The walking wreck

Nach drei Nächten ohne Schlaf – beziehungsweise nur 45-Minuten-Intervallen – geh ich am Stock. Muss aber funktionieren. Ich bin ein Zombie. The walking wreck. Es ist erstaunlich, was der Körper so alles kann, wenn er muss.

Bis zur Schwangerschaft hatte ich ja keine Ahnung, zu was so ein Körper so alles fähig ist und wie cool Hormone eigentlich sind. Nur jetzt hilft mir diese Erkenntnis auch nicht. Ich bin müde. Gut, dass mir vorher niemand gesagt hat, dass man wirklich die ersten Monate, wenn nicht sogar Jahre sehr sehr wenig Schlaf bekommt. Ich, die bekennende Anti-Frühaufsteherin, die schon stolz war, wenn sie es mal vor neun ins Büro geschafft hat. Ich habe mit dem maximalen Ausreizen der Snooze-Taste meinen Mann in den Wahnsinn getrieben. Ich hatte mein Morgenritual so optimiert, dass ich die maximale Schlafzeit herausholen konnte. Das hieß aber auch: Zähneputzen und Toiletten-Gang gleichzeitig, Haare nur föhnen, wenn unbedingt nötig, die Stadtwerke-Bus-Echtzeit-App immer im Blick und wenn angezeigt wurde, dass der Bus in einer Minute kommt, bin ich los gerannt. Unter einer Minute habe ich mich nicht in Bewegung gesetzt. Kaffee und Frühstück am Bahnhof kaufen und im Zug trinken und essen. Ich war stolz auf mein Leben am Zeitlimit. Es hat immer alles so gepasst. Irgendwie brauchte ich den Stress. Irgendwo am Bahnhof warten, empfand ich als Zeitverschwendung. Dann hätte ich ja besser noch ein bisschen schlafen können.

Dann kam das Kind und ich musste mein Leben, mein Zeitmanagement (manche würden eher von einem fehlenden Zeitmanagement sprechen) komplett ändern. Für Eulen ist das besonders hart. Denn abends bin ich immer lange topfit, geh spät ins Bett und mag die Nacht. Menschen wie ich, müssen alles ändern. Auch ihre Einstellung zum Morgen. Ich bin anfangs trotz kurzer Nächte spät ins Bett gegangen. Wollte das Maximum aus meiner knapp gewordenen „Freizeit“ herausholen. Das ging ein paar Monate gut. Da haben mich die Stillhormone noch über Wasser gehalten. Am Anfang braucht man den Schlaf noch nicht so sehr. Das nächtliche Stillen ging erstaunlich gut und die Kleine hat immer schon ganz gut geschlafen. Dann kamen die schlimmen Nächte. Die erste Erkältung, Zähnchen und die Erkenntnis, dass es nicht funktioniert, wenn man um Mitternacht ins Bett geht, ab 1 Uhr nonstop wach ist und man dann noch einen ganzen Tag mit Baby durchstehen muss. An solchen Tagen wird man zu Robo-Muddi. Man funktioniert. Es geht, aber nicht gut. Denn Schlafentzug wird nicht ohne Grund auch als Foltermethode eingesetzt. Es ist Folter. Da passieren dann so Dinge, wie die, dass man sein Kind panisch im Wohnzimmer sucht, obwohl es sich eigentlich von der Spieldecke noch nicht weg bewegen kann und man merkt irgendwann, dass man die Kleine in den Stubenwagen ins Kinderzimmer gelegt hat. Irgendwie lustig und irgendwie auch nicht.

Also, Arschbacken zusammenkneifen und früh ins Bett. Stress vermeiden. Denn spätestens, wenn man den ersten Arzt-Termin zur U-Schlagmichtot um 8 Uhr morgens hat, merkt man, wie schwierig es ist, ein Baby und sich selbst fertig und abmarschbereit zu machen, ohne eine Stunde zu spät zu kommen und wahnsinnig zu werden. Zeitpuffer für Windel, Durst, vollgespucktes Outfit oder spontane Schreiattacken sind notwendig. Was ich jahrelang nicht geschafft hab, muss jetzt sein. Ich habe keine Wahl. Mein Baby hat mich einer Schocktherapie unterzogen und mich erzogen.

Und schon wieder: 1:0 fürs Baby.

Notiz an mich selbst: Ich werde mir zu Weihnachten eine Nacht im Hotel wünschen. Alleine. Ich werden um 12 Uhr einchecken, Filme gucken, Room-Service bestellen und von 22 bis 10 Uhr durchschlafen. YEAH!

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2 Kommentare zu „The walking wreck

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