewissen malträtierte mich den ganzen Abend. Und deswegen habe ich bei Twitter folgendes geschrieben:

twitter1

Aufgebaut haben mich die Worte von Blogger Steffen (Papa Pelz):

twitter2

Und dann habe ich über die Worte nachgedacht. Es stimmt: Kinder wachsen ja nicht in einer Blase auf. Sie können ruhig merken, dass auch Mama und Papa schlechte Tage haben  – genau wie sie ja auch. Ich bin nicht perfekt. Das wusste ich auch schon vorher, aber als Muddi setze ich mich manchmal zu sehr unter Druck damit. Dann tut es manchmal gut, von anderen Eltern zu hören, dass es allen so geht und völlig ok ist. Meiner Tochter habe ich am nächsten Tag gesagt, dass Mama manchmal einen schlechten Tag hat und eben auch mal sauer ist, doch dass ich sie trotzdem lieb habe. Immer. Daran wird sich nichts ändern. Nie.

An dieser Stelle könnte ich mit einem feuchten Auge den Artikel beenden. Das wäre ein schöner Schluss, aber eben nicht das Leben. Denn exakt einen Tag später hat meine Tochter mich erneut mit einer Aktion zur Weißglut getrieben und während sie etwas immer und immer wieder tat, was ich ihr zuvor verboten hatte, sagte sie plötzlich mit der zartesten Stimme des Universums: „Aber Mama, du hast doch gesagt, dass du mich lieb hast, auch wenn du sauer bist!“ Und plötzlich verwendet meine zweijährige Tochter dieses Argument gegen mich. Und bringt mich zum Lachen. Dafür habe ich sich sogar noch mehr lieb.