Skiurlaub mit Kind: Gondeltrauma & die Entdeckung der Langsamkeit

Ich liebe Skifahren. Schon immer. Mit drei Jahren stand ich das erste Mal auf Skiern und seitdem eigentlich jedes Jahr. Was für ein Glück, dass mich mein Au-Pair-Job damals nach Colorado in die Rocky Mountains verschlagen hat. Skifahren als tägliche Freizeitbeschäftigtung. Ein Traum. Ich bin ich mit den beiden Jungs (damals 5 & 8), auf die ich aufgepasst habe, ständig in die Berge gefahren und da Beide im Skiteam waren, haben wir die Wochenenden auf diversen Pisten verbracht. Dort habe ich den Achtjährigen auch Mal einen halben Tag in Aspen im Skigebiet verloren – aber das ist eine andere Geschichte. Wir haben seiner Mutter erst ein halbes Jahr später davon erzählt. Aus gutem Grund. Naja. Ist ja alles gut ausgegangen.

Da ich also Erfahrung mit Kindern und Skifahren hatte, war für mich immer klar: Auch meine Tochter soll ein Skihase werden. So früh wie möglich. Als Baby war es mir aber dann doch zu früh und wir starteten das erste Mal kurz vor ihrem zweiten Geburtstag. Das war vor ein paar Wochen. Long story short: Es war sehr schön, aber auch anstrengend. Und: Man muss sich mal wieder von der Vorstellung verabschieden, dass der Urlaub so wird wie früher.

Hier ein paar Fakten und Tipps:

Wähle ein Skigebiet, das nicht zu weit weg ist und familienfreundlich ist:
Wir waren im Brandnertal in Österreich. Der Vorteil: Nah an der Grenze und das Skigebiet liegt sehr nah an der Autobahn. Somit muss man den Kids keine stundenlange Serpentinen-Kurverei zumuten. Man ist schnell da. Zudem ist der Ort total auf Familien ausgelegt. Überall in den Restaurants gibt es Hochstühle, Malzeug und Spielecken. Außerdem gibt es viele Gerichte für Kinder zum kleinen Preis. Kinder sind überall willkommen. Das ist ein echtes Plus!

Ferienwohnung in direkter Nähe zur Gondelstation nehmen:
Kein nerviges Busfahren und langes Geschleppe von Skisachen. Die Gondel war 100 Meter von unserer Wohnung entfernt. So konnte ich zum Mittagsschlaf mit der Kleinen runterfahren. In sieben Minuten war man mit der Gondel auf dem Berg. Das heißt: Auch bei einem mittelschweren Windelunfall kann man schnell runter und Wechselklamotten holen.

Nehmt eure Geschwister, Großeltern oder Freunde mit:
Ich war mit meinen Schwestern und meinem Schwager unterwegs. Wir waren vier Erwachsene und fünf Kinder (von 2-16) und haben zwei Wohnungen im gleichen Gebäude gemietet. Je mehr Leute mitfahren, desto besser kann man sich abwechseln mit den Kids. Außerdem spielen die Kinder dann miteinander.

Gemütliche Berghütten und die Entdeckung der Langsamkeit:
Ein zweijähriges Kind kann noch keinen Skikurs machen. Dafür aber Schlittenfahren und den Schnee entdecken. Da es bei uns aber heftig geschneit hat und recht kalt war, waren unsere Ausflüge in den Schnee immer recht kurz. Deswegen braucht man eine gute Homebase. Eine Hütte, wo sich immer alle wiedertreffen. Meist waren meine Tochter und ich die ersten in unserer Stammhütte. Sie hat gemalt, ich habe Kaffee getrunken. Dann sind immer nach und nach meine Schwestern und deren Kids von der Piste gekommen und haben mich abgelöst. Dann konnten wir immer in anderen Konstellationen mal eine Piste fahren und wieder in die Hütte kommen.

Realitycheck:
Als Mutter kommt man im ersten Skiurlaub noch nicht so viel zum Fahren. Doch man muss die Berghütte und den Ausblick einfach auch als Urlaub sehen. Wenn man sich an diesen sehr gemächlichen Takt gewöhnt, dann kann man gut entspannen.

Unbedingt Teenager mit in den Urlaub nehmen:
Mein Patenkind ist 16 und mitten in der Pubertät. Diese Nullbock-Phase hat in einem solchen Urlaub echt Vorteile: Er wollte abends nie mit uns mitgehen, sondern lieber in der Wohnung sitzen und mit seiner Freundin chatten. Er war so der perfekte Babysitter für die Kleineren. Babyphone, Sofa und iPad und mein Neffe war glücklich und wir konnten auch mal etwas Apreski machen. Das Gute an unserer Wohnung: Diverse Gasthöfe und Kneipen waren direkt gegenüber.

Nix vormachen – es ist und bleibt anstrengend:
Mein Mann hasst Schnee und deswegen ist der Skiurlaub mein Ding. Somit war ich mit unserer Tochter ‚alleine‘ mit. Klar, mit meiner Familie, aber man darf sich nichts vormachen: Man ist immer noch Fulltime in der Verantwortung. Wenn die Anderen auf die Piste oder in ihre Skilurse gegangen sind, musste ich zusehen die Kleine auf den Berg zu kriegen. Da ist Winterurlaub schon nervig: Drei Lagen Klamotten, drei Lagen Creme gegen Kälte und Sonne, ein riesen Rucksack und alle Skisachen schleppen. Es ist nicht so einfach in voller Skimontur mit Skischuhen an den Füßen, ein Kind, einen Schlitten und einen Rucksack den Berg hoch zu kriegen. Da ist es schon cooler, wenn man zu zweit ist.

Schlimmster Moment:
Ich habe meine Skisachen an, Helm auf, Brille auf, Rucksack auf, Kind ist angezogen und wir wollen gerade los und dann….ist die Windel voll. Das wirft einen locker ne halbe Stunde zurück. Und in Thermokleidung Windeln zu wechseln, sorgt für Schweißausbrüche deluxe.

Gondeltrauma:
Für mich völlig normal – für eine Zweijährige mega aufregend: Die erste Gondelfahrt. Ich hatte das unterschätzt. Meine Ankündigung ‚das ist wie Karusselfahren‘ hat nicht geholfen. Die erste Fahrt war für meine Tochter nicht schön. Sie hatte echt Panik und das tat mir sehr Leid. Allerdings hatte sich das am zweiten Tag gelegt. Auch heute erzählt sie immer noch davon: ‚Gondelfahren schön. Nicht weinen!‘

Fazit:
Skiurlaub macht Spaß mit Kind. Allerdings sollte man in einer größeren Gruppe fahren, weil man sonst nicht zum Skilaufen kommt. Je älter das Kind, desto relaxter. Ein Skilehrer sagte mir, dass das beste Alter für den ersten Kurs vier Jahre sei. Erst dann könnten Kinder das Gelernte verarbeiten und auch behalten. Somit warten wir noch ein bisschen mit dem Kurs. Dennoch werde ich im nächsten Jahr wieder mit ihr in die Berge fahren.

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