Väter-Bashing: Darf man seinen Mann öffentlich doof finden?

Mal sind es Mütter, die bereuen – jetzt sind es Väter, die sich nicht kümmern. Morgen sind es vielleicht Mütter, die sich nicht kümmern und Väter, die bereuen. Wer weiß das schon. Die Trend-Themen in der Welt der Familienblogs sind schnelllebiger als Fake-Kettenbriefe zum Thema Kindergeld. Dennoch sind alle diese Themen natürlich nicht uninteressant. Denn: sie polarisieren. Der Traum aller Blogger. Allerdings bin ich bei der aktuellen Thematik extrem verwundert.

Zum Hintergrund: Einige Blogger haben ihrer Wut über faule Partner und nicht helfende Väter Luft gemacht. Das ist an sich nichts weltbewegendes. Dies online und öffentlich zu tun, dann aber anscheinend schon, denn es gab viele Kommentatoren, die das ätzend finden. Es wird kontrovers über das Thema diskutiert.

Ich denke man kann und darf vieles schreiben und veröffentlichen, allerdings sollte man sich etwaiger Konsequenzen bewusst sein. Auch, wenn man vermeintlich anonym im Netz unterwegs ist. Der Partner würde sich wohl fragen, warum die halbe Welt nun weiß, dass er ein fauler Sack ist, bevor die Frau mit ihm mal persönlich in aller Ernsthaftigkeit darüber gesprochen hat. Und die Kinder? Die würden es wohl auch leicht befremdlich finden, dass Mami Papi öffentlich als Doofmann hinstellt. Ich finde es befremdlich. Aber die Autorinnen werden sich diese Dinge sicherlich überlegt haben.

Was mich auch verwundert bei der Lektüre der Kommentare zu den Artikeln ist die Tatsache, dass es anscheinend viele Frauen gibt, die ihre Männer doof finden. Mütter, die vermeintlich ungewollt in eine sehr klassische Rollenverteilung gedrängt werden und deren Männer Haushalt und Kindererziehung eindeutig nicht zu ihren eigenen Themengebieten zählen. Hierbei handelt es sich um Mütter, die berufstätig sind und mit dem ganzen Kram im Alltag von ihren Männern alleine gelassen werden. Ich hörte von dieser Spezies Mann. Glaubte aber an eine aussterbende Gattung. Übrigens finde ich es völlig o.k, wenn Paare an klassischen Mustern festhalten, wenn beide Seiten dies wollen. Wenn aber beide arbeiten und einer sich aus dem Thema Haushalt völlig raushält, sich ständig Auszeiten mit Freunden gönnt und nicht wirklich viel Interesse an Interaktion mit den Kindern hat, dann wäre ich auch nicht amused. Allerdings wäre ich mit so einem Mann auch nicht zusammen. Denn über Nacht werden Menschen ja nicht so. Keine Ahnung. Vielleicht mutieren manche modernen Männer auch zu Steinzeit-Menschen, sobald Kinder auf der Welt sind. Ich weiß es nicht. Für mich gehört die Aufgabenteilung daheim auch vielleicht eher in die Privatsphäre einer Partnerschaft. Ein Artikel über einen doofen Mann ändert ja nichts an der akuellen Situation zu Hause. So oder so muss man irgendwann das Gespräch suchen und Lösungen finden. Oder eben Konsequenzen ziehen, wenn es für einen selbst nicht mehr tragbar ist. Aber da sind alles sehr intime Dinge. Bleibt dennoch die Ausgangsfrage: Darf man seinen Mann online bashen?

Klar, darf man. Es ist eine Stilfrage, ob man es tut. Muss immer alles öffentlich sein? Wie würde ich es finden, wenn ich einen solchen Artikel von meinem Mann über mich online entdecken würde? Ganz ehrlich? Ich wäre verletzt und fassungslos. Und: Mein Mann hätte ein ziemlich großes Problem.

Keine Frage: Ich finde es super wichtig über Rollenmuster und solche Themen öffentlich zu diskutieren und zu sprechen, aber vielleicht sollte man ein anderes Stilmittel benutzen.

Übrigens wollte ich erst einen Artikel darüber schreiben, warum mein Mann nicht doof ist. Er wollte das aber nicht.

Hier der Text, der den Stein ins Rollen gebracht hat. Bloggerin Teilzeitmutter hat sogar eine Blogparade zu dem Thema gestartet. Mit dem Aufruf, dass alle Muddis mal kräftig ablästern dürfen.

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15 Kommentare zu „Väter-Bashing: Darf man seinen Mann öffentlich doof finden?

  1. Kennst du diese Paare, die ihre Beziehungsprobleme am liebsten vor Freunden, auf Parties oder im Verwandtenkreis ausdiskutieren? Und ganz schlimm: dann Fragen stellen wie „was meinst du denn dazu“? Ich bin da jedes mal peinlich berührt und tendiere dazu, den Kontakt zu solchen Leuten langfristig zu meiden. Macht das bitte Zuhause miteinander aus, aber haltet mich da raus. Genau daran erinnert mich gerade diese Blogparade…nur das der andere sich noch nicht mal wehren kann. Ich finde das etwas peinlich und dem Partner gegenüber total unloyal.

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  2. das war ein guter Bericht ! Ich sehe es genauso. Solche Texte sind auch nicht hilfreich ! Diese Mütter sollten ihr eigenes Leben aufräumen. Aber vielleicht waren die normalen Geschichten auch zu langweilig ;-))))

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  3. Ich teile deine Meinung uneingeschränkt. Wenn ich ein Problem mit meinem Freund habe, rede ich mit ihm darüber und wir versuchen, eine Lösung zu finden. Ich war auch mit jemandem verheiratet, der mir nach der Geburt unseres Sohnes die ganze Erziehungsarbeit und den Haushalt überließ, um um die Häuser zu ziehen. Als ich eingesehen habe, dass er sich nicht ändern würde, habe ich ihn verlassen. Den Partner im Internet schlecht machen finde ich kindisch und mein Freund wäre absolut wütend, wenn ich so einen Beitrag über ihn veröffentlichen würde, zjmal die Gegenseite keine Möglichkeit hat, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.
    Liebe Grüße,
    Silvi
    http://www.eckenberlins.wordpress.com

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  4. Man darf über niemanden öffentlich lästern. Ich finde das nicht zielführend, sondern für die betroffene Person sehr verletzend, egal ob Mann Frau Kind. Was ist das Ziel bei öffentlicher Lästerei? Das Problem zu lösen und zu einer harmonischen gleichberechtigten Partnerschaft (zurück) zu finden, kann es nicht sein. Hier geht es offenbar „nur“ darum, Frust loszuwerden und den Rotz mal rauszulassen. Dieses Bedürfnis ist auch völlig ok, aber am Küchentisch mit der besten Freundin wäre dies besser aufgehoben als im Internet, dazu noch mit dem Aufruf, sich der Lästerei über den hauseigenen Idioten zu beteiligen.
    Wir als Eltern und Erwachsenen sind die Vorbilder unserer Kinder. Von uns lernen sie, Probleme zu lösen. Von uns lernen sie repektvollen Umgang miteinander. Von uns lernen sie, sich nicht Spielzeug und Schimpfwörter an den Kopf zu knallen. Unsere Kinder spüren sehr sensibel, wie wir miteinander umgehen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß dIe Mutter, sie sich im Internet darüber ausläßt, was Ihr Mann für ein Depp ist, sich am selben Abend respektvoll und selbstbewußt mit ihrem Mann zur Problemlösung zusammen setzt. Ihr Verhalten, ihre Einstellung gucken sich die Kinder ganz genau an. Und sie kopieren es. Das vom Vater übrigens auch. Und dann wird in der Schule gemobbt. Denn so machen die Eltern es ja auch, so haben es die Kinder gelernt: lästern, wenn man sich unbeobachtet fühlt, statt offen Probleme anzugehen.
    Ich befürchte, daß diejenigen, die so gerne über ihre Partner „abrotzen“, dieselben sind, die ihren Kindern durch ihr eigenes Verhalten das Mobben beibringen. Und die sich natürlich umgekehrt am lautesten beschweren, wenn ihre Kinder gemobbt werden. Denn sie wissen ja selber, wie verletzend und treffend es ist.

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  5. Ich sehe es etwas differenzierter. Ich stimme zu, dass jedes Paar diese Themen selbst lösen muss. Es gibt aber immer wieder Situationen, da hilft es Dampf abzulassen. Ein Blog ist eine tolle Sache, da niemand gezwungen ist, dass zu lesen. Man bekommt eine Meinung bzw viele und kann eigene Probleme entsprechend einordnen. Die Diskussion hier ist doch ein tolles Beispiel dafür. Wollte ich so etwas von meiner Frau über mich lesen? Nein, aber wer weiß was sie mit ihren Freundinnen bespricht. Manchmal braucht man einfach einen Blitzableiter.

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    1. Man muss auf jeden Fall mal Dampf ablassen. Über den Partner öffentlich….weiß nicht…ist als Online-Artikel dann als geschriebenes Wort für immer in der Welt – auch, wenn er plötzlich der weltbeste Papa wird. So was ist schwierig wieder zurückzunehmen, wenn es einmal nach draußen geblasen wurde.

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  6. Ich bin deiner Meinung, dass die Frauen einfach mal ihre Männer ansprechen sollten, was ihnen nicht gefällt oder wenn es nicht fruchtete, selbst etwas ändern. Vielleicht hilft es, wenn die Frau in den Streik tritt bzw. einfach ein Mitanpacken einfordert. Außerdem ist es schade, nur eine Seite zu hören. Vielleicht findet der Mann seine Frau auch „doof“ und anstatt beide das klären, steht er blöd in der Öffentlichkeit. Dass mit einem lachenden Auge auf dem Blog hier und da über den Partner berichtet wird, finde ich ok, doch es darf nicht verletztend und persönlich werden. Dann muss man sich selbst aber auch aufs Korn nehmen können. Ansonsten sollte niemand an den Pranger gestellt werden. Du hast das gut auf den Punkt gebracht. LG, Sabine

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    1. Ich selbst liebe Satire und nehme sicherlich auch mal Andere, aber eben auch mich selbst aufs Korn. Dampf ablassen ist völlig o.k. Habe ich auch schon mit Blogposts. Ich versuche allerdings, niemanden direkt vor den Kopf zu stoßen. Wenn ich über andere Leute schreibe, kläre ich das meist vorher kurz ab oder formuliere gezielt überspitzt und verfremde Identitäten, dass sich niemand angegriffen fühlt. Meinen Partner öffentlich durch den Kakao zu ziehen, sehe ich einfach auch als Vertrauensbruch innerhalb der Beziehung. Aber das sehen vielleicht manche Leute auch nicht so eng. Deswegen wird das zurzeit auch so kontrovers diskutiert.

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  7. Letztendlich kann jeder machen, was er will.
    Ich persönlich würde niemals öffentlich über meinen Partner schimpfen- das ist genauso als ob ich hinter seinem Rücken ablästern würde.
    Das ist für mich eine Stufe zu privat- mein Sexleben gebe ich schließlich auch nicht Preis.
    Lieber die Zeit in ein gepflegtes Gespräch packen, als eine Stunde an einem Blog gegen den Partner zu arbeiten.
    Ich kann mich übrigens nicht beschweren. Naja… die Socken VOR und nicht IN der Waschmaschine mal ausgeschlossen- denke ich, dass interessiert Euch herzlich wenig. 😉

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