Zwischen Skorpionen und Exorzismus: Eine ganz normale Horror-Nacht

Es gibt Nächte, da wundert einen gar nichts mehr und es gibt Nächte, da geht gar nichts mehr. Manchmal vereinen sich diese dunklen Nächte zu einer einzigen HORROR-NACHT! So geschehen im Urlaub. In Italien. Obwohl der Begriff „Urlaub“ mit Kind neu definiert werden müsste, denn mit dem „Urlaub“, den man aus dem Vor-Baby-Zeitalter kannte, hat die ganze Nummer wenig bis gar nichts mehr zu tun, aber dazu später einmal mehr…

Zurück zur Nacht der Nächte. Das Kind schlummerte friedlich im Reisebettchen am Fußende des Elternbettes. Ich sage das jetzt bewusst so. Es ist kein Familienbett, kein Kinderbett, sondern das ELTERNBETT. Denn es gehört eigentlich den Eltern. Eigentlich. Nur nicht morgens um 5 Uhr oder wenn das Kind zahnt oder das Kind krank ist oder wenn das Kind einen Schub hat oder wenn der Wassermann in der Waage steht und der Blutmond die Sonnenfinsternis verdeckt.

In dieser recht heißen Nacht der Nächte im wunderschönen Italien traf all das zu. Denn das friedlich schlummernde Kind mutierte von jetzt auf gleich zu HULK. So stand unsere Tochter – ein sonst eher zartes und elfenhaftes Wesen mit sonnigem Gemüt, aber einem mega Organ – plötzlich aufrecht im Bett und wackelte an den Stäben wie ein Häftling aus Prison Break. Dabei schrie sie in einer ohrenbetäubenden Lautstärke. Beruhigungsversuche schlugen fehl. Der Umzug ins Elternbett ebenso. Sie reagierte nicht. Brüllte weiter. Zähnchen? Ich dachte an Nachtschreck. War es das? Dagegen sprach, dass sie plapperte und auf Dinge im Zimmer zeigte. Sie ist 15 Monate alt und kann schon viele Wörter, aber das war nun etwas unheimlich. „Mama, Papa, Oma, Opa, Auto, Ball!“ Sie wiederholte das mehrfach. Dann wieder Geschrei. „Mama, Papa, Oma, Opa, Auto, Ball!“ O.K. Ich bekam Angst. Dann plötzlich plapperte sie wie von Sinnen Kauderwelsch in einem Tempo, das Eminems Rap-Skills alt aussehen lassen. Dabei wälzte sie sich im Bett umher. Immer wieder. Ließ sich rückwärts auf die Bettdecke fallen. War nicht zu beruhigen.

Da ich leider zu viele Horrorfilme gesehen habe, in denen kleine Mädchen aus Fernsehern klettern oder die Wände hoch krabbeln, hätte es mich auch nicht gewundert, wenn die Kleine plötzlich mit einer Männerstimme rückwärts aramäisch gesprochen hätte. Scheiß Horrorfilme. Danke Stephen King. Meine Angst wankte zwischen Fiktion und Realität. Dies war mein persönlicher Nightmare on Elmstreet. Was ist mit ihr los? Muss ich einen Arzt oder einen Exorzisten rufen? Und wie findet man letzteren? Im Film rufen die dann immer eine geheimnisvolle Person im Vatikan an, die dann jemanden schickt. Zumindest waren wir ja schon in Italien. Keine Ahnung.

Ich schickte meinen Mann panisch in die Küche, um schnell eine Flasche Milch zu machen. Vielleicht half das ja zur Beruhigung. Er kam nach einer gefühlten Ewigkeit wieder. Die Kleine schrie zumindest nicht mehr. War aber immer noch völlig aus dem Häuschen. Er kam ohne Milch rein, guckte leicht schockiert und sagte nur: „Im Flur sitzt ein Skorpion! Ich kümmer mich mal darum!“ Ich schaute ihn sauer an und antwortete: „Und was ist jetzt mit der Milch?“ Fassungslosigkeit. Auf beiden Seiten. Aus unterschiedlichen Gründen.

Es gibt Situationen, in denen man Prioritäten setzen muss. Kind und Schlaf: Wichtig! Skorpion vor der Schlaffzimmertür: Unwichtig! Eigentlich nicht, aber Schlafmangel macht das mit einem. Es gibt nachts nur schwarz und weiß und ein Ziel: Schlaf. Skorpione sind dann egal. Ein Problem nach dem anderen.

Nach drei Stunden schlief unsere Tochter schließlich zwischen uns ein. Nach Schreiattacken und Kauderwelsch war sie noch eine Weile hellwach und plötzlich im Spielmodus, danach brauchte sie noch anderthalb Stunden, um endlich in den Schlaf zu kommen. Die Milch wollte sie übrigens nicht. Sie drangsallierte uns noch ein wenig mit Tritten und schnarchte irgendwann selig. Da war es schon hell. Im Vatikan habe ich nicht mehr angerufen. Leider hatten wir kein WLAN und die Nummer habe ich nicht gespeichert. Kommt aber auf meine To-Do-List. Wichtig war nur, dass sie sich irgendwann beruhigt hatte und am nächsten Morgen gut gelaunt aufwachte und ganz die „Alte“ war. Allerdings fing ich dann an, mir Sorgen um das Thema „Skorpione“ zu machen.

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8 Kommentare zu „Zwischen Skorpionen und Exorzismus: Eine ganz normale Horror-Nacht

  1. Das hört sich tatsächlich sehr ähnlich an wie unsere (im wahrsten Sinne des Wortes) „schreckliche“ Nacht!: https://seitdudabist.wordpress.com/2015/06/16/schrecken-der-nacht/
    Und ich denke, dass es bei Euch – trotz Brabbelpausen – dennoch eine Art Nachtschreck war. Hört sich doch ansonsten ganz danach an.
    Furchtbar, das eigene Kind so zu erleben und vor allem, so hilflos und ratlos daneben zu stehen, nicht wahr!?!

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    1. Kann gut sein. Vielleicht war es erst Nachtschreck und dann durchs Aufwachen war sie plötzlich völlig drüber. Weitergeschlafen hätte sie aber so nicht….frag mich, wie das gehen soll…

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  2. Bis auf den Skorpion kenne ich leider alles. Wir hatten auch einige Horrornächte in den Urlauben mit dem Großen. Vor allem die ersten Nächte waren immer schwierig und bei Krankheit potenzierte sich das alles noch. Was Du beschreibst, klingt schon ziemlich nach Nachtschreck. Zu welcher Uhrzeit war das denn? Nachtschreck kommt ja eigentlich fast immer im ersten Drittel der Nacht. Mein Sohn hatte auch viele dreistündige nächtliche Wachphasen, allerdings war das etwa um seinen ersten Geburtstag bis auf 1-2 Ausnahmen vorbei. Furchtbar! Und Urlaub mit Kind? Ist kein Urlaub. Bin gespannt, was Du darüber schreiben wirst.
    Liebe Grüße!

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    1. Im Urlaub hat sie sonst eigentlich ganz gut geschlafen…es war in der Nacht sehr heiß. Uhrzeit würde ich so auf halb zwei schätzen. Nächte mit Wachphasen hatten wir auch immer mal, aber nie so krass mit langen Schreiphasen oder dem ganzen Gebrabbel und Rumgewälze….sie hatte auch kein Fieber oder so….war schon merkwürdig.

      Über das Thema Urlaub blogge ich bald….

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  3. Oh man, ist doch verrückt, wie leicht man sich von Horrorfilmen letztlich doch irgendwie überzeugen lässt, wenn man nur verzweifelt genug ist… Ich hätte in eurer Situation wahrscheinlich an „The Sixth Sense“ und ähnliche Filme gedacht und befürchtet, die Kleine hat übersinnliche Fähigkeiten und wollte Botschaften anwesender Geister übermitteln [das zählt für mich schon als Horrorfilm, kenne sonst nicht so viele und habe auch nicht vor, daran etwas zu ändern…ihr versteht nun sicher warum ;)]
    Toller, wenn auch beängstigender Beitrag! Thanx

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    1. Ja, Horrorfilme haben mich versaut…zelten im Wald? Ne, das hat mir die Blairwitch vermiest. Clowns? Pennywise. Gullis? Stephen King. Motels? Psycho. Die Liste ließe sich so weiterführen….

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