Von Catwalk-Mom bis Öko-Dad: Die wahren Helden der Spielplatz-Hölle

Kinder lieben Spielplätze. Das ist ein Naturgesetz. Somit verbringt man als Mutter oder eben auch als Vater viel Zeit auf dem sandigen Vorhof zur Hölle. Wobei meist nicht die Kinder das Problem sind, sondern die Eltern. Und weil ich so viele herrlich bizarre Dinge auf unseren Spielplatz-Touren beobachte und es irgendwie auch eine kleine Sozialstudie im Mikrokosmos ist, habe ich mal ein paar typische und total überzeichnete Elternarten beschrieben, die man auf fast allen Spielplätzen irgendwann mal antrifft. Alle diese Eltern-Typen habe ich tatsächlich schon mal gesehen. Und: Ja, dieser Text kann Spuren von Sakrasmus enthalten.

Die Snackbox-Königin
Sie trägt Softshell und kommt stets mit einem Doppelsitz-Radanhänger mit orangener Wackel-Fahne angefahren. In ihrer wasserabweisenden Radtasche, verbirgt sich ein Arsenal an Utensilien. Und eben Snackboxen. Um genauer zu sein: Bento-Boxen. Aus ihnen zaubert sie handgeschnitzte Gurken-Herzen oder geprikelte Apfelspalten. Natürlich bio. Auch an einem verregneten Herbsttag Mitte November hat sie 50er Sonnencreme parat. Schurwolle ist für sie nicht nur ein Material, sondern eine Lebenseinstellung. Mit Argusaugen beobachtet sie nicht nur ihre Kinder, sondern auch alle anderen inklusive Eltern. Fehlverhalten wird direkt geahndet. Meist mit hochgezogenen Augenbrauen. Schlimmster Feind: Raucher oder Muddis, die Nachrichten in ihr Handy tippen, während das Kind eine Sekunde unbeobachtet und eigenständig spielt. Ihr Lieblingssatz: ‚Warte bis du an der Reihe bist‘ oder ‚Nein, Gustav-Alexander, das gehört uns nicht. Gib dem Mädchen die Schippe wieder!‘

Die Business-Teilzeit-Daddys
Unter der Woche sitzen sie vollzeit im Büro. Doch am Wochenende ist ihre Zeit. Da stehen sie plötzlich mit Trinkfläschchen bewaffnet an Wippe, Rutsche oder Schaukel. Im lässigen Outdoor-Look jagen sie Ole-Gustav, Heinrich-August oder Sophia-Marlene durch den Sand. Pflügen mit ihrer guten Laune eine Schneise in die vornehmlich weibliche Spielplatz-Tristesse. Sie schaukeln mit ihren Kindern um die Wette und lassen die rostigen Scharniere ächtzen. Sie sind die wahren Spaßveteranen. Bei Muddi darf Yannik-Jasper schließlich nicht mit Sand werfen oder ein Eis vor dem Mittagessen vertilgen. Doch heute ist Daddy-Day! Clemens-Jakob droht vom Dach des Spielehäuschens zu stürzen? Kein Ding! Annabelle-Giselle hat Anton Sand ins Gesicht geworfen? No Problem! Wir wollen doch nicht gleich überreagieren! Hier und da ein kleiner Plausch unter Leidensgenossen mit dem Vater von Friedrich oder Paul. Zwischendurch schnell die Mails gecheckt auf der Parkbank, während Charlotte von der Spitze des Klettergerüst um Aufmerksamkeit buhlend winkt und ruft. Multitasking is alles! Sie verstehen den Hype um das Thema Kindererziehung und Vereinbarkeit nicht. Ist doch alles easy.

Die Catwalk-Mom
Bereits eine Woche nach der Entbindung trägt sie wieder Size 0. Mit Haarsausfall oder Wassereinlagerungen hatte sie nie zu kämpfen. Die erste Frage nach der Geburt lautete: ‚Wann darf ich wieder joggen?‘ Während die Otto-Normal-Muddi noch drei Monate nach der Entbindung aussieht wie eine Trümmerfrau, stolziert Catwalk-Mom perfekt geschniegelt und gestylt über den Spielplatz. Die Farbe ihres Outfits ist auf den Strampler ihres Sohnes und den Kinderwagen abgestimmt. Sie lässt alle anderen Menschen im Sandkasten alt und hässlich aussehen, während sie wie ein Victoria-Secret-Engel durch den Rindenmulch schwebt. Man will sie hassen, doch kann es nicht, weil sie zu nett und zu perfekt ist.

Der Öko-Dad
Er hasst Autos und hat bereits diverse Petitionen zur Ausweitung der 30-Zone auf den gesamten Stadtbereich auf den Weg gebracht. Er fährt Fahrrad. Aus Überzeugung. Mit Oberflächlichkeiten hält er sich nicht auf. Für andere Eltern interessiert er sich nicht sonderlich. Er redet generell nicht viel. Deswegen ist Small-Talk mit ihm die Hölle. Er weiß nur, dass er ein pädagogisches Konzept für seine Kinder hat. Alles andere interessiert ihn nicht. Er ist Lehrer. Physik und Sport. Seine Söhne Torben und Marvin können bereits mit zwei lesen und schreiben und können alle Elemente aufsagen – in alphabetischer Reihenfolge. Er greift in knifflige Situationen und Zankereien am Klettergerüst nicht ein. Daheim wird er aber alles nochmal analysieren und mit seinen Kindern lösungsorientiert durchgehen. Damit sie bessere Menschen werden. Und damit sie später einmal die globale Erwärmung aufhalten.

Die Kettenraucher-Mudda
Ihre Kids heißen wie Stars aus 90er-Jahre-US-Serien und auch ihr Outfit stammt aus dieser Zeit. Jogginghosen haben für sie keine direkte Verbindung zum Thema Sport. Sie raucht auch auf dem Spielplatz Kette und spielt gerne auf dem Handy Candy Crush, während Gerome und Dylan die Scheiße aus Justus-Hieronymus prügeln. Die Tasche unter dem Kinderwagen nutzt sie vorrangig zur Ablage von Leergut. Ihre Kinder laufen auch außerhalb von Karneval und Halloween öfter mal mit einem schwarz-weißen Skelett-Jogginganzug rum. Mudda findet das niedlich. Und: Ja, sie schnippt ihre Fluppe ab und an mal in den Sandkasten. Aber nur, wenn keiner guckt. Denn diese Yuppie-Eltern kriegen dann immer mega die Krise, wenn die dat sehen.

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11 Kommentare zu „Von Catwalk-Mom bis Öko-Dad: Die wahren Helden der Spielplatz-Hölle

  1. Bei uns verteilen sich die verschiedenen Typen sehr schön auf die verschiedenen Spielplätze. Je nachdem, auf welches Klientel ich Lust habe, kann ich also wählen.

    Und egal welcher Spielplatz: Ich bin die in Schwarz, die Kaffee trinkt und sich dabei die Füße vom Sohn im Sand einbuddeln lässt.

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  2. *lach* zu köstlich, Dein Beitrag!
    Ich bin auch die, die immer einen Kaffee to go dabei hat… und Kekse (NICHT Bio, nicht Vollwert) oder Gummibärchen und ich bekomme dann immer böse Blicke von den Jack- Wolfskin- Muddis mit ihren Tupperparties am Sandkastenrand.

    Gefällt 1 Person

      1. (und ne Zigarette, aber die rauche ich nicht auf dem Spielplatz sondern danach… als Entspannung nach den ganzen Superheros von Eltern die sich da um den Sandkasten tummeln *lach*

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