Schnullerschnuten statt Saufbilder: Gastvaddi will seine Freunde zurück!

Heute gibt es eine Premiere bei Muddi: Ich habe einen Gastautoren am Start. Warum? Weil ich eine andere Perspektive – in diesem Falle eine männliche – spannend finde. Bei dem Gastvaddi handelt es sich um einen Freund und Ex-Redakteurs-Kollegen. Er ist Journalist, Vater einer Tochter und bekennender Serienfreak. Es gibt somit einige Parallelen, auch weil seine Tochter nur ein paar Wochen älter ist, als meine. Somit: Viel Spaß beim Fremdlesen!

Neulich im Gespräch mit einer Freundin. Sie: „Manchmal hab ich das Gefühl, nur noch mit Säuglingen und Kleinkindern befreundet zu sein.“ Ich: „Hä? Wieso das denn?“ „Guck mal bei whatsapp. Alle Muddis haben in ihrem Profilbild ein Foto von ihrem Kind.“ Kurzer Check meiner Kontaktliste. Dann: „Okay, könntest recht haben. Sieht bei mir nicht anders aus.“

Keine sich am Strand räkelnden Bikinikörper mehr, keine Strahlegesichter über Sektflöten und auch keine Silhouetten vor karibischen Sonnenuntergängen. Dafür erste Zähne, kahle Schädel und Kulleraugen über Schnullerschnuten.

Und was haben wir dann gemacht aus unserer bahnbrechenden Beobachtung? Haben wir über den grundsätzlichen Umgang von whatsapp mit Nutzerdaten philosophiert? Nö. Wir haben auch nicht dieser ermüdenden Diskussion über Kinderfotos im Netz ein neues gähnend langweiliges Kapitel hinzugefügt. Vielmehr ging es meiner Bekannten darum, deutlich zu machen, wie sehr sie das Nachwuchsgeposte nervt: Denken die nur noch an ihre Kinder, kein eigenes Leben mehr, total fixiert auf ihre Rolle als Muttertier… Während sie sich in Rage redete, checkte ich die Vaddies in meiner Freundesliste. Gab auch n paar Kinderzeiger. Aber deutlich weniger als bei den Ladies. Außerdem waren die Damen aktualisierungsfreudiger.

Sämtliche Bilder, die ich anklickte, waren wahlweise total witzig/süß/schön und manche vor dem Veröffentlichen noch schnell durch den Weichzeichner gedrückt worden. Da überlassen fürsorgliche Eltern nichts dem Zufall. Soll ja nicht der falsche Eindruck entstehen, man habe ein völlig normales Kind in diese Welt gesetzt. Wie sagte doch ein Kumpel von mir: „Das eigene Kind ist immer das Süßeste.“ Trifft das nicht zu, kann es zumindest – instagram und Photoshop sei Dank – so rüberkommen. Die Handykamera ist ohnehin ständig im Anschlag, um das junge Leben lückenlos zu dokumentieren und unaufgefordert mit der ganzen Welt den engsten Freunden zu teilen.

Mag das auch alles seine Berechtigung haben und in zig Studien untersucht worden sein, wenn ich so durch meine Kontaktliste scrolle, ertappe ich mich doch immer wieder bei der Frage:
Warum machen Muddis das (so viel stärker als Väter)?
Und wenn es beispielsweise Liebe und/oder Stolz sein sollte – lieben die Eltern, die keine Fotos posten, nicht genug?

Manchmal möchte ich all den Muddis und Vaddis zurufen: Ich mag eure Kinder (zumindest die meisten), finde sie wirklich süß und freue mich, sie gelegentlich sehen und in Action erleben zu dürfen. Aber mit den Kleinen bin ich (noch) nicht befreundet, und seitdem wir unsere Kinder haben, sehe ich euch alle ohnehin viel seltener als früher. Deshalb lasst mir doch wenigstens die Freude, euch selbst in euren Profilbildern bei whatsapp zu sehen.

P.S.: Vor einigen Tagen ist die Freundin (s.o.) zum ersten Mal Mutter geworden. Sechseinhalb Tage nach der Geburt ihres Sohnes zeigte ihr Profilbild bei whatsapp die Füße des Kleinen…

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3 Kommentare zu „Schnullerschnuten statt Saufbilder: Gastvaddi will seine Freunde zurück!

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