Schlaflos in Berlin: Das Ende eines Traumes

Da war ich also: Angekommen am Ziel meiner Träume. Naja vielmehr meiner schlaflosen Nächte. Zwei Jahre hatte ich mir dieses Szenario in meinem Kopf ausgemalt: Alleine im Hotel schlafen. Nur ich und ein Zimmer und Schlaf. Keine nächtliche Störung. Keine Schlafunterbrechung. Kein morgens um 5 oder 6 Uhr aufstehen müssen, weil die Nacht eben zuende ist. Egal welcher Wochentag ist. Ja, ich hatte seit zwei Jahren diesen Traum vom Schlaf. Unberührter purer Schlaf. Wie ein Baby. Nur ohne Baby.

Und dann war es endlich soweit. Dienstreise nach Berlin. Alleine. Ohne Kollegen. Ein Seminar im Herzen Berlins. Zwei Nächte im Hotel. Yess! Das Seminarhotel sah online gut aus. Hatte sogar einen Wellnessbereich. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Doch Träume sind in der Realität meist eben doch nicht so geil. Liegt in der Natur der Sache. Belege dafür gibt es viele. Nehmen wir beispielsweise den süßen Typen, den ich mit 15 im Zeltlager in Griechenland hardcore angehimmelt habe. Als ich ihn zwei Jahre später auf einer Party wieder traf und er mich so dermaßen platt und doof besoffen anbaggerte, dachte ich: was für ein arroganter Arsch. In meinem Kopf hatte sich das Wiedersehen anders abgespielt. Er war weniger hohl. Und weniger besoffen. Ähnlich war es mit meinem Praktikum bei einem Privatsender. Was war ich aus dem Häuschen dort arbeiten zu dürfen. Die ganzen Moderatoren und Promis treffen zu können. Bei den ganz großen Nachrichtenredakteuren über die Schulter gucken. In meiner Vorstellung war ich schon die nächste Antonia Rados. Der Blick in die Kulissen war dann so ernüchternd und anwiedernd, dass ich danach alles wollte, nur niemals zum Fernsehen.

Zwar nicht ganz so dramatsich, aber ähnlich disillusionierend war dann auch meine Reise nach Berlin. Es fing damit an, dass die Sekretärin die Buchung verschwitzt hat, das Seminarhotel dann ausgebucht war und ich auf ein Hotel in der Nähe ausweichen musste. Weniger Sterne. Weniger – sprich: gar kein Wellness. Weniger Schlaf. Denn das neue Hotel, welches in einem schicken DDR-Plattenbau beherbergt war, lag direkt im Kreuzungsbereich einer sechsspurigen Straße inklusive diverser Straßenbahn- und Bushaltestellen – vor meinem Fenster im zweiten Stock. Doppelverglasung? Nope! Ja, genau. Es war laut. In der ersten Nacht wachte ich circa vier Mal auf. Jedes Mal, wenn die Feuerwehr ausrücken musste und das Martinshorn an besagter Kreuzung angeschaltet wurde. Ja ick wes. Großstadt und so. Aber trotzdem! In der zweiten Nacht konnte ich erst gar nicht einschlafen, denn die Luft war so scheiße trocken, dass ich Hustenattacken bekam (ich bin eben alt) und immer wenn ich das Fenster aufmachte für Frischluft, hatte ich das Gefühl, an der Autobahn zu wohnen. Arme Fernfahrer. Wie schläft man eigentlich auf einem Rastplatz?

Im Nachhinein fühlt ich mich nach zwei Nächten im Hotel geräderter als zuvor. Dazu kommt noch, dass ich am ersten Abend eine Migräneattacke (habe ich zwei Mal alle fünf Jahre) bekam und ich mich übergeben musste. Das leckere Essen, welches ich vorher ganz weltmännisch in einem vietnamesischen Streetfood-Laden auf dem Prenzlauer Berg zu mir genommen hatte, landete somit schneller als erwartet in der Toilettenschüssel. Nein, ich kann darüber noch nicht lachen. Morgen vielleicht.

Das Schicksal wollte mir wohl eine Lektion erteilen. Oder Murphy. Oder Gott. Vielleicht: Träume sind Schäume. Vielleicht aber auch: Freu dich über das was du hast. Denn keine Nacht alleine im Hotel kann besser sein, als seine kleine schmusige Tochter im Arm zu halten, ihren Atmen zu spüren und ihre kleinen Hände zu streicheln. Ja, es ist nervig, wenn sie um 3 Uhr wach wird und bis 5 Uhr nicht wieder in den Schlaf findet. Doch es gab in den vergangenen 24 Monaten immer wieder Momente in diesen Nächten da war ich glücklicher als jemals zu vor. Da macht das Herz einen Satz. Und dann kann ich einfach nicht Schlafen. Aber dann ist es vor Glück. Besser wird es nicht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s