Schaufelgate auf dem Spielplatz: Lasst eure Kinder doch mal in Ruhe!

Jan-Ole möchte rutschen. Darf er aber nicht, weil die Rutsche noch nass ist und er keine Matschhose trägt. Also sucht sich der kleine Knirps eine andere Beschäftigung: Er steuert auf das Sandspielzeug-Arsenal von Hannah zu, die munter inmitten von Schaufeln, Eimerchen und Förmchen sitzt. Jan-Ole hat eine grüne Schaufel anvisiert und rennt los. Doch bevor er das Objekt seiner Begierde erreicht, schreitet sein Vater verbal ein. „Nein! Das gehört uns nicht!“, sprudelt es panisch aus dem grau-melierten Mittvierziger im Karohemd. Doch Jan-Ole reißt sich los. Mir kommt diese Szene vor wie in Slow-Motion. „Neiiiin! Daaas gehööört uns niicht!“, ruft er erneut und wetzt hinter seinem Sprößling her. In diesem Moment denke ich: Ich hätte gerne eine Tüte Popcorn. Wenn es nicht so traurig wäre, was sich auf vielen Spielplätzen so abspielt, würde ich dieses gratis Entertainment etwas mehr genießen können. Ich meine: Hey, die Sonne scheint. Ich habe frei, mein Kind spielt in einem Spielhäuschen und ich krieg hier noch die Showeinlagen der Heli-Eltern geboten. Doch es ärgert mich.

Schaufelgate und Nachos mit Käse

Jan-Ole hat die Schaufel erwischt und steht siegessicher im Sandkasten und reckt seinen Fund heroisch in die Luft. „Meins!“, ruft er und lacht. Hannah, die rechtmäßige Besitzerin der Schaufel zeigt sich unbeeindruckt. Genauso wie Hannahs Mutter, die auf einer Bank sitzt und zuschaut. Doch Jan-Oles Papa sieht das anders. Er wirkt nervös. „Das tut mir Leid! Mein Sohn hat eine sehr abstrakte Vorstellung von Besitztum!“, sagt er mit lauter und fester Stimme, damit es auch alle hören. Das ist der affigste Satz, den ich je in einem Sandkasten gehört habe. Ich wünsche mir jetzt Nachos mit Käse. Aber pronto. Dieser Nachmittag kann nicht unterhaltsamer werden. Dann versucht er seinem Sohn die Schaufel zu entreißen. Hannahs Mutter schaut teilnahmslos rüber und widmet sich dann wieder ihrem Baby, das sie gerade stillt. Es ist ihr egal, dass ein anderes Kind die Schaufel ihrer Tochter in der Hand hält. Jan-Ole weint jetzt. Sein Vater legt die Schaufel in den Sand zurück und entschuldigt sich nochmal. Bei wem auch immer.

Die Schreie hallen noch lange nach

Dann kommt ein anderes Kind und nimmt die Schaufel. Spielt ein wenig damit und schmeißt sie wieder weg. Keiner protestiert. Keiner verbietet das. Keiner weint. Jan-Ole wurde derweil unter lautem Protest vom Spielplatz  entfernt. Die Schreie aus dem Fahrradanhänger hallen noch eine Weile nach. Und ich fragte mich, warum man es sich manchmal so unnötig schwer macht. Warum gibt es so viele Eltern, die ihre Kinder nicht einfach mal machen lassen? Die sich zurücklehnen und den Moment genießen. Klar, wenn ein Kind zu klein ist, um eine Leiter hoch zukommen, dann hilft man. Oder wenn Kinder handgreiflich werden. Aber sollten es die Kinder nicht erst einmal selbst versuchen dürfen? Warum nicht mal das Kind selbst die Situation lösen lassen?

„Vielen Eltern ist das Verhalten ihrer Kinder peinlich“

Das schlimmste sind dabei die Entschuldigungen der Eltern untereinander. Man merkt so vielen Müttern und Vätern an, dass ihnen das Verhalten der Kinder irgendwie peinlich ist, weil es ja ein schlechtes Licht auf sie selbst werfen könnte. Jan-Oles Papa hatte keine gute Zeit auf dem Spielplatz. Vielleicht auch, weil er denkt, dass sein Mini-Me unangenehm auffallen könnte. Vielleicht auch, weil es manchmal schwieriger ist, eine Situation auszuhalten, anstatt einzugreifen. Deswegen hatte Jan-Ole wohl heute auch keine gute Zeit auf dem Spielplatz.

 

Was meint ihr? Beobachtet ihr auch solche Situationen auf dem Spielplatz? Wie reagiert ihr darauf, wenn euer Kind fremdes Spielzeug haben will?

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12 Kommentare zu „Schaufelgate auf dem Spielplatz: Lasst eure Kinder doch mal in Ruhe!

  1. Meine Tochter kommt mehr und mehr aus dem ‚Eimer & Schaufel‘ – Alter raus, aber ich bin immer schon gern mal spontan und ohne größere Vorbereitung mit kleinem oder auch gar keinem ‚Gepäck‘ unterwegs und auf den Spielplatz. Kein geschnittenes Obst- oder Gemüseproviant, keine Reiswaffel, kein Getränk und natürlich keine Auswahl an Eimern, Schaufeln oder ‚Eiswaffelhörnchen‘-Imitaten (ich Rabenmutter). Das ist kein Ding, es sind immer genug Spielsachen anderer Kinder vor Ort. Die Kinder kommen dadurch zusammen und spielen nicht allein. Schwierig wird es, wenn ich voll ausgestattet auf den Spielplatz gehe und unsere Sachen wieder einsammeln soll. Das ist ein Problem. Man muss die Sachen erst einmal aufspüren und dann kommt der harte Teil: die Sachen den Kindern wegnehmen, die damit spielen. Unangenehm! Heißer Tip: Sachen aufspüren und das eigene Kind drauf ansetzen. Kinder sind da pragmatisch (je jünger desto pragmatischer): Hingehen, wegnehmen und ‚Meins‘ sagen.

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  2. Ich weiß was du meinst. Ich habe aber auch schon den umgekehrten Fall erlebt. Es gibt auch Mütter, die hektisch alles einsammeln, wenn sich andere Kinder nähern! Hat denn die stillende Mama nichts gesagt? Wenn ich solche Situationen mit unserem Sandspielzeug hatte, habe ich immer deutlich signalisiert, dass es vollkommen ok ist, wenn das Spielzeug auch von anderen Kindern bespielt wird.
    Aber klar, du hast Recht. Man kann die Kinder ruhig mal machen lassen. Die schaffen das auf jeden Fall. Und wenn mal nicht, kann man immer noch helfend eingreifen und vermitteln. 🙂

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    1. Die Mutter hatte vorher schon zu mir gesagt, dass es ok ist, als meine Tochter ein Eimerchen haben wollte. Sie hat dann bei dem Vater nur gegrinst. Ich finde es auch ok, wenn Kinder mitspielen. Mit dieser Situation müssen sie klar kommen. Läuft in der Kita ja auch nicht anders. Eltern dramatisieren solche Situationen gerne😬

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  3. Solch ein Verhalten geht mir auch immer auf den Keks. Man kann doch erst mal schauen wie die Kinder reagieren. Meistens teilen sie doch gerne ihr Spielzeug oder es ist ihnen (wie in deinem Fall) vollkommen egal.

    Ich habe mich bisher nie auf dem Spielplatz rechtfertigen müssen und erwarte das auch schon niemanden.

    Sonnige Grüße.

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  4. Ich finde solche Situationen immer total nervig! Kommt drauf an, manchmal nehmen wir einfach was, wenn es eh so ausschaut, dass niemand in der Nähe ist. Oder ich frage schnell zur Absicherung. Gibt ja so panische Eltern, denen das nicht passt.
    Aber ich bin eher so, geben und nehmen. Unsere Sachen nimmt bzw. leihen sich andere Kids ja auch. Finde ich voll ok.

    Auf der anderen Seite, ist es auch verständlich wenn mein Kind mit seinen Sachen spielt und es wer nimmt, dass dies nicht geht. Oder ein anderes Kind seine Spielsachen grad nicht teilen mag.

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  5. Ach, *seufz. Diese Eltern beobachte ich immer wieder – nicht nur auf dem Spielplatz. Furchtbar, wenn permanent auf die Kinder eingeredet wird: Lass das! Pass auf! Nein, nicht so, versuchs doch mal so! Mach doch mal das und das… Ich hatte neulich auch so eine Begegnung auf dem Spielplatz, wo ich die ganze Zeit nur gehört habe „Nein Max! Mach dich nicht nass, nicht das Förmchen, nein, das kannst du noch nicht, tu dir nicht weh. Max nein, Maahaax, nein!!!“ In Situationen die völlig undramatisch waren. Der arme Junge konnte quasi nichts richtig machen. Echt, dann lieber mit dem Buch oder dem Smartphone auf der Bank hocken und einfach mal die Klappe halten!

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  6. Unser Rubbelbatz spielt prinzipiell nur mit fremdem Buddelzeug, keine Ahnung warum. Ich bin der Meinung, wer auf den Spielplatz geht, muss auch teilen können. Mein 1jähriger hat noch kein Konzept von Fremdbesitz. Warum sollte ich mich dafür entschuldigen? Er macht ja nichts kaputt, er spielt kurz damit und zieht dann weiter…

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    1. Am Anfang als unsere Tochter noch sehr klein war, fand ich es oftmals auch unangenehm, weil man ja nie weiß wie Eltern so reagieren, aber ich bin nie eingeschritten, wenn sie nur damit gespielt hat. Wenn wir mit dem Dreirad auf den Spielplatz fahren, stehen die Kinder oft Schlange, um mal damit zu fahren. Es hat mich nie gestört und unsere Tochter ist immer eher stolz, dass alle ihr Zeug so gut finden.

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  7. Eine schöne Idee sind auch diese kleinen Spielzeugsammelboxen auf einigen Spielplätzen. Zumindest gibt’s die hier in Berlin. Jeder tut was rein oder tauscht was aus und jeder darf sich einfach bedienen. Alle spielen zusammen, statt jeder allein mit seinen eigenen Dingen in einer anderen Ecke.

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